Langerringen/Bobingen Bobingens Bürgermeister Bernd Müller ist derzeit nicht gut auf die Telekom zu sprechen: Was sich das Unternehmen leiste, bringe sicher "keinen positiven Werbeeffekt", sagt er. Und auch in Langerringen gibt es große Verwirrung um den Ausbau der Mobilfunk- und DSL-Versorgung. Bürgermeister Konrad Dobler spricht von einem "schäbigen Verhalten" der Telekom. Von Monika Schmich
Grund für den Ärger: In Bobingen hat sich der Ausbau des Breitbandangebots in den Ortsteilen verzögert, weil sich Telekom und der Anbieter mvox AG anscheinend nicht über technische Details einigen konnten (siehe Bericht Seite 7).
In Langerringen liegt die Sache anders: Hier rüstet die Telekom eine bestehende Antenne im Ort mit einem UMTS-Sender auf - auf eigene Rechnung, für die Gemeinde kostenlos. Der zusätzliche Sender soll den Menschen das mobile Surfen im Internet - auch per Handy - erleichtern, sagt das Unternehmen.
Was an sich gut klingt, stört den Langerringer Bürgermeister gewaltig. Denn er befürchtet eine höhere Strahlenbelastung seiner Bürger. Und nicht nur das: Dobler wirft der Telekom vor, "durch die Hintertür" auf den Markt zu drängen. Denn Langerringen hat mit einem anderen Anbieter einen Vertrag über den Ausbau der DSL-Versorgung mit Glasfaserkabel abgeschlossen. Gut 490 000 Euro investiert die Gemeinde. Die Telekom hatte den aufwendigen Ausbau der kabelgebundenen Versorgung abgelehnt.
Keine Konkurrenz
Nun befürchtet man, die Telekom könne mit ihrem UMTS-Angebot dem Festnetz-Anbieter Kunden abgraben. Völlig unbegründet, meint der Experte Wolfgang Boos von der Fachzeitschrift connect: "Ich sehe keine Konkurrenz." Via UMTS von zu Hause im Internet zu surfen sei im Vergleich zu Festnetz-DSL deutlich teurer, die Übertragungsraten seien geringer. Auch die Telekom selbst betont, dass sie nicht in Konkurrenz zum DSL-Anbieter treten wolle.
Grund für den Ausbau, so erklärte Unternehmenssprecherin Cordelia Hiller auf Nachfrage unserer Zeitung, sei die starke Belastung der Mobilfunknetze. Von einem "immensen Bedarf" in der Region ist die Rede. Immer mehr Kunden nutzten das bestehende Mobilfunknetz, um mit dem Handy im Internet zu surfen. Durch den Ausbau der UMTS-Technik sollen Kapazitätsengpässe vermieden werden. Hiller versteht den Unmut des Bürgermeisters nicht. "In der Regel freuen sich die Gemeinden, wenn wir ihnen eine zusätzliche Internetversorgung bieten." Doch bei vielen Bürgermeistern in der Region hält sich die Begeisterung in Grenzen.
Die Mobilfunk-Standorte in Großaitingen und Schwabmünchen sind bereits mit entsprechenden Sendern aufgerüstet. Schwabmünchens zweiter Bürgermeister Johann Nebaur hat Zweifel ob der Notwendigkeit: "UMTS ist sicherlich eher für junge Leute interessant." In Großaitingen scheint man den Ausbau stillschweigend zu akzeptieren. Dagegen vorgehen könne man ohnehin kaum, heißt es. Denn für die Aufrüstung der Masten braucht das Unternehmen keine Genehmigung. "Man muss das Ganze zähneknirschend hinnehmen", klagt Konrad Dobler. Oder sich darüber freuen - das rät der Experte. "Der Ausbau bringt sicherlich auch einen Standortvorteil", sagt Boos.
Die Telekom will den UMTS-Ausbau in der Region fortsetzen. Noch im Herbst, so die Sprecherin, ist Klosterlechfeld dran. Hier hatte es im Frühjahr bereits einen erfolglosen Bürgerentscheid gegen eine Mobilfunkanlage gegeben.»Seite 7
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