Freitag, 24. November 2017

07. September 2017 20:00 Uhr

Königsbrunn

Voller Einsatz auch unter der Oberfläche

Die Königsbrunner Wasserwacht hat 20 Taucher in ihren Reihen. Der 19-jährige Eric Hoffmann sagt, wie der Ilsesee als Revier ist und wie er sich auf die Einsätze vorbereitet. Von Claudia Deeney

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Ein gelungener Tag der Wasserwacht in der Brunnenstadt ist einer, an dem nichts passiert ist. So sieht das sicher nicht nur der Ortsvorsitzende Christian Peter. Obwohl er den Badegästen am Ilsesee ein recht gutes Zeugnis ausstellt und viele Schwimmer mit Hilfen wie der sogenannten Schwimmnudel ins Tiefe gehen, kommt es immer wieder zu Badeunfällen. Für besondere Notfälle haben die Königsbrunner auch Taucher in ihren Reihen.

In den letzten Wochen verhinderte ihr schnelles Eingreifen Schlimmeres. Einmal rückten sie mit dem Boot aus und retteten einen Mann vor dem Ertrinken, das andere Mal befand sich ein Kind in Gefahr: Die Mannschaft war zu Fuß schneller am Ort des Geschehens und half. Beim dritten Mal wurde ein Asylbewerber aus dem Wasser gezogen. Zudem kenterte am Mandichosee ein Boot mit mehreren Personen. Und dann war da noch der Einsatz in Lauingen, bei dem eine Frau ihr Auto in die Donau gesteuert hatte. An dem Einsatz war auch der 19-jährige Taucher Eric Hoffmann beteiligt: „Die Donau hat schon eine andere Strömung, ich war kaum drin im Wasser, um den Hebesack unter das gesunkene Fahrzeug anzubringen, da hat es mich auch schon ziemlich weggezogen, das war richtig anstrengend.“ Die Fahrerin war vorher schon tot aus dem Fahrzeug geborgen worden, das blieb ihm erspart.

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Die Leidenschaft fürs Tauchen kommt vom Vater

Bisher musste er noch keine toten Menschen bergen, aber sein Vater Peter Hoffmann schon. Dieser ist seit 1975 aktiv bei der Wasserwacht, heute in Königsbrunn und Haunstetten. Von ihm hat der Sohn die Leidenschaft fürs Tauchen übernommen und das Engagement für die „WW“. „Als Taucher im Einsatz muss ich damit rechnen, ertrunkene Menschen bergen zu müssen“, erklärt er, „einer muss es ja auch tun.“ Die Einsatzkräfte können bei Bedarf den psychologischen Dienst genauso in Anspruch nehmen wie die Angehörigen der Opfer.

Mit etwa 20 Tauchern hat die Wasserwacht in Königsbrunn recht viele dieser eigens ausgebildeten Spezialisten in ihren Reihen. Was auch daran liegt, dass der Ilsesee für Taucher ein sehr schönes Übungsgelände ist. „Wer sich als Schwimmer beklagt, dass der See nicht sauber ist, der war noch nicht an anderen Seen“, sagt auch Hoffmann Junior und führt aus: „Der See ist schön klar und hat eine tolle Unterwasserflora, viele verschiedene Fischarten und ist für Taucher auch attraktiv, weil er recht tief ist.“

Zehn Tauchgänge pro Jahr bringen die Lizenz

Auch wenn er gerne in der Karibik unter Wasser geht, seine Einsätze und jährlich vorgeschriebenen Übungseinheiten absolviert er in der Region. Zehn Tauchgänge pro Jahr (mindestens 300 Minuten) müssen er und seine Kameraden nachweisen. Dazu kommt die arbeitsmedizinische Untersuchung. Wenn alles stimmt, wird die Lizenz um ein Jahr verlängert, traditionell zum Silvestertauchen. Zuvor müssen die Wasserretter aber erst mal die Schulungen und Prüfungen absolvieren, die sich mit Themen wie Taucherernährung, Kompressorenkunde oder der Tauchmedizin beschäftigen. Die Terminologie bezeichnet sie demnach auch nicht einfach als Taucher, sondern als „Rettungstaucher“.

„Alleine geht keiner von uns unter Wasser, wir sind mindestens zu zweit und ein Signalmann steht draußen und sichert uns an der Leine“, erklärt Hoffmann das Prozedere auch beim Üben. Bis vor Kurzem signalisierte der Taucher über Ziehen an der Leine, was er will. „Einmal ziehen heißt: sofort raus“, verdeutlicht der 19-jährige. Jetzt haben die Brunnenstädter eine spezielle Kopfausrüstung mit Funk und können sich so verständigen.

Winterschlaf kennen die Wasserwachtler nicht

Alleine oder ohne Sicherungsleine tauchen ist tödlicher Leichtsinn, vor allem im Winter. Vor mehreren Jahren sind zwei Taucher bewusst unter das Eis gegangen und haben die strengen Vorschriften missachtet und bezahlten dafür mit ihrem Leben. „Wahrscheinlich haben sie die Orientierung verloren und das Einstiegsloch nicht mehr gefunden, Panik bekommen und sind dann ertrunken“, erklärt Peter.

Im Winter hat die WW ganz andere Einsätze – mit dem Schlitten auf dem See. „Einbrechen kann passieren, aber öfter rutschen die Eisfans aus und brechen sich Arme, Beine oder ziehen sich Kopfverletzungen zu“, führt der Ortsvorsitzende aus. Die Menschen, denen sie helfen oder sogar das Leben retten, sind dankbar. Letztes Jahr konnte das Team zwei Menschen, die schon im Wasser versunken und klinisch tot waren, nicht nur bergen, sondern auch wieder reanimieren. Das passierte unabhängig voneinander, in einem Zeitraum von nur zwei Wochen, und beide Personen kamen später nochmals vorbei und bedankten sich persönlich bei den Rettern. Peter freut sich noch heute und sagt stellvertretend für seine Leute: „Das ist für unsere Arbeit natürlich eine tolle Bestätigung und das Beste, was überhaupt passieren kann.“

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