Samstag, 25. Juni 2016

19. März 2016 08:01 Uhr

Schwabmünchen

Warum sich Mode-Unternehmer Peter Schöffel über Regen freut

Wie der Schwabmünchner Unternehmer Peter Schöffel vom Wander-Boom profitiert und auf den ausbleibenden Schnee reagiert. Hier hilft dem Firmen-Inhaber auch die Polizei.

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Schon wieder ein Winter, der kein Winter war. Da müsste ein Unternehmer wie Peter Schöffel, der Jacken und Hosen für Schnee-Sportler herstellt, in einer Sinnkrise stecken. Die Reise geht in das 30 Kilometer von Augsburg entfernte Schwabmünchen, natürlich an einem zunächst sonnigen Tag mit Temperaturen um die zehn Grad. Weit und breit kein Weiß, das einem – und sei es ein Schnäppchen – animieren könnte, noch eine schöne warme, atmungsaktive Ski-Jacke zu kaufen. Dann regnet es auch noch.

„Regen ist gut für uns. Da kaufen die Leute, vor allem im Sommer, neue Outdoor-Jacken“, sagt der schlanke, groß gewachsene Peter Schöffel. Er ist gut gelaunt und durchtrainiert wie bei früheren Treffen, als Winter noch Winter waren. Der Unternehmer trägt zur Jeanshose und den Turnschuhen eine eng anliegende, zweischichtige Kapuzen-Jacke, natürlich aus dem eigenen Haus.

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Nicht nur Wanderer kaufen Outdoor-Kleidung

Outdoor-Kleidung ist längst mehr als atmungsaktive, winddichte Hosen und Jacken für Sportler. Sie unterliegt Modetrends. Schöffel profitiert davon, dass nicht nur Wanderer, Bergsteiger oder Skifahrer seine Kleidung kaufen. Outdoor ist längst auch Indoor. Fleece-Jacken werden im Beruf und selbst im Theater getragen. Schöffel ist an der Spitze angelangt

Schöffel sitzt in seinem Büro und wirkt, als ob er gleich zu einem kräftezehrenden Outdoor-Erlebnis aufbricht – und sei es ohne Schnee. Ein klarer Fall von gelebter Marke. Dann noch seine in schwäbischen Unternehmerbreiten nicht häufig anzutreffende Gesprächslust und dieses auffällige Gutgelauntsein.

Auch Winter, die keine mehr sind, haben etwas positives

Die Heiterkeit des 54-Jährigen entspringt nicht Selbstzufriedenheit. Er vermittelt vielmehr den Eindruck, unruhig und selbstkritisch nach neuen Strategien zu suchen. Der Unternehmer wirkt wie auf dem Sprung. Selbst Wintern, die keine Winter mehr sind, kann er positive, weil herausfordernde Seiten abgewinnen: „Das hat uns zu Veränderungen gezwungen. Und Veränderungen sind gut.“

Mit positivem Denken ist Schöffel die Winter-Wetter-Widrigkeiten angegangen und steuerte um. Vor 30 Jahren hat die Firma noch 60 Prozent des Umsatzes mit Ski-Kleidung gemacht, heute sind es 20 Prozent. Es bringt nichts, gegen die Klima-Veränderung zu rebellieren. Der Anbieter profitiert stark vom Wandertrend, der Flucht gestresster Städter in die Natur.

Weil die Schwabmünchener noch selber schneidern, beliefern sie jetzt Österreich

Trotzdem ist der Wintersport nach wie vor ein wichtiger Werbeträger für die Schwabmünchner. Das österreichische Alpinski-Team trägt seit 2009 Schöffel und die Geschichte, wie es dazu kam, offenbart, was den Mittelständler mit knapp 190 Mitarbeitern am Heimatstandort besonders macht. Den Österreichern war der Ausrüster durch eine Pleite im Sommer vor der Wintersaison abhandengekommen. Schöffel ehrt Jubilare. Auch der Chef gehört zum illustren Kreis

Nicht auszudenken, wenn die Helden der Nation ohne Marken-Kollektion an den Start gegangen wären. Das hätte für Spott gesorgt. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, genannt „Schröcksi“, kam in seiner Kleidernot mit Schöffel ins Gespräch. Bei den Riesen der Branche hätte er im Sommer Absagen bekommen. Die Zeit reicht für die Konzerne nicht, eine Kollektion zu entwerfen. Denn im Gegensatz zu Schöffel haben die Bekleidungs-Multis keine eigene Schneiderei am Heimatstandort, die, wenn es drauf ankommt, schnell einen Auftrag dazwischenschieben kann.

Nicht alle Pläne sind für Schöffel aufgegangen

Schöffel berief eine Betriebsversammlung ein und fragte seine Mitarbeiter: „Wenn ihr auf einen Teil eures Sommerurlaubs verzichtet, schaffen wir das für die Österreicher?“ Die Beschäftigten unterstützten den Chef. Im Oktober konnten die Ski-Rennläufer ihr neues Outfit für Piste und Freizeit aus Bayern überziehen und standen nicht marken-nackt da.

Schöffel hat durch das Erfolgserlebnis die Bande zu seinem Team enger geknüpft. Wer mit ihm durch die Firma geht, merkt: Die Mitarbeiter zucken nicht zusammen, wenn der Chef ein Büro betritt. Sie machen Späße. Der Umgangston ist kollegial. Es ließe sich weiter viel Gutes über den Familien-Unternehmer erzählen. Schöffel ist aber bereit, auch über für ihn weniger schmeichelhafte Dinge zu sprechen. Dinge, die nicht geklappt haben, etwa das Ziel, den Umsatz auf rund 200 Millionen Euro zu verdoppeln, „um in der Outdoor-Champions-League mitspielen zu können“. Die Entscheidung, das Geschäft massiv auszubauen, fiel in den Jahren, als der Branche satte zweistellige Zuwachsraten vergönnt waren. Aus stürmischem Wachstum wurde jedoch Stagnation auf hohem Niveau.

Es macht Peter Schöffel Spaß, als David gegen die Goliaths zu bestehen

Schöffel kommt damit gut zurecht und schreibt schwarze Zahlen. Aber ist die Firma nicht zu klein, um gegen die Konkurrenz von The North Face und Jack Wolfskin zu bestehen? Der Unternehmer nimmt es mit Humor: „Ich bin 1,88 groß.“ Er sieht seine Marke (Werbespruch: „Ich bin raus“) in Deutschland auf Rang eins oder zwei und in Europa „ordentlich mit dabei“. Außerdem macht es ihm Spaß, als David gegen die Goliaths zu bestehen, auch durch das trickreiche Besetzen von Nischen. Schöffel stattet Polizisten in Nordrhein-Westfalen, aber auch Förster und BMW-Motorradfahrer mit Kleidung aus. All das hilft, Winter, die keine Winter sind, auszugleichen.

Ein Warenlager musste Schöffel nach Osteuropa verlagern

Manchmal schmerzt das Unternehmer-Leben dennoch, etwa, als Schöffel 13 Mitarbeiter entließ. Es war aus seiner Sicht wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, in Schwabmünchen ein Warenlager für die in Osteuropa produzierten Kleidungsstücke zu unterhalten. „Sonst arbeitest du gegen deine eigene Wettbewerbsfähigkeit.“ Er verlagerte das Zentrum nach Ungarn, auch weil der gegenüber dem Euro starke Dollar der Branche zusetzt. Schöffel muss Stoffe in der US-Währung einkaufen und kann die für ihn höheren Kosten nicht voll an die Verbraucher weitergeben. „Zu kündigen, das war für mich hart“, erinnert er sich und fügt mit angespanntem Blick und lauterer Stimme hinzu: „Das will ich nicht wieder erleben.“

Schöffel hat klare Standpunkte, die eine moralische Erdung erkennen lassen. Wieder leiser sagt er: „Ich beherzige den Rat meines Vaters, dass wir für das Unternehmen da sind und nicht umgekehrt.“ Der leger gekleidete Mann setzt sich selbst, was seine Verantwortung betrifft, unleger unter Druck: „Der Name Schöffel steht nicht nur auf meinen Kleidungsstücken, sondern auch im Pass meiner Kinder.“ Der Unternehmer meint damit, dass er und seine Familie in der Region verwurzelt sind und darauf angesprochen werden, wenn in der Firma etwas schiefgeht. Einen Herrn North Face oder Wolfskin gibt es nicht.

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Ein Artikel von
Stefan Stahl

Augsburger Allgemeine
Ressort: Wirtschaft


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