Montag, 20. November 2017

14. November 2017 12:00 Uhr

Landkreis Augsburg

Was Kraftwerksgegner an Atom-Übung kritisieren

Bürgerinitiative spricht von unrealistischem Test der Behörden. Aus ihrer Sicht läuft einiges schief.

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Gewaltige Dampfwolken der beiden Reaktorblöcke B und C des Kernkraftwerks Gundremmingen steigen aus den Kühltürmen empor. Nach der Übung regen sich die Kritiker.
Foto: Bernhard Weizenegger

Was wirklich bei einem Störfall im Kernkraftwerk in Gundremmingen passiert, ist kaum kalkulierbar. Davon sind Experten überzeugt. Wie realistisch ist also eine theoretische Übung an den Computerbildschirmen, wie sie am Samstag in den Landratsämtern stattgefunden hat?

Raimund Kamm, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Forum, fällt ein hartes Urteil: „Ich halte die Übung für völlig unrealistisch.“ Aus seiner Sicht seien die Lehren des Unglücks in Fukushima noch nicht richtig angekommen. Er hält es für bedenklich, dass die Katastrophenpläne nicht den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission entsprechen. Eine Erkenntnis sei gewesen, dass Radioaktivität sich weiter verteilen kann als ursprünglich angenommen. „Bei starkem Westwind kann es zum Beispiel auch ganz schnell Gersthofen erwischen“, sagt Raimund Kamm.

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Kamm fordert bessere Vorbereitung für Bevölkerung

Kritik äußert er vor allem im Vorgehen nach der eigentlichen Katastrophe. „Menschen evakuieren sich selbst, wenn sie nicht wissen, wie sie vorgehen müssen“, erklärt Kamm. Eine Simulation wie am Wochenende werde dem Realfall demnach in vielen Aspekten nicht gerecht. Kamm nennt ein Beispiel: „Gibt es nach der Katastrophe nur unvollständige Infos, was wirklich passiert ist, dann sagt doch jeder seinen Liebsten: ins Auto steigen und fliehen“, mutmaßt der Vorsitzende. Die Konsequenz: Straßen verstopfen, Unfälle passieren, Panik könnte ausbrechen. „Und wer weiß, ob im Zweifel Polizisten und Feuerwehrmänner ihrer Arbeit nachgehen oder doch eher an die eigene Familie denken.“

Der Knackpunkt sei, dass Menschen derzeit nicht richtig vorbereitet sind: „Die Bürgerinitiative fordert daher einen offenen Dialog zwischen der Regierung, Kernkraftwerk-Betreibern und der Bevölkerung.“ Jeder müsse sich real mit dem Thema auseinandersetzen. Er nennt das Beispiel Feueralarm in der Schule: „Das wird jedes Jahr mehrmals von Lehrer und Schülern geübt, dass eben jeder weiß, wie die Abläufe sein müssen.“

Weiterhin umstritten: Vergabe der Iod-Tabletten 

ÖDP-Kreisrätin Gabi Olbrich-Krakowitzer bewertet ein anderes Vorgehen im Katastrophenfall als falsch: „Kaliumjodidtabletten müssen in Kindertagesstätten, Schulen, Großbetrieben und möglichst in jeder Kommune vorhanden sein – nicht irgendwo im Landkreis.“ Im Ernstfall, so sieht es der Katastrophenschutz vor, werden die Tabletten zu Feuerwehrhäusern und Apotheken gebracht und dort an die Menschen verteilt werden. „Die Ausgabe wie im Drive-In eignet sich nicht“, sagt die Politikerin. Sie plädiert für „kurze und schnelle Wege“. Auch rechtlich müsse nachgebessert werden, denn Lehrern ist es nicht erlaubt ihren Schülern eine Dosis zu verabreichen. „Dafür müssten Eltern dann zur Schule fahren, damit die Kinder rechtzeitig versorgt sind“, erklärt Olbrich-Krakowitzer.

Dass eine problemlose Abgabe vorab möglich sei, zeige das Beispiel Aachen. Aufgrund der Nähe zum belgischen Atomkraftwerk Tihange haben dort Menschen bis zu 45 Jahren, Schwangere und Stillende bereits im September dieses Jahres kostenlos Tabletten erhalten, die Schilddrüsenkrebs verhindern sollen. „Warum das bei uns nicht möglich ist, weiß ich nicht. “, sagt sie. Ein Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer soll Klarheit bringen.

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Ein Artikel von
Sven Koukal

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