Zweimal am Tag geht es in den Kampf. Neun Nationen schicken in diesen Tagen ihre hoffnungsvollsten Piloten in den Einsatz über der Schwäbischen Alb. Die meisten vom Lechfeld aus, einige aber auch von Penzing, Neuburg/Donau, Laupheim oder von Spangdahlem. Gleichzeitig rüsten zwölf Länder ihre Spezialisten in der Flugabwehr mit allem aus, was die Industrie hergibt, um Flugzeuge zu erkennen, zu verjagen oder vom Himmel zu holen.

Die Herausforderungen bei der Übung ELITE ändern sich von Tag zu Tag. Doch im Grunde sind die Fronten klar: Flugzeuge aller Art versuchen, den Heuberg oberhalb der jungen Donau anzusteuern. Egal ob zur Aufklärung, zum Angriff oder mit einem Transportauftrag. Dort lauern Stellungen verschiedener Länder mit Stör-, Aufklärungs- und Radartechnik, um die fliegenden Kollegen vor den Schiedsrichtern schlecht aussehen zu lassen.
Doch auch die Unparteiischen arbeiten längst nicht mehr mit Feldstecher oder Trillerpfeife. Sie haben jede Bewegung als Datenstrom auf ihren Monitoren - in nackten Zahlen und als Computerbild anschaulich gemacht. Auf allen Seiten beherrscht Elektronik die Abläufe. Es ist nicht nur ein Wettbewerb der Nationen, ihrer besten Geschwader, schnellsten Teams oder erfahrensten Flugabwehrspezialisten. Es ist auch ein Wettstreit der Systeme und ihrer Entwickler.
Die Auswertung ist NATO-Geheimnis. Die Frage nach einer Manöver-Zwischenbilanz wurde beim gestrigen Medientag auf dem Lechfeld daher nur mit einem freundlichen Lächeln beantwortet.
Das Lechfeld ist außerhalb des eigentlichen Übungsgebietes größter Schauplatz des Geschehens. Kein Wunder: Hier wurde 1991 eine Keimzelle für ELITE geboren, als das JaboG 32 mit ECR-Tornados ausgerüstet wurde und den elektronischen Kampf gegen Luftabwehr testen wollte. Seine Staffeln der "Tigers" oder "Monsters" suchen nicht den Luftkampf mit anderen Jets. Ihre Stärke ist Elektronik. So wie sich dem Tiger bei Gefahr die Nackenhaare sträuben, reagiert der ECR-Tornado elektrisiert, wenn sein Bordcomputer Peileinrichtungen wittert. Und das geschieht weiträumig, schnell und genau ortend.
Auf dem Lechfeld ist jetzt Halbzeit der aktuellen Übung im elektronischen Kampf fliegender Systeme und der Flugabwehr. Das steht hinter der englischen Abkürzung ELITE. 22 Flugzeuge aus Polen, Spanien, Griechenland, Türkei und Italien sind noch bis zum 17. Juli auf dem Lechfeld stationiert. Mit ihnen kamen knapp 300 Mann an Besatzung und Begleitung.
Denn wenn morgens um 6.15 Uhr die Piloten beim ersten Briefing ihre Einsatzzeiten und Anflugwege erfahren sowie von ihren Teams Details über das Wetter hören oder über das heutige Aufgebot versteckter Flugabwehrsysteme spekulieren, machen ihre Bodenmannschaften die Maschinen flugklar. Und wenn die Piloten abends per Videokonferenz erfahren, wie gut oder schlecht sie gegnerisches Radar ausgetrickst haben, werden die Jets wieder gewartet. Doch etwas Zeit bleibt dann doch für internationalen Gedankenaustausch in der Truppenkantine.
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