Montag, 20. November 2017

11. September 2017 05:30 Uhr

Königsbrunn

Wenn unter 1000 Köpfen einer verschwindet

Zwei Arten des Ertrinkens kennt Christian Peter, der Vorsitzende der Königsbrunner Wasserwacht. Um rechtzeitig vor Ort zu sein, verlassen sich die Helfer auf zwei besondere Damen. Manchmal brauchen sie trotzdem Glück. Von Claudia Deeney

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Tina und Christel II lieben das Wasser und sorgen dafür, dass die Frauenquote der Wasserwacht Ortsgruppe Königsbrunn aufgestockt wird. Obwohl das gar nicht notwendig wäre, denn fast die Hälfte der Mitglieder und aktiven Wasserretter sind weiblich und so könnten die beiden Rettungsboote getrost auch ohne Namen ihren Dienst am Ilsesee versehen.

Aber die beiden Damen gehören zum Team und so erzählt Ortsvorsitzender Christian Peter auch gerne, dass Tina und Christel II beide abwechselnd zu Übungszwecken regelmäßig eingesetzt werden, damit die Motoren nicht einrosten. Mit rund 25 PS sind sie für den Ilsesee gerade richtig und wenn die Wasserwacht dort am Wochenende Dienst hat, liegt eines der beiden Boote immer parat, um im Notfall sofort mit Besatzung in Richtung Ertrinkenden zu starten.

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An sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar

Zwei Arten des Ertrinkens gibt es, wie Peter erklärt: „Da ist der Schwimmer, der beispielsweise einen Krampf im Bein bekommt und sich mit Hilferufen bemerkbar macht. Und dann gibt es die Personen, die wegen Kreislaufproblemen oder Herzinfarkten einfach untergehen.“ Ersterer hat recht gute Chancen, auch wenn die Wasserwacht keinen offiziellen Dienst hat und durch die Rettungsleitdienststelle erst verständigt wird. Denn die Mitglieder sind an sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar und werden umgehend alarmiert, wenn ein aufmerksamer Badegast die Telefonnummer 112 wählt. Alle setzen sich dann sofort in Bewegung, auch die Taucher, um in Not geratene Personen zu bergen und medizinisch zu versorgen. Um überhaupt als Wasserretter zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen die Männer und Frauen unter anderem eine Sanitätsausbildung absolviert haben.

Gut 1000 Schwimmer im Wasser

Die zweite Personengruppe dagegen sind die wirklich schwierigen Fälle für die Retter. Hier müssen die Wasserwachtler auch einfach Glück haben, um rechtzeitig vor Ort sein zu können: „An einem Hochsommerwochenende sind am See um die 15000 Gäste, davon gut 1000 Schwimmer im Wasser“, erklärt Peter. „Niemand von uns kann da garantieren, dass er sieht, wenn ein Kopf auf einmal sang- und klanglos untergeht. Da kann der Wasserretter noch so sehr versuchen, die Schwimmer zu beobachten, das geht einfach nicht.“ Das Gleiche gilt natürlich auch, wenn am See so gut wie nichts los ist und die Wasserwacht daher keinen Dienst schiebt. Oft gibt es Vermisstenmeldungen oder Spaziergänger alarmieren die Rettung, weil auf der Wiese Handtuch und Kleider liegen, aber niemand im Wasser ist. Dann rückt die Mannschaft an, geht auf und unter das Wasser und marschiert den See an beiden Ufern ab. „Es ist schon vorgekommen, dass Kinder einen Freund getroffen haben und sich einfach zu diesem nach Hause begaben um Play-Station zu spielen und vergessen haben, die Eltern zu informieren. Oder erwachsene Schwimmer, die den See überqueren und dann am Ufer zurücklaufen“, erklärt Peter die Szenarien, die er schon erlebt hat.

Seit seinem 18. Geburtstag Wasserwachtler

Und das sind viele, denn er ist seit seinem 18. Geburtstag Wasserwachtler. „Gott sei Dank ist in meiner Zeit noch kein Kind ertrunken“, sagt er und das gilt auch für die beiden anderen Einsatzgebiete der Ortsgruppe. Das derzeit noch geschlossene Bad im Königsbrunner Gymnasium und der Lochbach sind die Gewässer, wo die Königsbrunner Wasserwacht zum primären Rettungseinsatz ausrückt und die Ortsgruppen um die Brunnenstadt bei Bedarf zu Hilfe kommen. Umgekehrt gilt das natürlich auch.

Der aktuellste Einsatz ereignete sich Mitte August, als die Brunnenstädter nach Lauingen fuhren, um als sekundäre Einsatzgruppe bei der Bergung eines Autos aus der Donau zu helfen. Die Fahrerin konnte nur noch tot durch die Ersthelfer geborgen werden und das Auto musste auch wieder raus aus dem Fluss. Solche weiten Anreisewege kommen des Öfteren auf die Königsbrunner zu, sagt Christian Peter: „Wir sind die einzige Ortsgruppe in Bayern, die Hebesäcke als Hilfsmittel hat. Die werden dann unter dem gesunkenen Fahrzeug angebracht und so kommt das Auto wieder nach oben und kann rausgehoben werden.“

Ilsesee friert in kalten Wintern zu

Zu den vielen anderen Hilfsmitteln gehört auch ein Wasserschlitten, der im Winter benutzt wird. Der Ilsesee friert in kalten Wintern zu, obwohl er sehr groß ist, und dann wagen sich die Leute auf das Eis. „Ich würde nie sagen, es ist sicher, egal wie lange es schon kalt ist“, sagt Peter zu diesem Thema. Prinzipiell kann man immer einbrechen und in diesem Notfall wird der Schlitten benutzt, da dieser auch schwimmt, sollte die Rettungsmannschaft selbst bei der Rettung einbrechen. „Wir versuchen, kein Risiko einzugehen. Ziel ist, Personen zu retten, nicht uns selbst in Gefahr zu bringen“, erklärt Christian Peter. Und seit er zurückdenken kann, ist den Mitgliedern der Ortsgruppe im Einsatz auch noch nichts Nennenswertes passiert.

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