Sonntag, 22. Oktober 2017

20. Februar 2016 18:00 Uhr

Zusmarshausen/Burgau

„Wer Kabel einsteckt, der wird erschossen“

SS-Oberscharführer, der das KZ Burgau leitete, drohte Häftlingen. Warum er eine vergleichsweise glimpfliche Strafe erhielt.

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Abgebildet ist ein Brief von Dr. Fred Frankl an den Burgauer Arzt Dr. Schäffer: Er und andere Burgauer entlasteten den KZ-Lagerleiter Johann Kullik.
Foto: Czysz (Repro)

Was die Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge im Wald bei Zusmarshausen und im KZ Burgau erlebten, haben sie zeitlebens nie vergessen. Ihre seelischen Wunden verheilten nie. Ein schwacher Trost mag da die juristische Aufarbeitung gewesen sein: Der Leiter des Konzentrationslagers, Johann Kullik, musste sich in Dachau verantworten. Er kam am Ende aber vergleichsweise glimpflich davon.

Kullik wurde 1947 mit dem Lagerleiter Mathias Josef Peter Kreber angeklagt. Vorgeworfen wurden ihnen Verbrechen in den Lagern Dachau, Haunstetten, Pfersee, Burgau, Wertingen und Dillingen. In der Anklageschrift heißt es, dass Kullik zuerst im Außenlager Pfersee gearbeitet hat, dann ab dem 20. Februar 1945 in Burgau. Am 20. März sei ein Transport von Frauen aus Bergen-Belsen und Ravensbrück angekommen. Kullik bezeichnete Burgau in einem Verhörproto-    koll als „Ausweichlager“. Dort hätten sich rund 1000 Frauen und 50 Männer befunden, „überwiegend Polen, Franzosen und Juden“. Die Frauen hätten nicht mehr in Dachau untergebracht werden können, deshalb hätten die Messerschmitt-Werke „ein paar Baracken zur Verfügung gestellt“.

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Laut Anklage hatte Kullik Essen für die Häftlinge abgelehnt, das Bauern angeboten hätten. Einmal schmiss er bereits gekochtes Essen hin. Die Häftlinge bräuchten das nicht, soll er gesagt haben. Im Prozess bestritt er das. Er habe mehrmals Kartoffellieferungen für das Lager in Auftrag gegeben. Außerdem habe er alle Toten gemeldet und einen Arzt aufs Gelände geschickt – im Wissen, dass er damit seine Vorschriften verletzt. Er habe geholfen, die Zustände im Lager zu verbessern. Ein Burgauer Apotheker sagte aus, dass Kullik zusätzliche Medizin für die Häftlinge bestellt hätte. Außerdem sei er zu einem Pferdemetzger gegangen, um zusätzliche Rationen Fleisch zu bekommen.

Kullik soll dort an der Hinrichtung von zwei Russen teilgenommen haben

Angeblich soll Kullik auch gedroht haben, jeden zu erschießen, der Draht aus dem Flugzeugbau einsteckt. Im Verhör, das auf sieben Seiten protokolliert worden war, ging es vor allem um die Vorkommnisse im Lager Pfersee. Kullik soll dort an der Hinrichtung von zwei Russen teilgenommen haben. Der 1898 geborene SS-Oberscharführer behauptete, dass die beiden Häftlinge während eines Fliegerangriffs geplündert hätten. In dem Lager soll außerdem der Älteste, der „Chocolate“ gerufen wurde, andere Insassen geprügelt haben. Kullik hätte die Gewaltexzesse verhindern können, hieß es. Er tat es aber nicht.

Der Arzt Dr. Karl Schäffer, der Stadtkämmerer Albert Gutmann und einige andere Burgauer entlasteten Kullik. Das ist einem Schreiben von Dr. Fred Frankl zu entnehmen. Der Übersetzer berichtete Schäffer vom Ausgang des Verfahrens. „Die Strafe ist weit milder ausgefallen, als wir es nach der bisherigen Praxis in solchen Fällen erwartet hatten. Ihre Aussage und der anderen Herren von Burgau ist von dem Gerichtshof offenbar voll gewürdigt worden, während die Aussagen der Belastungszeugen durch ganz offenkundige Übertreibungen entwertet waren.“

Mit fünf Jahren Gefängnis kam er schließlich besser weg als der mitangeklagte Lagerleiter Kreber – der musste nämlich elf Jahre ins Gefängnis.

Es gibt einen weiteren Angeklagten, der in Burgau gewesen sein soll: Johann Batoha.

Dem Österreicher, damals 47 Jahre alt, wurde vorgeworfen, als SS-Wächter an den Grausamkeiten des Dritten Reichs teilgenommen zu haben. Er war laut Anklageschrift zunächst in der Wehrmacht und kam dann zur SS. Nach einer Zeit im KZ Dachau musste er nach Augsburg. Vom 12. Dezember 1944 bis 4. April 1945 wurde er in Burgau eingesetzt. Batoha sagte, dass er niemals gesehen hat, dass Gefangene in Dachau geschlagen oder schlecht behandelt wurden. Er habe auch niemals selbst geschlagen oder jemand zur Bestrafung angezeigt. Batoha wurde zu zwei Jahren verurteilt.

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Ein Artikel von
Maximilian Czysz

Augsburger Land
Ressort: Lokalnachrichten

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