Samstag, 18. November 2017

05. Februar 2014 00:41 Uhr

Lech

Wildfluss oder Kanal?

Günther Groß wirbt für die geplante Renaturierung. Bevölkerung hat großes Interesse Von Andrea Collisi

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Königsbrunn Für das Renaturierungsprojekt „Licca liber“ warb der Naturschützer und Königsbrunner Kulturpreisträger Günther Groß vor heimischem Publikum. Es war bereits sein achter Vortrag, da er seit zwei Wochen in den umliegenden Städten und Gemeinden sich entsprechend intensiv einsetzte, um die Bürger zu überzeugen, was für einen nachhaltigen Gewinn Mensch und Natur davon hätten.

Als Vertreter der Lechallianz zeigte er in einem Bildervortrag auf, wie der ehemalige Wildfluss Lech in einem Korsett eingezwängt nur noch der Energiegewinnung und kaum mehr der Erholung diene. Mit schönen Fotos von Wildblumen, Fischen oder Vögeln, einem klaren Wasser durch den bunter Kiesel mit geologischer Vielfalt schimmert, aufgenommen an den wenigen verbliebenen naturnahen Ufern. Er weist immer wieder auch auf das gelungene Projekt „Wertach vital“ hin, das aktuell im Augsburger Stadtteil Pfersee umgesetzt wird.

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Argumente im Faltblatt zusammengetragen

Ein eindrucksvolles Faltblatt mit dem Titel „Wollen Sie diesen oder jenen Lech?“ hat die Lechallianz seit Wochen im Umlauf. Hier kann man die Folgen der Denaturierung des ursprünglichen Alpenflusses Lech sehen, die zu monotoner Gewässerstruktur, zu Eintiefung der Sohlschwellen und Zerstörung von Lebensraum führt.

Auf der anderen Seite wird für die Chancen geworben, die eine echte Lech-Renaturierung biete: neben Fischpopulationen und Blumenvielfalt auch wieder erstarkte Auenlandschaft– und ein Lech, der wieder erlebbar wäre für den Mensch und nicht als reine Kraftwerk-Ressource missbraucht. Wichtig ist Groß, den Anliegern die Sorge zu nehmen, Grundwasser oder Trinkwasser seien durch „Licca liber“ in Gefahr. Natürlich habe sauberes Trinkwasser oberste Priorität, betont der Naturschützer. Man müsse das Renaturierungsprojekt eben richtig anpacken, dabei nicht an Geld sparen und sich der Verantwortung für die Zukunft kommender Generationen bewusst sein.

Er wisse, dass dies kein „Hoppla hopp“-Vorhaben sein könne. „Da wird noch viel Wasser den Lech hinunterfließen“, vermutet Groß. Aber er bekräftigte die Willenskraft, die man der Lobby der Kraftwerksbetreiber entgegensetze. „Wir werden wohl auch eingebremst, doch wir müssen unsere Visionen erhalten. Es ist auch die Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen, die uns antreibt.“

Der voll besetzte Veranstaltungsraum zeigte, dass viele Bürger das Anliegen interessiert, dem ursprünglich wilden – und auch gefährlichen – Fluss einerseits ein Stück Natur zurückzugeben und andererseits die positive Errungenschaft seiner Zähmung zu bewahren. So zeigte sich die 19-jährige FOS-Schülerin Lena Dörsch überzeugt: „Ich glaube daran, dass wir beides verwirklichen können. Fortschritt und Umweltbewusstsein schließen sich nicht generell aus.“

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