Gertrud und Günter Potetzki aus Königsbrunn sind seit 70 Jahren ein Ehepaar Von Hermann Schmid


Königsbrunn An den Moment, als sie das erste Mal spürte, das Günter an ihr interessiert ist, erinnert sich Gertrud Potetzki auch nach über 75 Jahren noch genau. Der kam damals gerade vom Skifahren zum Volkstanz des Jugendbildungsvereins in Kattowitz in Oberschlesien.
„Er hatte noch die Skistiefel an“, erinnert sie sich, und weil im Raum so wenig Platz war, bot der damals 15-Jährige dem nur wenige Monate jüngeren Mädchen an, sie könne auf seinem Schoß sitzen. Sechs Jahre später gab sie ihm das Ja-Wort – in einer kurzfristig angesetzten Hochzeit im dritten Winter des Zweiten Weltkriegs.
Günter Potetzki war damals nur wenige Tage auf Genesungsurlaub in der Heimat, musste wieder zurück an die Front in Russland. Ihre Familie war gegen die Ehe, da die beiden fast gleich alt waren. „Das hält nicht“, habe die Oma gesagt, erzählt Gertrud Potetzki.
Inzwischen hält es seit 70 Jahren. Vor Kurzem konnte das Paar das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern und bekam dazu offizielle Glückwunschschreiben von Bundespräsident Wulff und dem bayerischen Ministerpräsidenten. Auch die Stadt Königsbrunn gratulierte, ebenso Freunde und Weggefährten. Aus den USA kamen Kinder und Enkel eingeflogen.
Der Pate des „Südmarkt“
Nach dem Krieg hatten beide in Donauwörth mit einem Steuerberatungsbüro eine neue Existenz aufgebaut und waren über Augsburg 1986 nach Königsbrunn gekommen. Hier kannte sich Günter Potetzki damals schon sehr gut aus, hatte er doch schon 1968 mit dem „Südmarkt“ – heute Kaufland – zwischen Germanen- und Hunnenstraße den ersten Verbrauchermarkt vor den Toren einer Großstadt in Schwaben aufgebaut.
Weil sein Augenlicht immer mehr nachließ, musste der Steuerberater 2003 mit 82 Jahren in den Ruhestand gehen. Doch aktiv, ja quirlig, ist er noch immer. Erinnerungen und Dokumente seines bewegten Lebens hat er inzwischen in fünf privaten Fotobüchern dokumentiert. Er interessiert sich noch immer für die Geschichte der Schlesier im 20. Jahrhundert.
Zur Entspannung geht er häufig mit Anglerfreund Rudolf Rösner zum Fischen nach Langerringen. Gertrud Potetzki übernimmt es, ihrem Mann jeden Morgen aus der Heimatzeitung vorzulesen.
Dafür fällt ihm auch nach 70 Jahren noch ein, wie er sie überraschen kann. Zum runden Hochzeitstag hatte er einen großen Strauß Flieder organisiert – den gab es für sie schließlich auch damals, bei der Trauung vor 70 Jahren.
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