Früher prägten hier Gäste im Tennisdress das Bild, am Sonntag dominierte im ehemaligen Via Claudia Tennis-Center im Königsbrunner Gewerbegebiet Süd wieder weiße Kleidung - aber aus einem ganz anderen Grund.



Regierungsvertreter und der Botschafter Thailands zu Gast
Für die Feierlichkeiten, die großteils unter freiem Himmel auf dem Parkplatz vor dem Zentrum stattfanden, waren neben den Besuchern aus nah und fern etwa einhundert Mönche des Ordens aus Thailand gekommen. Deshalb hielt der Dhammakaya-Orden auch erstmals in Europa eine sogenannte Dana-Zeremonie ab, die für Buddhisten in Südostasien große Bedeutung hat.
Dabei gehen die Mönche, gehüllt in charakteristisches orangefarbenes Tuch, an den überwiegend in Weiß gekleideten Laien vorbei, die ihnen Lebensmittel in die Schalen legen. Unterstützung der Mönche wird dabei als Weg gesehen, das eigene Seelenheil zu verbessern. Die Dana-Zeremonie war gut organisiert. Auf dem Gelände konnte man bereits abgepackte Tüten mit haltbaren Lebensmitteln kaufen.
Unter den Besuchern waren besonders viele thailändische Frauen. So auch Rattiyanporn Pipat, die seit zehn Jahren im Allgäu lebt. Sie ist mit 17 Jahren nach Deutschland ausgewandert in der Hoffnung, ein besseres Leben als in ihrer Heimat zu finden. "Der buddhistische Glaube ist für die meisten von uns sehr wichtig", erzählt sie.
Für viele Frauen aus Thailand sei er auch erst in Deutschland wichtig geworden - als eine Art Ersatzheimat, meint sie. Im Meditationszentrum - früher in Augsburg-Göggingen, jetzt im Süden von Königsbrunn - trifft sie viele Freundinnen. "Ich komme jeden Sonntag, wenn ich freihabe." Dann packt sie da mit an, wo gerade eine helfende Hand gebraucht wird.
Peter Börner ist aus Offenburg in Baden gekommen. Wie fast alle der anwesenden Europäer hat ihn seine thailändische Ehefrau zu dieser Zeremonie gebracht. Er betont: "Wenn man eine Frau heiratet, muss man sich mit ihrem Glauben auseinandersetzen." Besonders ansprechend am Buddhismus findet er, "dass es viel Freiheit im Glauben und keinen Zwang gibt."
Ähnliches erlebte der Augsburger Rudolf Fritzsche. Er hat ab 1994 die Entwicklung, die jetzt zur Eröffnung des Zentrums führte, begleitet. Auch er war mit einer Thailänderin verheiratet und wollte damals "den Frauen ein Gefühl von Heimat geben." Anfangs trafen sich die Gruppen in seinem Wohnzimmer, später in einem Restaurant, dann im kleinen Dhammakaya-Meditationszentrum in Göggingen. Dass nun ein großes buddhistisches Zentrum im Raum Augsburg existiert, freut ihn besonders.
Im Tempel müssen alle ihre Schuhe ausziehen
Übrigens gab es dann doch eine Art "Zwang": Für die Anbetungs-Zeremonie in der zum Tempel umgewidmeten Tennishalle mussten die Besucher ihre Schuhe ausziehen. Sie wurde zwar auf thailändisch durchgeführt, wirkte aber auch auf Nicht-Buddhisten faszinierend. Fast tausend Gläubige in hellen Gewändern waren mit etwa hundert Mönchen in Orange in der Halle versammelt, über allen thronte ein goldener meditierender Buddha. Auch wenn sich der Dhammakaya-Orden in erster Linie an Menschen aus Thailand wie Rattiyaporn Pipat wendet, so steht sein Meditationszentrum erklärtermaßen auch für Interessierte aus Deutschland offen. Jeden ersten Samstag im Monat gibt es dort von 15 bis 16.30 Uhr auf Deutsch eine Einführung in die Meditationspraxis des Ordens.
Künftige Zeremonien im Wat Phra Dhammakaya Bavaria werden vorerst wieder kleiner ausfallen. Wie der Orden mitteilt, werden sich immer nur drei Mönche in Königsbrunn aufhalten.
Viele Fotos von der Eröffnungszeremonie im Mediationszentrum im Internet unter www.schwabmuenchner-allgemeine.de/bilder
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