Samstag, 21. Oktober 2017

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Reiche Ernte für unsere Zukunft

Urban Gardening Projekt Hortus C: Aktive Umwelterziehung am Neuburger Descartes-Gymnasium  Von Korbinian Kettnaker

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Festes Fundament: Das Gründungsteam um OStR Silvia Maria Sander (Bildmitte) brachte den Hortus C. mit viel Engagement und unzähligen Helfern der Schulfamilie zum Erblühen.

„Die Zeit des Zauderns, der halbherzigen Maßnahmen, der besänftigenden und ablenkenden Notbehelfe, der Verzögerungen neigt sich ihrem Ende zu. An ihrer Stelle treten wir in eine Zeit der Konsequenzen.“

Winston S. Churchill (1874 - 1965)

Mit diesem berühmten Zitat Churchills rüttelt Al Gore in seinem preisgekrönten Film über den Klimawandel „An Inconvenient Truth“ die Zuschauer auf – auch eine Schülergruppe am Neuburger Descartes-Gymnasium reagiert betroffen auf die bestürzende Zukunftsvision. Den Schülern ist klar: Der Klimawandel ist da. Ängste vor der größten globalen Herausforderung der Menschheitsgeschichte sind zum Greifen nah – denn Jugendliche sind von den zukünftigen Entwicklungen direkt betroffen. Ein fatales Gefühl der Machtlosigkeit und Resignation macht sich breit. Kann der Einzelne denn überhaupt noch etwas bewirken?

„Stop talking. Start planting“ – dieser Slogan aus der weltbekannten Schülerinitiative „Plant-for-the-Planet“ brachte fünf Neuntklässler und ihre Lehrerin im Frühjahr 2013 auf die Idee: Warum nicht jetzt und sofort vor der eigenen Schultür etwas tun?

Idyll auf den Dächern der Tiefgarage

So wurde das Projekt Hortus Cartesianus (lat. „Garten des Descartes“) am Descartes-Gymnasium geboren. Ein Garten für Mutter Erde. Das Idyll befindet sich auf den Dächern der Tiefgarage und der Sporthallen der Schule, die sich Umwelterziehung und Klimaschutz zum Ziel gesetzt hat. Innerhalb von zwei Jahren ist eine Gartenlandschaft mit verschiedenen Themengärten entstanden, die fortlaufend erweitert wird: Zuerst wurde ein traditioneller Bauerngarten gepflanzt. Im Laufe der Monate gesellte sich ein formaler Kräutergarten mit acht Beeten, historischen Rosen und heimischen Sträuchern dazu. 80 selbst gefertigte Kräuterschilder aus Eiche dokumentieren das große Engagement der wachsenden Hortus-C-Gemeinde.

Das Insektenbiotop mit Totholz, Natursteinpyramiden und Reisig erweiterte die Hortus-C-Anlage thematisch. Zwischen und auf den Dächern der Tiefgarage experimentierte man mit dem ökologischen Weinbau von drei roten Rebsorten.

„Weise gehen in den Garten“

„Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten“ – getreu den Worten des indischen Philosophen Tagore erlaubt neben der schöpferischen Gartenarbeit eine Wellnesszone mit selbst gebauter Sitzgruppe, Kübelpflanzen und Miniaturteich Momente der Kontemplation.

Hortus C orientiert sich an der amerikanischen Urban Gardening Bewegung, die zeigt, dass klimarelevante Aktivitäten selbst in Metropolen durch Gemeinschaftsgärten, Bepflanzung von Hochhausdächern oder Ausbringung von seed bombs („guerilla gardening“) möglich sind. Man muss nur damit anfangen!

Bei dem jungen Gärtnerprojekt handelt es sich außerdem um ein Low-Budget-Vorhaben, dessen Kosten durch Verwendung ausschließlich regionaler Materialien minimiert wurden. Bei der Umsetzung des Hortus C kamen keine Handwerksfirmen zum Einsatz, sondern nur ehrenamtliche Helfer und Schüler nach dem „Do-it-yourself-Prinzip“. Kleinspenden und Eigenleistung erhalten das Projekt aufrecht.

Gemeinsam weiter wachsen

Großes Anliegen der Hortus-C-Aktivisten ist es, die Öffentlichkeit für ihre Ziele zu sensibilisieren, um im Netzwerk Gleichgesinnter ihren Platz zu finden. Auch außerhalb der Schule schlägt die Idee bereits Wurzeln. Neben zahlreichen Artikeln in den Regionalzeitungen und einem Kurzfilm auf einem Regionalsender ist der Bayerische Rundfunk auf den Hortus C aufmerksam geworden. Hoch verdienter Lohn für die Herzensangelegenheit war ein Bericht über den Neuburger Schulgarten in der Sendung „Queerbeet“ des Bayerischen Rundfunks.

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