Mittwoch, 20. September 2017

13. Dezember 2012 06:40 Uhr

München

Amerell tot in Wohnung gefunden - Todesursache unklar

Manfred Amerell, Schiedsrichter und früherer FCA-Geschäftsführer, ist tot in seiner Wohnung gefunden worden.

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Am Ende war es still geworden um Manfred Amerell. Sichtlich ermattet von den jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit dem DFB und Referee Michael Kempter hatte sich der ehemalige Sprecher der deutschen Schiedsrichter weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Am Dienstag wurde Amerell nun tot in seiner Wohnung im Münchener Stadtteil Neuhausen aufgefunden. Die Todesursache ist weiter unklar. Ein Fremdverschulden schließe die Polizei aufgrund des vorläufigen Obduktionsergebnises aus. Das Ergebnis eines toxikologischen Gutachtens stehe noch aus. In der Wohnung sei zudem nichts gefunden worden, was auf einen Suizid hindeutet, teilte die Polizei mit. Ein Abschiedsbrief wurde nicht entdeckt.

Briefkasten quoll über

Zuvor hatten die Münchener Beamten bei einer Pressekonferenz bereits weitere Details genannt. Der Leichnam sei in einem «sehr schlechten Zustand» gewesen und habe einen fortgeschrittenen Verwesungszustand aufgewiesen, sagte Kriminaldirektor Frank Hellwig. Dies habe eine zweifelsfreie Identifikation zunächst nicht ermöglicht. Erst anhand des Zahnschemas konnte der Tote am Mittwochnachmittag eindeutig als Amerell identifiziert werden.

Die Polizei habe am Dienstagnachmittag erfahren, dass ein Bekannter seit längerer Zeit keinen Kontakt zu Manfred Amerell herstellen konnte, mehrere Anrufe habe dieser nicht beantwortet. Der Briefkasten des Wohnungsinhabers sei übervoll gewesen.

Schlammschlacht mit Michael Kempter

Der frühere Schiedsrichtersprecher Amerell stand zuletzt wegen einer langwierigen rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Fokus der Öffentlichkeit. Er hatte im April angekündigt, den Verband wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte auf Schadenersatz verklagen zu wollen. Der ehemalige Unparteiische fühle sich vom DFB seit Beginn des Falls Amerell/Kempter diffamiert, hatte sein Anwalt Jürgen Langer im Frühjahr erklärt.

"Das ist bis zum Tode nicht mehr zu korrigieren"

Der ehemalige FIFA-Referee Michael Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In einem gerichtlichen Vergleich zog er später jedoch seine in mehreren Interviews getätigte Aussage zurück, Amerell klar signalisiert zu haben, keine sexuellen Kontakte zu wollen. Er habe seine Ablehnung möglicherweise nicht ausreichend wahrnehmbar ausgedrückt, so Kempter. Amerell hatte sexuelle Übergriffe stets bestritten.

Nach dem Vergleich im Dezember 2011 sagte Amerell: "Meine Lebensqualität geht gegen Null. Das ist bis zum Tode nicht mehr zu korrigieren." Es wäre seine "Lebensaufgabe, die Scherben zusammenzukehren", sagte er damals weiter. Dies deutete auch TV-Reporter Uli Köhler bei Sky Sport News HD an: Amerell, so sagte er, habe die Affäre nie überwunden, er habe dies einfach nie verkraftet. Amerell hätte auch gesagt, dass er gedanklich bereit mehrfach an der Bahnsteigkante gestanden hätte.

Amerell war Geschäftsführer beim FC Augsburg

Amerell war Geschäftsführer bei den Clubs TSV 1860 München, FC Augsburg und Karlsruher SC. Danach pfiff er während seiner aktiven Zeit als Schiedsrichter insgesamt 66 Bundesliga-Partien. Amerell beendete die Karriere nach der Leitung des Pokalfinals 1994 zwischen Werder Bremen und Rot-Weiß Essen. Im Anschluss wechselte er als Funktionär zum DFB. Im Februar 2010 trat er im Zuge des Falls Amerell/Kempter von seinem Ämtern im DFB und im Süddeutschen Fußball-Verband zurück.

Der Präsident des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München, Dieter Schneider, hat sich vom Tod des früheren Bundesliga-Schiedsrichters Manfred Amerell betroffen gezeigt. «Es ist mehr als bedauerlich und ein tragischer menschlicher Vorfall», sagte Schneider am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Amerell sei ein profilierter Vertreter der Schiedsrichter-Gilde gewesen. AZ/dpa

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