Montag, 20. Mai 2013

28. April 2011 15:29 Uhr

Tennis

Anhaltendes Hoch der deutschen Frauen

Nicht nur beim Turnier in Stuttgart zeigen Görges, Petkovic und ihre Kolleginnen starke Leistungen Von Oliver Trust

Aufschwung im deutschen Frauentennis dank Sabine Lisicki, Julia Görges und Andrea Petkovic.
Foto: dpa

Stuttgart Es klang wie ein Appell, den Julia Görges unbedingt loswerden wollte bevor sie sich Richtung „eigenes Bett“ und der Taufe ihres Neffen Philipp chauffieren ließ. Man solle nun nicht übertreiben sagte sie und bat darum, „dass man uns Zeit gibt“.

Ihre Grundsatzrede zur Lage der deutschen Tennis-Nation schien wichtiger, als zu schildern wie sie sich nach dem 7:6 (7:3) und 6:3 Sieg über die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki aus Dänemark im Finale des Stuttgarter Grand Prix fühlte. Die Beine in grellfarbige Leggins verpackt, sprach sie über vier jungen Frauen, die die Tage von Stuttgart zu einem Wendepunkt im deutschen Frauen-Tennis machten, dessen Dimensionen auch für die 22-Jährige schwer einzuschätzen waren und in der Frage mündete, wie der Aufschwung am besten zu nutzen sei. „Auch wir müssen uns Zeit lassen“, sagte Görges und wusste im selben Moment, dass das in den kommenden Monaten schwer werden würde.

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Vier Deutsche im Viertelfinale hatte es zuletzt 1984 gegeben, die Letzte im Finale war Anke Huber 1996, die 1994 auch gewann. Mit Huber konnte bisher erst eine deutsche Spielerin das mit 721 000 Dollar dotierte Turnier überhaupt gewinnen. Jetzt folgte ihr Görges. „Eine Sensation“, nannte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner die „Woche der Deutschen“ und regte an, weitere Frauen-Turniere in Deutschland zu schaffen.

Laura Ceccarelli, die sportliche Leiterin des Weltverbandes WTA, sprach von „deutscher Meisterschaft mit internationaler Beteiligung“, was zuerst als Scherz gemeint war und dann nicht ganz beschreiben konnte, was hinter Görges und den im Viertelfinale ausgeschiedenen Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Kristina Barrois lag. Mit Görges und Petkovic stehen erstmals seit August 1999 wieder zwei Spielerinnen unter den Top-30 der Welt. Petkovic als 15. und Görges als 27.

Und Stuttgart zeigte, welche Begeisterung das auslösen kann, wenn eine lange Durststrecke überwunden scheint. „Es war schon enttäuschend für uns, dass alle über Steffi und Anke gesprochen haben“, sagte die „Taufpatin“ Görges als sei ein unüberwindlicher Gebirgszug endlich doch überwunden „Wir wollten eine Chance“, sagte sie und meinte: „Dazu mussten wir unser Potenzial zeigen“.

Zu allen Zukunftsvisionen gehörte es, über Potenziale zu sprechen, die in der neuen Tennis-Generation schlummern könnten. Petkovic, die als Front-Frau die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog, traue sie den Sprung unter die „Top-Ten“ zu meinte die sportliche Leiterin Anke Huber. Görges sprach davon, sich unter den Top-30 etablieren zu wollen. Sie sei zwar etwas überrascht vom schnellen Erfolg in Stuttgart, aber habe insgeheim irgendwann damit gerechnet analysierte Barbara Rittner. „Harte Arbeit“ zahle sich aus meinte sie. Hinter der Aussage steckt durchaus eine Erklärung für den Aufschwung, der nicht nur vom neu entwickelten „Teamgedanken“ genährt wurde, der sich eine Woche zuvor beim 5:0-Triumph im Fed-Cup über die USA entwickelte und dem deutschen Team zurück in die Weltgruppe I half. „Wir müssen das jetzt stabilisieren und konstant spielen“, sagte Görges, die zuletzt über zu große Schwankungen („Zwei guten Wochen folgen zwei schlechte“) klagte.

Nun gilt sie im Windschatten von Petkovic als Sinnbild des Aufschwungs der Jungen, die ihren Weg nach oben mit professionellen Grundlagen angehen. Ihr Trainer Sascha Nensel habe ihr zu einem ruhigeren Spiel verholfen. Nensel berichtet von einem Reifeprozess: „Julia hat verinnerlicht, das Tennis ihr Beruf ist“ und sie alles dafür Tun müsse. „Das Wichtigste ist, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren und nicht mit Platz oder Gegner zu beschäftigen.“

In diesem Bereich sah Nensel Fortschritte bei Görges. Früher hatte die vor Partien gegen die Weltbesten gesagt: „Huch, gegen wen muss ich denn da jetzt spielen“. Heute erzählt sie vom Herantasten an die Weltspitze und von der Erkenntnis, dass „wir nicht mehr weit von denen entfernt sind“.

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