Das letzte Punktspiel der Ingolstädter Panther 2008/2009 am kommenden Sonntag (14.30 Uhr) wird zweifelsohne ganz im Zeichen von Jimmy Waite stehen. Nach sechs erfolgreichen Jahren hütet der 39-Jährige gegen die Haie zum letzten Mal das ERCI-Gehäuse.

Ingolstadt Das letzte Punktspiel der Ingolstädter Panther 2008/2009 am kommenden Sonntag (14.30 Uhr) in der heimischen Saturn-Arena gegen die Kölner Haie wird zweifelsohne ganz im Zeichen eines Panther-Akteurs stehen: Jimmy Waite! Nach sechs erfolgreichen Jahren bei den Schanzern, für die er insgesamt 329 DEL-Partien absolvierte und dabei dreimal (2003/2004, 2004/2005 und 2005/2006) zum besten Torhüter der Liga ausgezeichnet wurde, hütet der 39-Jährige gegen die Haie zum letzten Mal das ERCI-Gehäuse.
Zwei Journalisten, die den Weg des zweifachen Familienvaters seit seines Wechsels nach Ingolstadt (2003) intensiv verfolgten, sind Radio IN-Kultreporter Hans Fischer und NR-Sportredakteur Dirk Sing. Mit beiden traf sich Jimmy Waite in der Saturn-Arena zu einem ausführlichen Gespräch, führte sie unter anderem in die "Panther-Kabine" und plauderte gerade dort aus dem "Nähkästchen".
Jimmy Waite spricht über...
...seine Emotionen bei den beiden Heimspielen gegen Berlin und Hamburg (in der vorangegangenen Länderspiel-Pause wurde ihm mitgeteilt, dass der auslaufende Vertrag beim ERCI nicht verlängert wird):
Waite: "Ganz einfach war das sicherlich nicht. Das Gute während dieser Situation war, dass ich meinen Fokus voll und ganz aus das Sportliche lenken musste, da wir in beiden Partien unbedingt einen Sieg benötigten, um unsere Chance auf die Pre-Play-Offs zu wahren. Etwas anders war es dagegen nach dem Match gegen Hamburg, als die Anhänger gleich mehrfach meinen Namen gerufen haben. Als ich dann auf die Fankurve zugefahren bin und mit ihnen die Welle gemacht habe - das ging mir schon ziemlich nahe."
...seine letzte DEL-Partie für die Panther am Sonntag gegen Köln:
Waite: "Das wird definitiv ein ganz besonderer Augenblick für mich, der sicherlich auch nicht ganz einfach werden dürfte. Wissen Sie, ich habe in den vergangenen sechs Jahren viele Mitspieler, die zu guten Freunden geworden sind, erlebt, deren Verträge nicht verlängert wurden und den Verein verlassen mussten. Nun bin ich selbst an dieser Stelle und kann nachvollziehen, was einem durch den Kopf geht. Ich versuche jedenfalls, mein letztes Spiel in vollen Zügen zu genießen und nochmals richtig Spaß zu haben. Wie meine Emotionen nach der Schlusssirene aussehen werden, darüber mache ich mir besser noch keine Gedanken."
...Angebote anderer DEL-Vereine in den vergangenen sechs Jahren:
Waite: "Darüber konnte ich mich wahrlich nicht beklagen. Doch mir gefiel es von Beginn an in Ingolstadt hervorragend. Daher war es auch immer mein Ziel, hier zu bleiben und meinen Kontrakt möglichst zu verlängern - was ich dann ja auch insgesamt viermal gemacht habe. Lediglich bei meiner letzten Verlängerung stand es mal kurz auf der Kippe. Ich wollte zwei Jahre, der Verein zunächst nur eines. Aber am Ende haben wir uns dann doch wieder geeinigt und ich bin geblieben."
...seine - von den eigenen Leistungen her gesehen - beste Saison beim ERCI:
Waite: "Ich denke, dass es sogar diese Spielzeit war. In den ersten drei Jahren hat es mir die Mannschaft mit einem Ken Sutton in der Verteidigung eigentlich nicht sonderlich schwer gemacht, gute Leistungen für's Team abzuliefern. Die vergangene Saison war dagegen ziemlich hart, weil wir unseren Gegnern nahezu in jedem Match viele erstklassige Möglichkeiten gegeben haben. Das hat sich nun in diesem Jahr wieder deutlich verbessert. (Überlegt) Ja, ich würde wirklich sagen, dass diese Spielzeit meine bislang konstanteste war beziehungsweise ist."
...den zunächst "übermächtigen" Schatten seines Vorgängers Ilpo Kauhanen:
Waite: "Mein Start bei den Panthern im Jahr 2003 war sicher nicht einfach. Ich erinnere mich, dass wir unser erstes Match in Hannover mit 2:1 gewannen. Danach haben die ERCI-Fans Ilpo Kauhanen gefeiert, der in der vorangegangenen Saison noch für Ingolstadt gespielt hatte und dort Publikumsliebling war. Als wir dann im Anschluss die folgenden sechs Partien allesamt verloren und dabei auch keine guten Leistungen ablieferten, wurde im Umfeld bereits die Rückkehr von Ilpo gefordert. So etwas wegzusetcken ist nicht gerade einfach. Glücklicherweise haben wir nach dieser Durststrecke deutlich besser und vor allem erfolgreicher gespielt. Auch ich habe mir dadurch Schritt für Schritt den Respekt unserer Fans erarbeiten können."
...sein bestes DEL-Match im Ingolstädter Trikot:
Waite: "Diesbezüglich sind mir eigentlich zwei in Erinnerungen geblieben. Zum einen das sechste Viertelfinal-Spiel in der Play-Off-Serie 2003/2004 gegen Nürnberg, als wir mit einem 2:0-Sieg in der Saturn-Arena den Halbfinal-Einzug gegen Berlin perfekt gemacht haben. Zum anderen war es ebenfalls ein Play-Off-Viertelfinal-Match - und zwar in der Spielzeit 2006/2007 bei den Kölner Haien. Ich habe damals über 65 Schüsse auf den Kasten bekommen. Am Ende mussten wir uns unglücklich nach Verlängerung mit 0:1 geschlagen geben."
...das "schwierigste" Jahr bei den Panthern:
Waite: "Ich würde sagen, dass es die Saison 2007/2008 war. Für die Stimmung innerhalb des Teams ist es nie gut, wenn du viele Spiele verlierst. Erst recht, wenn die Mannschaft noch nicht gewachsen ist. Hinzu kam auch noch der Trainerwechsel von Ron Kennedy zu Mike Krushelnyski. Auch in dieser Spielzeit haben wir zwar nicht viel mehr Spiele gewonnen, doch die Stimmung innerhalb der Truppe war dennoch zu keiner Zeit am Boden."
...das "Besondere" am ERC Ingolstadt:
Waite: "Zunächst wollte ich ursprünglich nur zwei Jahre hier bleiben - doch am Ende wurden es sechs! Zum einen hat sich meine Familie von Beginn an ungemein wohl gefühlt. Zum anderen hatte auch ich in all den Jahren sehr viel Spaß. Unser großer Trumpf in den zurückliegenden Spielzeiten war stets die große Harmonie und der unbeschreibliche Teamgeist innerhalb der Mannschaft. Ich habe immer wieder mit Spielern gesprochen, die den ERCI verlassen haben und zu einem anderen Verein gegangen sind. Und nahezu immer war die Antwort gleich: Ein Zusammengehörigkeits-Gefühl wie in Ingolstadt gibt es nirgends!".
...seine "Stellvertreter" Steffen Karg und Sebastian Vogl:
Waite: "Während meiner zweiten Saison in Ingolstadt hatte ich eine etwas längerfristigere Knieverletzung, wodurch Karg viel Spielpraxis sammeln konnte. Er hat damals einen sehr guten Job gemacht und prima Leistungen abgeliefert. Mit 'Vogi' bilde ich nun schon seit vier Jahren ein Gespann - und in dieser Zeit hat er sich toll verbessert. Leider bekam er in dieser Saison nur wenig Spielzeit. Doch in diesen Partien hat er stets erstklassig gehalten. Für seine weitere Entwicklung ist es wichtig, dass er regelmäßig Einsatzzeiten bekommt. Ich würde ihm sogar raten, ein oder zwei Jahre in die zweite Liga zu gehen, um dann gestärkt in die DEL zurück zu kehren."
...seinen Platz in der Panther-Kabine:
Waite: "In den vergangenen sechs Jahren hatte ich stets den gleichen Platz. Vor allem die ersten vier Spielzeiten sind mir in 'unvergesslicher Erinnerung' geblieben. Cameron Mann saß direkt neben mir und hat zumeist irgendwelche komischen Gerüche von sich gegeben (lacht). In dieser Saison ist Boucher mein Sitznachbar - da gibt es diesbezüglich keine Probleme (lacht).
...den berühmten "Jimmy Waite-Schlägertick":
Waite: "Nun, nachdem ich meine Schläger fürs Match präpariert habe, stelle ich sie direkt neben mich - und keiner darf sie berühren! Da bin ich einfach abergläubisch (grins). Wobei es auch eine lustige Geschichte gibt: Vor einigen Jahren haben bei einem Auswärtsmatch zwei ehemalige Mitspieler meine Schläger aus Versehen umgeworfen. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Kabine, wodurch sie die Jungs wieder so zurückstellen konnten, dass ich es nicht gemerkt habe. Lustigerweise blieb ich dann in der Partie ohne Gegentreffer! Als mir die Jungs nach dem Match davon erzählt haben, musste ich über mich selbst lachen. Doch meinen Tick habe ich beibehalten."
...die vielen Erinnerungen in der Panther-Kabine:
Waite: "Es gab viele schöne, aber natürlich auch bittere Momente. Besonders gerne erinnere ich mich an unsere Kabinen-Party nach dem Pokalsieg gegen Düsseldorf zurück. Ich war damals zwar verletzt, habe aber dennoch ordentlich mitgefeiert. Naja, und dann habe ich hier auch einiges kaputt gemacht. Unter anderem mussten der große Boden-Ventilator oder auch eine Türe dran glauben - wobei mich dabei Glen Goodall tatkräftig 'unterstützt' hat, indem er seine Schlittschuhe mal richtig heftig dagegen gefeuert hat (lacht). Wir haben auf alle Fälle sehr viel Emotionen hier ausgelebt."
...seine waghalsigen Ausflüge hinter das eigene Tor:
Waite: "Naja, ich kann schon verstehen, dass unseren Fans sowie meinen Mitspielern oder Trainern hin und wieder mal das Herz fast stehen geblieben ist (grinst). Ron Kennedy hat mir damals schon immer wieder gesagt, dass ich im Kasten wohl besser aufgehoben sei als dahinter. Ich würde aber schon sagen, dass ich mich im Laufe der Jahre 'gebessert' habe und unsere Anhänger zuletzt nicht mehr so zittern mussten wie zu Beginn meiner Ingolstädter Zeit (lacht)."
...seine Ingolstädter Trainer Ron Kennedy, Mike Krushelnyski, Benoit Laporte und Greg Thomson:
Waite: "Nun, Ron hat vorausgesetzt, dass wir allesamt Profis sind und uns dementsprechend auf die Spiele vorbereiten. Die Analyse des jeweiligen Gegners verlief ebenso hochprofessionell. Ron wollte absolut nichts dem Zufall überlassen. Danach kam "Krusher". Auch wenn er nicht lange in Ingolstadt war - ich mochte ihn! Er hat uns zwar nicht so intensiv wie Ron auf die Kontrahenten vorbereitet und war vielleicht auch nicht der beste Trainer. Aber letztlich hat er viel mit seiner Erfahrung als Spieler wettgemacht. Zudem konnte ich mich immer auf seine Unterstützung verlassen. Auch mit seinem Nachfolger Benoit Laporte hatte ich keine Probleme. Im Gegenteil, ich habe Benoit immer respektiert, da er dir - egal ob Rookie oder Veteran - es immer direkt ins Gesicht gesagt hat, wenn er mit deiner Leistung nicht zufrieden war. Ich war eigentlich überzeugt, dass wir in diesem Jahr exakt einen Coach wie ihn benötigen würden. Warum es am Ende nicht geklappt hat, kann ich auch heute noch nicht endgültig sagen. Sein Problem war sicherlich auch, dass ein Großteil der Mannschaft bereits feststand, als er seinen Vertrag in Ingolstadt unterschrieb. Somit konnte Benoit, der im Übrigen auf alles unglaublich gut vorbereitet war, letztlich auch nicht das Team bauen, das für seine Art Eishockey zu spielen nötig gewesen wäre. Mein jetziger Coach Greg Thomson erinnert mich dagegen etwas an Ron Kennedy. Er lässt die Spieler etwas an der längeren Leine und gibt ihnen auch auf dem Eis die nötigen Freiheiten, um dort selbst etwas zu kreieren. Letztlich war das auch der Schlüssel dazu, dass wir neues Selbstvertrauen tanken und in der zweiten Saisonhälfte richtig erfolgreich auftreten konnten.
...die legendäre 0:10-Niederlage in der Saison 2006/2007 bei den Kölner Haien:
Waite: "Dieses Match wird sicherlich in die DEL-Geschichte eingehen - und das nicht nur wegen unserer hohen Pleite (lacht). Nach dem dritten Kölner Treffer kurz vor der ersten Pause wurde ich dann auch noch von Haie-Stürmer Aaron Gavey angegangen, was ich mir natürlich nicht bieten lassen wollte. Naja, und dann ging's eben rund. Christoph Melischko und Moritz Müller haben sich einen schönen Fight geliefert. Nachdem mir klar war, dass mich der Referee auch vom Eis schicken würde, habe ich noch versucht, meinen Gegenüber Adam Hauser ebenfalls zu einem Faustkampf zu animieren, um ihn möglichst auch mit runter zu nehmen. Ich musste ja schließlich etwas versuchen, damit wir möglichst wieder ins Match zurückkommen. Aber Hauser hat sich darauf nicht eingelassen. Einige Wochen später haben wir übrigens gemeinsam das All-Star-Game absolviert. Und als ich ihn dann so in der Kabine gesehen habe, war ich im Nachhinein sehr froh, dass es doch nicht zu einem Fight mit ihm gekommen ist (lacht)".
...seinen "Lieblings-Schiedsrichter" Richard Schütz:
Waite: "Oh ja, wir waren in den vergangenen Jahren des Öfteren - gelinde gesagt - 'anderer Meinung' (grinst). Als er mir in dieser Saison in Straubing mal zwei ganz kuriose Strafminuten aufgebrummt hat, habe ich zu ihm gesagt: Ich weiß, dass du mich nicht magst. Aber gib mir wenigstens faire Pfiffe. Darauf meinte er: Warum sagst du das - ich liebe dich doch!". Naja, und bei einem früheren 'Aufeinandertreffen' in Duisburg haben wir uns während einem Penaltyschießen auch schon mal ein kleines 'Privatduell' geliefert."
...seine Zukunftspläne:
Waite: "Ich möchte schon noch ein, maximal zwei Jahre spielen. Es gab auch die ein oder andere Anfrage, doch spruchreif ist noch nichts. Für mich ist es wichtig, dass meine Kinder auf eine internationale Schule gehen können. Österreich wäre sicherlich eine interessante Alternative. Auf der anderen Seite würden wir aber schon auch sehr gerne in Deutschland bleiben, da es in der DEL sehr professionell zugeht. Ich bin selbst schon gespannt, was die Zukunft bringt.
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