Igor de Camargo bewirbt sich für den Oscar. Felix Brych pfeift Gladbach ins Halbfinale und Stanislawski ist wegen einer Fehlentscheidung arbeitslos. Der Pokal hat bittere Gesetze. Von Tilmann Mehl


Fußball ist ein schneller Sport. Manchmal zu schnell für das menschliche Auge. Man kann auch nicht alles im Blick haben. Während sich auf der einen Seite des Spielfelds der Ball befindet, kann das Auge nicht auf einem Handgemenge am anderen Ende des Platzes ruhen. Logisch.
Die Fälle im DFB-Pokal waren anders geartet. Die Schiedsrichter haben Spiele entschieden. Haben ihren Beitrag zur Entlassung eines Trainers geleistet. Haben ein schlechtes Bild abgegeben und zeigen sich zumindest in der Öffentlichkeit nicht einsichtig.
Dr. Felix Brych entschied im Pokalspiel zwischen Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach auf den absurdesten Elfmeter seit langer Zeit. Igor de Camargo rempelte im gegnerischen Strafraum Roman Hubnik. Anstatt auf Freistoß für die Hertha zu entscheiden, ließ Brych weiterlaufen. Da Hertha-Keeper Thomas Kraft den Ball hatte, eine vertretbare Entscheidung. Im Anschluss lief Hubnik auf de Camargo energisch zu und gab ihm ein paar deutliche Worte mit auf den Weg. Als sich beide wenige Zentimeter voneinander entfernt gegenüberstanden, machte de Camargo eine kurze Bewegung mit seinem Kopf nach vorne - und ließ sich anschließend selbst fallen. Eine Lachnummer. Nicht für Felix Brych. Der zückte Rot für Hubnik und entschied auf Elfmeter. Die Hertha schied aus. Doch anstatt sich wenigstens nach der Analyse der Fernsehbilder zerknirscht zu zeigen und den Fehler zuzugeben, schwieg er. Der Fehler allein war schon bitter. Doch auf diese Art verlieren die Schiedsrichter auch noch den Respekt der Spieler und Fans. Umstrittener Platzverweis: Ein Spiel Sperre für Hubnik
Und so nebenbei sollte de Camargo selbstverständlich für die lausige schauspielerische Darstellung zumindest für die letzten Pokalspiele der Gladbacher in dieser Saison gesperrt werden.
Weitreichende Folgen hatte auch die Entscheidung von Marco Fritz in der Partie zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und der SpVgg Greuther Fürth. Nach einem Foul von Marvin Compper bildete sich ein Rudel um den ehemaligen Nationalspieler. Compper ließ sich zu einem leichten Wischer ins Gesicht von Stephan Fürstner hinreißen. Lächerlich. Doch Compper sah deshalb Rot. Die Fürther kamen trotz des massiven Bedrängens mit einer Gelben Karte davon.
Die zuvor unterlegenen Fürther gewannen das Spiel, Hoffenheim feuerte heute Stanislawski. Was wiederum die Frage aufwirft, wie langfristig Vereine planen, wenn sie aufgrund einer Niederlage, die auf einer Fehlentscheidung basiert, den Trainer entlassen.
Auch hier: kein Wort des Bedauerns von Fritz. Von den Offiziellen und Teilen der Presse wurde er sogar für seine Entscheidung gelobt. So tragisch der Suizidversuch von Babak Rafati war, so hoch der Druck auch ist: Schiedsrichter müssen kritisiert werden dürfen. Auch öffentlich. Und sie müssen sich der Kritik stellen. Ansonsten haben sie im Leistungssport nichts verloren.
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