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09. September 2010 08:33 Uhr

Formel 1

"Felipe, wir müssen Reden"

Ferrari kam in Sachen Stallorder glimpflich davon. Aber warum werden Absprachen nicht einfach grundsätzlich erlaubt? In Zeiten, in denen auf jedem Supermarkt-Parkplatz mehr überholt wird, würden sich tolle Möglichkeiten ergeben.

Felipe Massa, Formel-1-Fahrer für Ferrari.
Foto: dpa

Die Gemeinsamkeiten zwischen Fußballspielen und Autofahren sind schnell erschöpft. Beides können Männer besser. Denken Männer. In beidem sind Frauen erfolgreicher. Wissen deutsche Frauen und zeigen globale Pannenstudien. Scherzbolde könnten anmerken, dass es sowohl beim Ballsport als auch bei der Bewältigung eines Formel-1-Kurses um Teamsport geht. Das ist Blödsinn.

Die Mannschaft von Ferrari hat vor wenigen Wochen versucht, sich als geschlossene Einheit zu präsentieren. Der in Führung liegende Felipe Massa wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es nett wäre, seinen Mannschaftskameraden Fernando Alonso vorbeiziehen zu lassen. Schließlich hat der bessere Aussichten, in der WM-Gesamtwertung ganz oben zu landen. Nebenbei zeigt sich dabei auch, warum Frauen in der Formel 1 keine tragenden Rollen innehaben (Boxenluder ausgenommen). Während eine Frau das Funkgespräch wahrscheinlich mit den Worten "Felipe, wir müssen reden" eingeleitet hätte und mehrründig die individuellen und gruppendynamischen Vorteile begründet hätte, hörte Massa nur zwei Sätze. "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du das verstanden hast?" Massa bestätigte mit einem zarten Zucken auf das Bremspedal und ließ seinen Mannschaftskameraden passieren.

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Auf jedem Supermarkt-Parkplatz wird mehr überholt als im Rennen

Dem Motorsport-Weltverband FIA war das zu viel des Teamspirits. Ferrari wurde noch vor Ort zu 100 000 Euro Strafe verurteilt. Die Sportrichter haben anders als erwartet nichts mehr draufgesattelt. Im Gegenteil: Sie wünschen sich, dass die Regel überprüft wird. Das Stallorder-Verbot könnte fallen - das würde den Mannschaften ungeahnte taktische Varianten liefern. In Zeiten, in denen es auf jedem Supermarkt-Parkplatz mehr Überholmanöver gibt als in einem Formel-1-Rennen, kann ein wenig Spektakel nichts schaden.

Analog zum Fußball könnte man einem der Boliden italienischen Catenaccio verordnen. Ein Fahrer muss rein defensiv fahren und die anderen Autos aufhalten. Der zweite Fahrer gibt die einzige Spitze und zieht vorne einsam seine Runden. Es wäre das Prinzip AC Mailand zu den Hochzeiten von Filippo Inzaghi. Auch denkbar: das Modell van Bommel. Immer aggressiv gegen den Gegenspieler.

Ob die Stallorder wirklich fällt, weiß niemand. In der Formel ist alles möglich. Vielleicht würde etwas weiblicher Einfluss gut tun. Frauen gelten ja als offener bezüglich neuer Lösungen. "Bernie, wir müssen reden", wäre doch ein schönes Gesprächsangebot an Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Von Tilmann Mehl

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