Freitag, 19. Dezember 2014

02. Februar 2013 12:04 Uhr

Interview

„Ich bin kein Sanierer“

Wolfsburgs neuer Manager Klaus Allofs spricht über seine Pläne beim VfL und wie er den Klub im Zeichen des VW-Konzerns sympathischer machen will. Heute gastiert der FC Augsburg bei den „Wölfen“

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Haben Sie sich in Wolfsburg schon eingelebt?

Allofs: Ich fühle mich wohl und habe viel zu tun. Ich bin zufrieden mit meiner Entscheidung.

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Es ist ja etwas ungewöhnlich, wenn der Manager während der Saison zu einem anderen Verein geht. Warum hatten Sie es mit dem Wechsel so eilig?

Allofs: In solch einer Position kann man sich so eine Entscheidung nicht ein halbes Jahr überlegen. Wenn man gedanklich diese Entscheidung getroffen hat, muss man sie auch ausführen. Es wäre viel schlimmer, wenn man sagt: Ich habe gedanklich abgeschlossen, bin aber noch ein halbes Jahr hier. Als die Anfrage aus Wolfsburg kam, hieß es für mich: jetzt oder gar nicht.

Tagt bei so einer Entscheidung der Familienrat oder entscheiden Sie allein?

Allofs: Das habe ich natürlich mit meiner Frau besprochen und auch mit meinen Kindern, die schon ein bisschen größer sind. Ich habe auch noch den einen oder anderen guten Freund befragt. Das ist keine Entscheidung, die man im stillen Kämmerlein mit sich allein ausmacht.

Waren die Bremer Fans oder das Werder-Präsidium sehr verärgert nach Ihrer Entscheidung?

Allofs: Es gab Menschen, die waren verärgert, und es gab Menschen, die das als ganz normalen Vorgang gesehen haben. Das war auch der große Teil, und es waren vor allem die, bei denen ich vorher den größten Wert auf ihre Zusammenarbeit gelegt habe. Dass mir die Entscheidung nach dieser langen Zeit schwergefallen ist, muss man eigentlich nicht mehr erwähnen.

Die gute Beziehung zu Werder-Trainer Thomas Schaaf hat aber nicht gelitten...

Allofs: Nein, überhaupt nicht. Wir waren ja schon als Spieler zusammen in einer Mannschaft, und es hat sich sowohl ein freundschaftliches wie auch kollegiales Verhältnis zwischen Thomas Schaaf und mir entwickelt. Und jetzt geht es mehr in die freundschaftliche Richtung. Das ist doch was Schönes.

Sie hatten als Manager mit Bremen viele Erfolge. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie nach Wolfsburg gegangen sind, um in den kommenden Jahren um Platz acht oder neun zu spielen. Wie sehen Ihre Visionen aus?

Allofs: Da muss ich Ihnen recht geben. Es ist für mich so, dass der VfL Wolfsburg ein interessantes Projekt ist. Das ist zwar kein Selbstläufer, aber die Möglichkeiten sind gut und ich habe die Hoffnung, mit meinen Kollegen und dem Trainer etwas verändern zu können. Die mittelfristigen Planungen gehen in Richtung internationaler Wettbewerb.

Es wird immer kolportiert, dass in Wolfsburg die besten Gehälter in der Bundesliga bezahlt werden. Sie haben ja jetzt einen Einblick bekommen. Ist das tatsächlich so?

Allofs: Nein, das ist nicht so. Es gibt einige Vereine, die vor uns stehen, die sicherlich größere Gehälter zahlen. Wir müssen uns allerdings eingestehen, dass wir von der Qualität her für mittelmäßige Spieler zu viel Geld ausgegeben haben. Wir müssen unsere Mittel künftig maßvoll und sinnvoll einsetzen.

In den vergangenen Jahren herrschte eine große Fluktuation im Spielerkader. Sind Sie auch gekommen, um hier für Konstanz zu sorgen?

Allofs: Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich hier als Sanierer gesehen werde. Das bin ich nicht. Ich möchte Dinge, die zum Erfolg führen, umsetzen. Mit Dieter Hecking haben wir einen Trainer, der klare Vorstellungen hat. Dafür, dass wir einen Kader haben, der qualitativ gut besetzt ist und eine gewisse Größe nicht übersteigt, muss man im Vorfeld einige Dinge abarbeiten. Das haben wir gemacht. Wir haben einige Spieler ausgeliehen und in dieser Transferperiode mit Ivan Perisic nur einen Spieler verpflichtet. Das sind einige Maßnahmen, die zeigen, in welche Richtung wir wollen.

Uns interessiert natürlich auch noch das Thema Bernd Schuster. Was sprach gegen ihn und für Dieter Hecking?

Allofs: Sie werden Verständnis haben, dass ich da nicht auf Einzelheiten eingehe. Es ist klar, wenn man seriös arbeitet, sollte man ein paar Möglichkeiten im Kopf haben und prüfen. In der Phase der Prüfung ist dann die Entscheidung für Hecking gefallen. Ich möchte aber betonen, dass Schuster für uns ein seriöser und ernsthafter Kandidat war.

Bisher wartet Wolfsburg gegen Augsburg noch auf einen Sieg. Was gibt es diesmal für ein Spiel?

Allofs: Gegen Stuttgart haben wir gar nicht mal so gut gespielt und gewonnen. In Hannover haben wir gut gespielt und verloren, jetzt wäre es eigentlich mal an der Reihe, dass wir gut spielen und gewinnen. Das wäre mal eine neue Variante.

Einige Experten bezeichnen den neuen FCA-Manager Stefan Reuter als großen Glücksgriff für den FCA. Sie sind selbst Manager. Kann eine einzelne Personalie so viel bewirken?

Allofs: Er kann die Weichen stellen und für eine Arbeitsweise und Philosophie stehen. Es können von dieser Person schon starke Signale ausgesendet werden. Wichtig ist aber, dass das Team dahinter funktioniert. Alleine geht es nicht.

Wie groß sehen Sie die Chancen des FC Augsburg im Abstiegskampf?

Allofs: Wenn Sie mich vor Beginn der Rückrunde gefragt hätten, hätte ich gesagt, das wird schwer. Jetzt bin ich fast überzeugt, dass Augsburg am Ende mindestens den Relegationsplatz belegt. Interview: Wolfgang Langner

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