Vancouver (dpa) - Mit kühlem Kopf treffen die Kanadier die letzten Vorbereitungen für die Winterspiele. Die Aussicht auf ihr erstes Gold als Gastgeber nach den Nullnummern 1976 in Montreal und 1988 in Calgary versetzt sie jedoch in höchstes Olympia-Fieber.

«Es wird Zeit, dass es losgeht. Wir würden uns gerne von dieser Last befreien. Ich würde gerne für 15 Sekunden in den Kopf des Athleten schlüpfen, der als erster Kanadier auf heimischen Boden die erste Goldmedaille gewinnt», sagte John Furlong. Der Organisationschef der Winterspiele in Vancouver verteidigte die hohen Sicherheitskosten von fast einer Milliarde Kanada-Dollar (665 Millionen Euro).
Bei der Sicherheit dürfe nicht gespart werden, erklärte Furlong. «Aber wir wollen auch, dass alle Besucher eine unvergessliche Zeit haben. Wir wollen ein glückliches Olympia- Theater, das allen Spaß macht», sagte er. 16 500 Sicherheitskräfte sollen für einen störungsfreien Ablauf des Spektakels sorgen.
Die angekündigten Protestaktionen von Anti-Olympia-Aktivisten vor der Eröffnungsfeier am Freitag und am ersten Wettkampftag bereiten ihm keine schlaflosen Nächte. «Ich habe großes Vertrauen, dass unser Sicherheitsteam alles im Griff hat», meinte Furlong, «und ich hoffe, dass die Demonstranten friedlich demonstrieren und nicht die siebenjährige Arbeit eines riesigen Teams zerstören.» 50 000 Eintrittskarten seien im Übrigen an Menschen verschenkt worden, die sich Tickets nicht leisten können.
Die größten Sorgen bereitet den Olympia-Machern weiter das Wetter. Die alpinen und nordischen Skiläufer müssen zum Auftakt ihrer Wettbewerben in der Region um Whistler und Cypress Mountain mit Regen rechnen. Wie der offizielle Wetterdienst in Vancouver meldete, wird es Regen beziehungsweise in den höheren Lagen um Whistler Creekside Schneeregen geben.
Trotz des Schneemangels in Cypress Mountain ist das erste Training der Buckelpistenfahrerinnen jedoch ohne Probleme über die Bühne gegangen. «Man sollte die Schneeproblematik nicht dramatisieren», erklärte Jacques Rogge. Das VANOC und der Ski-Weltverband FIS hätten versichert, es gebe keine Probleme. «Wir haben hier keinen Schneeteppich, aber dies sind ja grüne Spiele», scherzte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Der Belgier räumte aber auch ein, dass ihn das Wetter am meisten beunruhige: «Das war immer so bei Winterspielen.»
Rogges Stellvertreter Thomas Bach hat derweil offen gelassen, ob er als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) weitermacht. Erst im Laufe des Jahrs will er sich erklären, ob er sich am 4. Dezember in München zur Wiederwahl stellt. «Ich habe mich noch nicht entschieden», sagte der 56-jährige Tauberbischofsheimer. Die Frage des zeitlichen Engagements spiele eine Rolle und das Arbeitsprogramm. Dagegen freut er sich auf seine dritte Amtszeit als IOC-Vizepräsident: Die Vollversammlung dürfte ihn im ersten Wahlgang bestätigen. Damit würde er sich in eine ausgezeichnete Position bringen, wenn 2013 die Nachfolge von Rogge geklärt wird.
Den deutschen Sportlern traut der kanadische Wirtschaftsprofessor Daniel K.N. Johnson in Vancouver nicht viel zu. Nach seiner Vorhersage wird das 153-köpfige Team in der Medaillenwertung mit nur 20 Edelplaketten - darunter sieben goldenen - nur auf Platz sieben der Nationenwertung landen. 2006 in Turin lag Deutschland mit 29 Medaillen vorn. Gastgeber Kanada werde 27 Medaillen gewinnen und erstmals die Nummer eins unter den Wintersport-Nationen werden. Ökonom Johnson vom Colorado College lag bei den fünf Olympischen Spielen seit 2000 zu 94 Prozent richtig.
Die Kanadier fiebern vor allem dem Eishockey-Turnier entgegen. «Wir bekamen 155 000 Anfragen für 6000 Karten, die in den Verkauf gingen. Wir sind einfach eine Eishockey-Nation, aber eben nicht nur», sagte Furlong zum Ansturm auf die Endspiel-Tickets. Derweil hat Richard Pound als früherer Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ausgerechnet den Anti-Doping-Kampf der amerikanischen Profiliga NHL und des Eishockey-Weltverbandes IIHF angeprangert. «Ich glaube nicht, dass die IIHL viele Tests in der NHL macht. Das ist das Problem», sagte der Kanadier der Deutschen Presse Agentur dpa in Vancouver. «Die Profiligen wollen doch nur der Öffentlichkeit glauben machen, dass sie ernsthaft etwas gegen Doping tun.»
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