Vor fast zwei Monaten stieß Philipp Lahm die Diskussion ums Kapitänsamt an. Heute verkündet Joachim Löw seine Lösung. Eine Lösung pro Ballack. die ihn aber kaum stärken wird, meint Franz Neuhäuser.

Endlich! Heute ist zwar noch nicht Weihnachten, aber lang erwartet und herbeigesehnt wurde auch dieser Tag. Vor jetzt fast genau zwei Monaten sagte Philipp Lahm den folgenschweren Satz, er würde gerne über die WM hinaus Kapitän der Nationalmannschaft bleiben.
Seitdem übte sich Bundestrainer Löw in der Disziplin Eiertanz. Nebulöse, vielfach deutbare Worte. Deutlich wurde er nur mit einer Aussage: Es gebe für einen Bundestrainer wichtigere Dinge zu tun, als den Posten des Mannschaftskapitäns zu besetzen.
Tatsächlich?
War alles wieder mal nur der berühmt-berüchtigte Medien-Hype, ein laues Süppchen, hochgekocht von den bösen, bösen Journalisten. Ein willkommenes Mittel, um das Sommerloch zu überbrücken?
Wenn wirklich alles so nebensächlich gewesen wäre, wenn sich tatsächlich alles so einfach auflösen lässt - warum wurden dann nicht schon längst eindeutige Worte gesprochen?
Nein, die Kapitänsdebatte hat schon ihr Gewicht. Grundsätzlich, weil der Deutsche ein durchaus zwiespältiges Verhältnis gegenüber Autoritäten pflegt. Zum einen bringt er Vorgesetzten, Amtsstubenhockern, Uniformträgern, Titelinhabern und Kapitänsbindenbesitzern gerne schon als Vorschuss eine gehörige Portion Respekt und Vertrauen entgegen. Aber er verfolgt es dann oft auch irgendwann mit einer gewissen Befriedigung, wenn diese Großen vom Sockel stürzen. Beziehungsweise gestürzt werden.
Michael Ballack wird wohl gestürzt. Nicht plötzlich, das ginge im deutschesten aller deutschen Sportverbände nun wirklich zu schnell, sondern in Superzeitlupe. Das Fußballer-Denkmal Ballack wird nicht von einer Explosion, sondern durch Erosion beschädigt.
Vermutlich wird Bundestrainer Löw auch heute in seiner Ansprache zur Lage des Kapitäns der Nation die Dinge nicht dramatisch beschleunigen. Er wird aber wohl seinen bisherigen Schlingerkurs etwas begradigen, etwas klarer auf sein Ziel hinsteuern. Und dieser Kurs führt weg von Michael Ballack.
Wahrscheinlich wird Ballack zwar offiziell der Kapitän bleiben - aber zum einen wird er vermutlich künftig nicht mehr so oft an Bord sein. Und zum anderen werden einige der früheren Matrosen zu Offizieren befördert werden.
Wie lange das gut geht, ob das überhaupt gut geht - das ist Thema der nächsten Debatte. Von Franz Neuhäuser
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