Vitali Klitschko hat Dereck Chisora besiegt. Der umstrittene Brite sorgte nach dem Kampf für einen weiteren Eklat und prügelte sich mit seinem Landsmann David Haye.

Vitali Klitschko bleibt Boxweltmeister im Schwergewicht. Der 40-jährige Ukrainer besiegte Samstagnacht in München den Briten Dereck Chisora nach zwölf Runden einstimmig nach Punkten (118:110, 118:110, 119:111). «Sportlich hat Chisora eine gute Leistung gezeigt. Aber menschlich habe ich keinen Respekt vor ihm», sagte Klitschko. Er hat damit 44 von 46 Profikämpfen gewonnen und den WM-Titel des Weltverbandes WBC zum achten Mal in Serie erfolgreich verteidigt.
«Ich schäme mich für solche Sportler wie Chisora», sagte Vitalis Bruder Wladimir. Der 28 Jahre alte Chisora musste seine dritte Niederlage im insgesamt 18. Kampf hinnehmen. Damit weist seine Bilanz jetzt drei Niederlagen in den letzten vier Kämpfen aus.
Vor 12.500 Zuschauern in der ausverkauften Olympiahalle behielt der 13 Zentimeter größere Klitschko jederzeit die Kontrolle. Der promovierte Sportwissenschaftler hatte Chisora nach den Provokationen im Vorfeld des Kampfes gedroht, die passende Antwort im Ring zu geben. Der mutige Chisora versuchte, den Weltmeister mit schnellen Attacken in Bedrängnis zu bringen, und schaffte dies auch ansatzweise. Klitschko behielt jedoch jederzeit die Oberhand, ohne das letzte Risiko zu gehen.
Herausforderer Chisora hatte Klitschko am Vortag beim öffentlichen Wiegen geohrfeigt und damit für einen Skandal gesorgt. Der hat Folgen. Der Brite soll 10 Prozent seiner Kampfbörse, also 50.000 Dollar, als Strafe zahlen. Das verfügte der World Boxing Council (WBC) wenige Stunden vor dem Kampf am Samstag. Von dieser Summe sollen laut Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), 50 Prozent an soziale Einrichtungen des WBC und 50 Prozent an die deutsche Max-Schmeling-Stiftung gehen. Der BDB als ausrichtender Verband des WM-Kampfes war in die Beratungen über Sanktionen einbezogen.
Am Sonntag wurde bekannt, dass sich der alte und neue Boxweltmeister Vitali Klitschko sich bei seinem Sieg gegen Dereck Chisora eine Schulterverletzung zuzog. «Acht Runden habe ich den Kampf ohne linke Hand bestritten. Ich kann den linken Arm nicht mehr bewegen», sagte Klitschko Stunden nach dem Kampf.
Noch am Sonntag wird er sich einer Kernspintomographie in einem Münchner Krankenhaus unterziehen. Das Missgeschick passierte in der vierten Runde. Dabei könnte es sich um eine alte Verletzung handeln, spekulierte Trainer Fritz Sdunek. Vor zwölf Jahren hatte sich Klitschko im WM-Kampf gegen den Amerikaner Chris Byrd einen Sehnenabriss in der Schulter zugezogen und musste aufgeben. Damals verlor der den WM-Titel.
Nach dem Kampf sorgte Chisora erneut für einen Eklat. Bei der Pressekonferenz prügelte er sich mit seinem Landsmann David Haye, nachdem sich beide zuvor provoziert und beleidigt hatten. Betreuer und Trainer aus beiden Lagern waren involviert. Chisora wurde an der Lippe verletzt, Hayes Trainer Adam Booth an der Stirn. Umstehende mussten dazwischengehen, um die Streithähne nach mehreren Minuten zu trennen. Haye hatte im vergangenen Sommer in einem WM-Kampf gegen Wladimir Klitschko einstimmig nach Punkten verloren und war jetzt in München als Co-Kommentator für einen britischen TV-Sender im Einsatz.
Boxen hat den TV-Abend am Samstag dominiert und RTL Spitzenquoten beschert. Die Live-Übertragung des WM-Kampfes zwischen Vitali Klitschko und dem Briten Dereck Chisora sorgte zu später Stunde für herausragende Zuschauerzahlen: bis zu 13,73 Millionen sahen den deutlichen Punktsieg des 40-Jährigen WBC-Weltmeisters gegen seinen 28-jährigen Herausforderer. Im Durchschnitt kam die RTL-Übertragung aus der Münchener Olympiahalle auf 12,88 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei überragenden 56,5 Prozent (14-49-Jährige: 56,5 %). dpa/AZ
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