Mittwoch, 23. August 2017

11. August 2017 06:34 Uhr

Porträt

Mehmet Scholl polarisiert - aber ist in Deutschland gern gesehen

Mehmet Scholl hat als Co-Moderator viele Fans – auch wenn er manchmal zu weit geht. Jetzt ist er seinen Job los. Es ist nicht der einzige Rückschlag für ihn.

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Mehmet Scholl und die ARD beenden ihre Zusammenarbeit, nachdem es Streit um das Thema Dopingberichterstattung gegeben hatte.
Foto: Andreas Gebert (dpa)

Steht Mehmet Scholl im Fernsehstudio, das Mikrofon akkurat vor sein Schwiegersohnlächeln gehalten, das Hemd bis oben hin zugeknöpft, käme auf den ersten Blick keiner auf die Idee, dass dieser Bursche irgendwo anecken könnte. Das oft etwas unauffällige Äußerliche täuscht. Scholl sagt, was er denkt, macht sich keine Gedanken über Befindlichkeiten, die er damit verletzt. Das hat ihm schon so manchen Ärger eingebracht.

Jetzt steht er wieder in den Schlagzeilen. Die ARD hat die Zusammenarbeit mit dem Ex-Profifußballer beendet. Das Ironische: Diesmal geht es um etwas, was er nicht gesagt hat. Einen Bericht zu russischen Doping-Praktiken wollte der Experte nicht kommentieren und verließ stattdessen das Studio.

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Es ist dieses Sture, das Scholl manchmal wie ein Kind erscheinen lässt, und das seine Fans als erfrischendes Element in der oft drögen Fernsehwelt erleben. So sehr der 46-Jährige manchmal auch polarisiert: Scholl ist in Deutschland gern gesehen. Und das nicht erst seit seiner Tätigkeit als TV-Experte.

Anfang der 1990er – damals war der Sohn einer Deutschen und eines Türken aus seiner Heimatstadt Karlsruhe zum großen FC Bayern gewechselt –, entwickelt sich der junge Kicker zum Teenie-Schwarm. Scholl gibt nicht den harten Fußballer, sondern schaut stattdessen knapp bekleidet von den Wänden der Mädchenzimmer. Eine Art Beckham der Bundesliga.

Scholl und seine Ehefrau Jessica trennten sich 2016

Das Sex-Symbol ist auch als Fußballer erfolgreich. Mit den Bayern wird der technisch versierte Mittelfeld-Stratege achtmal Meister und gewinnt die Champions League, dazu den EM-Titel 1996. Verletzungen verhindern eine längere Laufbahn in der Nationalelf. Nach nur 36 Einsätzen ist Schluss. Als Trainer der zweiten Mannschaft des FCB schafft er keinen Durchbruch.

2008, ein Jahr nach seinem Karriereende, holt ihn die ARD als Experten. Als solcher fällt Scholl vor allem mit seinen frechen Sprüchen auf. Den Zuschauern gefällt das. Für seinen Job bei der WM 2014 bekommt er den Deutschen Fernsehpreis. Wirbel löst er mit seinem wohl bekanntesten Satz aus – der Sorge, dass sich Nationalstürmer Mario Gomez "wund gelegen" habe. Einigen geht das zu weit. Wohl auch Scholl selbst, der sich später bei Gomez entschuldigt.

Jetzt ist er den Experten-Posten los. Es ist der zweite Rückschlag innerhalb eines Jahres. Ende 2016 haben sich Scholl und seine Frau Jessica nach zehn Jahren Ehe getrennt. Zusammen haben sie zwei Töchter.

Mehmet Scholl ist auch Kegler und Musikmanager

Aus erster Ehe, nach deren Ende er 1996 in ein tiefes Loch fiel, hat Mehmet Scholl seinen Sohn Lucas, einen Fußballer. Der 21-Jährige spielte einst im Nachwuchs der Bayern, mittlerweile beim thüringischen Regionalligisten Nordhausen.

Scholl selbst ist ein leidenschaftlicher Kegler, wurde in der Jugend deutscher Vizemeister. Neben dem Sport hat er eine zweite Leidenschaft: Musik. 2011 gründete er das Münchner Plattenlabel Millaphon.

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Ein Artikel von
Andreas Schopf

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontär