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Fußball: Mehr innen als außen

Fußball

Mehr innen als außen

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    Das Länderspiel in der WM-Qualifikation in Kasachstan wird um Mitternacht Ortszeit angepfiffen. Wird Ihr Biorhythmus da mitspielen?

    Jérôme Boateng: Einen Tag geht das mal. Wichtig ist, dass wir konzentriert sind und den Gegner nicht unterschätzen. Wir wollen in den zwei Spielen gegen Kasachstan sechs Punkte holen.

    Sie hatten 2012 ein gutes Länderspiel-Jahr, absolvierten neun von 14 Partien von Beginn an, allerdings immer als rechter Außenverteidiger. Beim FC Bayern indes sind Sie eine Konstante in der Innenverteidigung. Wo sehen Sie Ihre Zukunft?

    Boateng: Ich sehe mich eher als Innenverteidiger. Ich bringe alles mit, was ein Spieler auf dieser Position braucht. Der Konkurrenzkampf ist dort natürlich sehr groß. Aber wenn der Trainer auf mich setzt, bin ich bereit. Ich kann immer noch rechts spielen, das ist kein Problem und macht auch Spaß. Aber ich glaube, dass ich innen noch besser bin, wobei ganz klar ist, dass ich auf der Position spiele, auf der der Trainer mich aufstellt.

    Erklären Sie uns die Unterschiede der beiden Positionen.

    Boateng: Als Innenverteidiger musst du den Spielaufbau machen, die Spieler vor dir dirigieren. Du musst nicht so viel laufen wie außen, aber gegen die Stürmer immer hoch konzentriert bleiben. Ich versuche so wenig wie möglich zu foulen, muss aber trotzdem aggressiv sein. Auch Stellungsspiel ist in der Innenverteidigung extrem gefragt.

    Bundestrainer Löw hat Sie jüngst in einem Interview als „schnell, kopfball- und zweikampfstark“ gelobt, aber kritisiert, dass sie bisweilen zu unkonzentriert seien und unnötige Platzverweise kassieren. Wie sehen Sie das?

    Boateng: Bei der Nationalmannschaft habe ich einen Platzverweis erhalten, der war gleich im ersten Spiel. Bei Bayern bin ich in der Champions League gegen Borissow vom Platz geflogen. Das war sicherlich eine vermeidbare Aktion. Ich bin dabei, mich zu verbessern. Wer sich die Statistik der Saison anschaut, wird sehen, dass bei mir ganz wenige Fouls zu Buche stehen.

    Mit dem FC Bayern feierten Sie 2012 eine Vize-Saison mit drei zweiten Plätzen. Im Frühjahr 2013 ist Ihr Klub wieder in drei Wettbewerben aussichtsreich im Rennen. Wie ausgeprägt ist der Wille, es diesmal dreimal zu einem guten Ende zu bringen?

    Boateng: Sehr ausgeprägt. Jeder denkt an die Ziele, und in der Meisterschaft ist es ja nicht mehr weit. Wichtig sind aber auch die anderen Wettbewerbe. Im DFB-Pokal-Halbfinale kommt Wolfsburg sicher nicht nach München, um einfach nur Hallo zu sagen. Und in der Champions League haben wir mit Juventus Turin im Viertelfinale einen sehr starken Gegner, der schwer zu spielen und unangenehm ist. Wir müssen immer eine Top-Leistung bringen, um weiterzukommen.

    Wie häufig haben Sie das Champions-League-Finale gegen Chelsea noch vor Augen?

    Boateng: Schon noch ab und zu. Verblassen wird das nie, ich werde das Spiel nie in meinem Leben vergessen. Es ist brutal, wenn du drei Minuten vor Schluss führst und dann am Ende so eine Chance liegen lässt.

    Manche schöpfen gerade aus bitteren Niederlagen Stärke...

    Boateng: Das geht, sicher. Mir ist eine Szene besonders in Erinnerung geblieben: Wir waren alle total down, da kam zwei, drei Tage nach der Niederlage gegen Chelsea eine SMS von Thomas Müller an alle Spieler. Er schrieb so etwas wie: „Kopf hoch, jetzt geht’s weiter und in den nächsten Jahren holen wir dieses verdammte Ding.“ Ich fand das super. Aus so einem Mannschaftsgefühl lässt sich Kraft schöpfen. Ich war 2010 zwar noch nicht dabei, als der FC Bayern auch schon im Finale stand. Jetzt hoffe ich aber, dass aller guten Dinge drei sind und wir den Titel vielleicht schon in dieser Saison gewinnen.

    In der Bundesliga ist Ihnen jüngst Ihr erstes Bundesligator gelungen. Wie wäre es nun mit dem Premierentreffer in der Nationalelf?

    Boateng: Das wäre schön, klar. Da habe ich zwar noch keine 130 Spiele, sondern 28. Wichtiger ist für mich jedoch der Erfolg der Mannschaft. Wenn ich ein Tor erziele, wäre das nur das Sahnehäubchen obendrauf.

    Welchen Stellenwert hat die WM in Brasilien für Sie?

    Boateng: Eine WM ist immer ein Highlight. Aber ich gebe zu, dass Brasilien als Land mit einer enormen Fußballbegeisterung einen besonderen Reiz ausübt. Um da dabei zu sein, lohnt es sich, in den Qualifikationsspielen alles rauszuholen. Interview: Achim Muth

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