Donnerstag, 20. Juni 2013

16. April 2012 17:18 Uhr

Fussball

Nach Tod von Morosini: "Wir müssen weniger spielen"

Nach dem tragischen Tod des italienischen Fußball-Profis Piermario Morosini ist in Italien eine Diskussion über die möglicherweise zu hohe Belastung der Spieler entbrannt.

Nach dem Tod des Fußballprofis Piermario Morosini ist in Italien eine Diskussion über eine möglicherweise zu hohe Belastung der Spieler entbrannt. "Wir müssen weniger und nicht so schnell hintereinander spielen", forderte Udines Stürmerstar Antonio di Natale.

"Kaum Zeit zur Regeneration"

Der zweimalige Torschützenkönig der ersten italienischen Fußballliga gab zu, wegen der enormen Belastung im vergangenen Jahr an einen Rücktritt gedacht zu haben. Es bleibe kaum noch Zeit zur Regeneration. "Fußball ist schön und wichtig, aber wir müssen auch auf unsere Gesundheit achten", mahnte der 34-jährige Ex-Nationalspieler.

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Di Natale hatte in Udine zusammen mit Morosini gespielt. Der Mittelfeldspieler hatte am Samstag im Zweitligaspiel seines Clubs Livorno in Pescara einen Herzstillstand erlitten und war im Alter von 25 Jahren gestorben.

Morosini: Leichnam obduziert

Am Montag wurde sein Leichnam obduziert, um die genaue Todesursache zu klären. Pescaras Bürgermeister Luigi Albore Mascia legte einen Bericht über den umstrittenen Rettungseinsatz im Stadion vor. Demnach hat das geparkte Polizeiauto zwar die Ankunft des Rettungswagens um rund drei Minuten verzögert, aber keinerlei Auswirkung auf die Rettungsmaßnahmen auf dem Rasen gehabt. Ein Polizist habe die Verantwortung übernommen. Ihn erwartet ein Disziplinarverfahren und eine Suspendierung, nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber kein Strafverfahren.

Italiens Sportminister Piero Gnudi hatte bereits am Wochenende bessere Medizintests gefordert: "Ich frage mich, ob die Untersuchungen nicht gründlicher und häufiger sein sollten", sagte Gnudi am Wochenende. Nach Meinung von Lecces langjährigem Teamarzt Giuseppe Palaia ist die medizinische Versorgung in der ersten und zweiten Liga jedoch sehr gut. "Aber in den Jugendbereichen gibt es größere Lücken", warnte der Mediziner.

Restrisiko bleibt

Wie Lecces Teamarzt merkte auch Nationaltrainer Cesare Prandelli an, dass trotz aller Vorsorgemaßnahmen auch bei Spitzensportlern immer ein Restrisiko bleibe. Die Statistik zeige aber, dass sich derart tragische Ereignisse in den vergangenen Jahren nicht häuften. Im Gegenteil, wie der Präsident des italienischen Sportärzte-Verbands, Maurizio Casasco, mitteilte: "Dank der obligatorischen Sporttauglichkeitsprüfung nahm die Zahl der plötzlichen Todesfälle beim Sport in Italien in den vergangenen 20 Jahren um 90 Prozent ab", berichtete Casasco.

Der italienische Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete wies darauf hin, dass der Verband bereits 10.000 Personen im Umgang mit Defibrillatoren ausgebildet habe. "Aber wir wollen noch mehr auf den Plätzen", betonte Abete, der nach Morosinis Tod alle Liga-Spiele für das Wochenende abgesagt hatte. (dpa, AZ)

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