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26. Februar 2008 16:58 Uhr

Verdacht auf Absprachen

Razzia bei Fußballverbänden - Funktionäre sind empört

Theo Zwanziger ist wütend. Als "nicht mehr nachvollziehbar" bezeichnet der DFB-Präsident die Durchsuchung der Geschäftsräume des Fußballbundes und der Deutschen Fußballiga (DFL).

Die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes in Frankfurt am Main.

Die Dachverbände des deutschen Fußballs sind ins Visier des Bundeskartellamtes geraten. Bei der vom Amtsgericht Bonn angeordneten Durchsuchung beschlagnahmten Ermittler in Frankfurt/Main Unterlagen.

Es bestehe der Verdacht «wettbewerbsbeschränkender Absprachen», sagte eine Sprecherin des Kartellamtes in Bonn. «Dieser Vorfall ist für uns alle unfassbar», erklärte der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Wolfgang Niersbach. «Wir erkennen nicht den Hauch eines Ansatzes für unrechtmäßiges Verhalten bei uns.» Kartellbehörde, DFB und Deutsche Fußball Liga (DFL) betonten, dass die Durchsuchung in keinem Zusammenhang mit den aktuellen TV-Ausschreibungen der DFL stehe.

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«Was in diesem Staat passiert, ist nicht mehr nachvollziehbar», betonte DFB-Präsident Theo Zwanziger in der Zeitung «Die Welt». »Wo sind wir denn, wenn Kommunikation schon gleich die Bildung eines Kartells sein soll?», fragte der gelernte Jurist empört und kündigte an, alle Mittel gegen diese Vorgehen auszuschöpfen, «wir reden hier von Ermittlungen in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren. Wo kommen wir denn da hin, wenn in Zukunft jeder Verkehrsteilnehmer wegen eines Ordnungswidrigkeitsverfahren mit einer Hausdurchsuchung rechnen muss?»

Auslöser der Aktion war ein Bericht der «Sport Bild» aus dem Frühjahr 2007, in dem ein Konflikt zwischen dem Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen und dem DFB um den damaligen Leverkusener Sponsor (RWE) geschildert wird. Darin wurde Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der nach dem Tod von Werner Hackmann vom 15. März bis zum 7. August 2007 auch Interims-Präsident des Ligaverbandes war, mit den Worten zitiert: «Es kann nicht sein, dass der DFB und der Ligaverband oder auch seine Vereine sich gegenseitig Konkurrenz bei den Sponsorenverhandlungen machen.»

Über die vermutete Gründung einer Arbeitsgruppe von DFL und DFB speziell zum Thema Sponsoring erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger: «Es gibt in allen Bereichen einen ständigen Informationsaustausch zwischen DFB und DFL. Es ist völlig absurd und unrealistisch zu unterstellen, dass dort Absprachen getroffen werden.» Niersbach betonte im DSF: «Den Wettbewerb unter Sponsoren vermögen wir gar nicht zu erkennen. Die ganze Landschaft ist ein offenes Buch. Wir haben im Verhältnis zur DFL teilweise die gleichen Partner. Wir arbeiten in gemeinsamen Gremien. Da gibt es eine totale Transparenz und nicht die Spur von Geheimhaltung. Wir tauschen uns mit der DFL sowohl in Marketing- und Fernseh-Angelegenheiten wie in Fragen der Sicherheit aus.»

DFB und DFL, denen das Verfahren und der darin geschilderte Verdacht nach eigenen Angaben bislang unbekannt waren, wiesen die Vorwürfe zurück und bezeichneten die Aktion als «unverhältnismäßig». Der Fußball-Bund werde «alle Facetten der Rechtmäßigkeit dieser Ermittlungsmaßnahme überprüfen lassen, insbesondere die Verhältnismäßigkeit der Durchsuchung». Außerdem ziehe der DFB auch «Dienstaufsichtsbeschwerden gegen die beteiligten Behörden in Erwägung», erklärte der Verband in einer Pressemitteilung.

Zudem erhob Niersbach Vorwürfe gegen die Bonner Behörde. «Hätte uns das Bundeskartellamt direkt kontaktiert, hätte es eine saubere Antwort mit allen gewünschten Unterlagen erhalten. (...) Die Durchsuchung, die auf dem Verdacht einer Ordnungswidrigkeit und nicht einer Straftat basiert, ist ein trauriges Beispiel dafür, wie in der Zusammenarbeit mit Behörden jede Vertrauensbasis zerstört werden kann», sagte der 57-Jährige.

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