Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge will Bondscoach Bert van Marwijk besänftigen. Arjen Robben soll bald wieder für den FC Bayern spielen. Freundschaftspiel droht zu kippen.


es ist ein Dauerstreit zwischen dem FC Bayern München dem holländischen Fußballverband. Und ein Mann ist für den Zwist verantwortlich: der verletzte Superstar Arjen Robben. Diesmal ist es eine weiche Leiste, die die beiden Parteien in ein öffentliches Scharmützel bringt. Doch Karl-Heinz Rummenigge lässt nun Druck aus der heiklen Situation.
Eineinhalb Tage nach dem Angriff von Bondscoach Bert van Marwijk in Richtung München äußerte sich Rummenigge sehr besonnen: "Bert van Marwijk muss offensichtlich etwas missverstanden haben. Der FC Bayern hat weder ihm noch der holländischen Nationalmannschaft irgendeinen Vorwurf gemacht. Im Gegenteil: Wir finden es sehr entgegenkommend, dass die Holländer Arjen in dieser Situation zurück nach München geschickt und ihm damit die Möglichkeit gegeben haben, die Verletzung schnellstmöglich auszukurieren." Bayerns Kommuniqué endet mit den Worten: "Wir hoffen, dass Arjen Robben deshalb so schnell wie möglich wieder trainieren und spielen kann."
Ob van Marwijk damit milde gestimmt werden kann? Auf die konkreten Vorwürfe ging Rummenigge nämlich auch am Sonntag nicht ein. Van Marwijk - ehemals Coach von Borussia Dortmund - hatte sich mit drastischen Formulierungen darüber echauffiert, dass der deutsche Rekordmeister den nötigen Respekt vermissen lasse. "Jetzt schieben sie uns Arjens Leistenbruch in die Schuhe, anstatt uns dankbar zu sein, dass wir ihn noch einmal gründlich untersuchen haben lassen", sagte Marwijk am Freitagabend in Rotterdam nach dem 1:0 gegen Moldawien in der Qualifikation zur Europameisterschaft im nächsten Jahr. "Auf einmal geben sie uns die Schuld, davon wird man verrückt. Das ist beinahe asozial."
Was war passiert? Der 27 Jahre alte Robben war am Donnerstag vorzeitig von der Länderspielreise nach München zurückgekehrt und vom Bayern-Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt eingehend untersucht worden. Auf der Internetseite des Vereins sprach der Mediziner anschließend davon, dass "sich auf dem Boden einer Schambeinentzündung in den vergangenen Tagen eine weiche Leiste entwickelt hat". Eine Operation, die am Freitag ausgeführt worden war, sei unvermeidlich. Robben hatte erst wegen diverser Probleme am Schambein fünf Wochen pausieren müssen.
Nach Ansicht van Marwijks hatten die niederländischen Mediziner bereits am Montag einen Leistenbruch bei Robben diagnostiziert. Auch Müller-Wohlfahrt soll davon gewusst haben. Oranje-Arzt Gert-Jan Goudswaart hatte ihn über Robbens Verletzung informiert. Er habe sich bei unserem Arzt sogar bedankt, stellte van Marwijk klar.
Um jedoch ganz sicher zu gehen, musste der verletzungsanfällige Robben eine weitere Untersuchung bei einem bekannten Radiologen über sich ergehen lassen. Das geschah am Mittwoch.
Auch dieser erkannte einen Leistenbruch und keine weiche Leiste, versicherte der Oranje-Coach. Die zehntägige Pause für Robben, von der Müller-Wohlfahrt sprach, erscheint daher mehr als fraglich. Robbens Vater Hans geht ebenfalls von einer längeren Absenz aus und sprach davon, dass sein Sohn zehn Tage lang überhaupt keinen Sport machen dürfte.



Dass von den ganzen Untersuchungen in der ersten Stellungnahme von Müller-Wohlfahrt nichts zu lesen war, verwundert schon. Lediglich Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge lobte die große Sensibilität des holländischen Verbandes, nachdem im vergangen Jahr Robbens WM-Verletzung, ein Muskelriss, zu einem monatelangen Streit zwischen Bayern und dem niederländischen Fußballverband KNVB geführt hatte.
Als kleine Entschädigung vereinbarten die beiden Streitparteien daraufhin am 22. Mai 2012 in München ein Freundschaftsspiel. "Darauf", sagte ein aufgebrachter van Marwijk, "habe ich jetzt aber keine Lust mehr."
Der KNVB pfiff seinen Nationaltrainer jedoch umgehend zurück: "Ich verstehe diese Emotionen, die nach einem Spiel entstehen", sagte Verbandschef Bert van Oostveen, und weiter: "Wir haben mit Bayern München eine Absprache. Der KNVB akzeptiert diese Absprachen. Das heißt, dass wir wie geplant gegen Bayern spielen werden. Darüber gibt es keine Diskussion." Karl-Heinz Rummenigge scheint es nach seiner Stellungnahme von Sonntag genauso zu sehen. AZ/dapd
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