Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel überrascht mit seinem Team die Liga. Tilmann Mehl traf den Erfolgscoach in seiner Heimatstadt Krumbach. Von Tilmann Mehl

Krumbach So schnell lässt sich Thomas Tuchel das Weihnachtsfest nicht vermiesen. Gegen den Frust der 0:1-Niederlage seiner Mainzer setzt der Fußballtrainer ein probates Mittel zur Stimmungsaufhellung: Fußball.
Boxing Day heißt die Veranstaltung. Der gebürtige Krumbacher verbringt die Festtage in England. Dort schaut er sich am zweiten Weihnachtsfeiertag das Spiel Arsenal London gegen Aston Villa. Das ist Fußball, wie er ihn mag. Aggressiv, emotional aufgeladen - aber auch mit taktischen Finessen. Fußball, wie ihn Tuchel in Mainz spielen lassen will. Fußball, wie ihn die Mainzer häufig spielen. Nur eben nicht am letzten Vorrunden-Spieltag beim FC Schalke.
Das trübt die Bilanz von Tuchel in Mainz aber nicht. Der 36-Jährige hat nach der Lachverbot-Zeit unter Jörn Andersen den Spaß zurückgebracht. Dabei will er den Erfolg seiner Arbeit aber keinesfalls alleine auf das Karnevals-Image seines Vereins limitiert wissen. "Der Verein hat eine Philosophie, für die er steht. Das ist schon mal toll. Außerdem haben wir extrem hohe Ansprüche, die wir von den Spielern einfordern."
Behauptungen, wonach die Mainzer mit dem momentanen neunten Tabellenplatz am Limit angekommen seien, tritt er entgegen. "Wir verweigern uns Gesetzmäßigkeiten, die es nicht gibt", sagt Tuchel. So sind auch Siege gegen den FC Bayern oder die TSG Hoffenheim zu erklären. Wobei sich der Trainer bewusst ist, dass es mit den Mainzern nicht immer nur aufwärtsgehen kann. Da müsse man gezielt in den Spagat zwischen Wünschen und Machbarem gehen. "Wir wollen einfach ausloten, wo unsere Grenzen sind", so Tuchel.
Sein Wunsch ist es, "eine Entwicklung mitzuprägen, wie es damals Jürgen Klopp in Mainz gemacht hat". Mittelfristiges Ziel: der angstfreie Klassenerhalt. Wenn der frühzeitig geschafft sein sollte, "greifen wir die internationalen Plätze an." Worte, die man eher aus Frankfurt denn aus Mainz erwartet hätte. Die Grenze hat sich bereits verschoben, das Limit ist noch nicht erreicht. "Mein Weg soll nach oben führen - am liebsten mit dem FSV Mainz 05."
Bei uns im Internet
Thomas Tuchel hat die Lokalredaktion in Krumbach besucht. Ein Video davon gibt es unter augsburger-allgemeine.de
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