München (dpa) - Die Probleme kann auch die charmante Katarina Witt nicht weglächeln, nach dem Rückzug von Bewerbungschef Willy Bogner will die Eiskunstlauf-Königin die Olympia-Bewerbung aber wieder in die richtige Spur bringen.

«Jetzt bin ich vielleicht diejenige, die an der Front steht. Und ich scheue mich nicht vor der Verantwortung», sagte die 44-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. Die bayerischen Olympia-Macher präsentierten ihr Konzept für die Winterspiele 2018 vor knapp 700 Botschaftern und Vertretern des Auswärtigen Amts in Berlin.
«Es wird keinen Strategiewechsel geben. Wir sind personell gut aufgestellt und voll im Zeitplan», erklärte Michael Vesper, Aufsichtsratschef der Bewerbungsgesellschaft, «wir sind dabei, uns auf die vielen Präsentationen vorzubereiten, in denen wir unser einzigartiges Konzept vorstellen.» Nächster wichtiger Termin ist der Auftritt vor der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) Mitte Oktober in Acapulco.
Bogners Nachfolger Bernhard Schwank mahnte unterdessen eine stärkere öffentliche Unterstützung an. «Wir brauchen ein Signal in die Welt, dass Deutschland die Winterspiele wirklich will», sagte Schwank dem «Tagesspiegel». Im Herbst sei eine neue Kampagne geplant. «Wir müssen die Emotionen jetzt auf die Straße bringen.» Schwank hofft zudem auf eine stärkere Einbindung von Franz Beckenbauer: «Ich glaube, dass auch Franz Beckenbauer bereit ist, uns mehr zu unterstützen.» Doch «der Kaiser» hatte schon zuvor im Bayerischen Fernsehen betont, dass man es «bei dieser Mannschaft» jetzt belassen sollte.
Witt ist schon seit Monaten für das große Ziel Olympia unermüdlich im Einsatz. Nach Bogners gesundheitsbedingtem Abgang kommt der zweimaligen Olympiasiegerin im Dreikampf mit dem französischen Annecy und dem südkoreanischen Pyeongchang eine Schlüsselrolle zu. Der Mode-Unternehmer wurde intern und extern als Auslöser einiger PR-Pannen verantwortlich gemacht.
Die Zeit drängt. Für ihre Charme-Offensive bleiben der 44-Jährigen nicht einmal mehr zehn Monate. Am 6. Juli 2011 entscheidet das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Austragungsort der Winterspiele. «Es ist noch eine Menge zu tun», sagte die Kuratoriumsvorsitzende, die vor allem die Begeisterung für das Großprojekt schüren will: «Es ist natürlich bedauerlich, dass bis jetzt eher die negativen Schlagzeilen hier bei uns überwogen haben, obwohl es ja viele, viele positive Dinge im Zusammenhang mit der Bewerbung gibt. Da liegt sicherlich noch sehr viel Arbeit vor uns, um die Bevölkerung mitzureißen.»
Witt versuchte erst gar nicht zu beschönigen, dass die Bewerbung in den vergangenen Monaten in Schieflage geraten ist. Erst mussten die Standort-Pläne für Biathlon und Langlauf in Oberammergau auf Druck der Bevölkerung vor Ort gestrichen werden. Dann mussten in Garmisch-Partenkirchen wegen des hartnäckigen Neins einiger Grundstücksbesitzer Alternativen wie ein US-Golfplatz gesucht werden.
Die «First Lady» der Kandidatur blickt trotzdem nach vorn und will die Winterspiele und Paralympics nach München holen. Natürlich hätten auch die am Ende entscheidenden IOC-Mitglieder mitbekommen, «dass es hier und da geknirscht hat. Aber das IOC sieht erst einmal das große Ganze.» Überall wisse man, dass «die Athleten in unserem Land gut aufgehoben sind. Das hat man gesehen bei der Fußball- Weltmeisterschaft: Das war das beste Gütesiegel, das wir uns erarbeiten konnten, dass selbst die Menschen im eigenen Land erstaunt waren über ihre eigene Fröhlichkeit.»
Mit ihrer prominenten Hoffnungsträgerin hoffen die Münchner auf frischen Wind beim Marathon um die Winterspiele 2018. Die Olympia- Gegner bewerten die jüngsten Ereignisse und die Personalie Bogner dagegen als weiteren Etappensieg. «Das macht uns Mut. Wir hoffen, dass dieser Kelch an uns vorbeigeht», sagte «NOlympia»-Sprecher Axel Doering in Garmisch-Partenkirchen der dpa. «Diese Bewerbung ist eine Pannen-Bewerbung.»
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