Dienstag, 17. Oktober 2017

11. Juli 2017 19:23 Uhr

Final-Held gegen Kanada

Eishockey-Weltmeister Schweden feiert Torwart Lundqvist

Der 26-malige Eishockey-Weltmeister Kanada ist entthront. Zum ersten Mal gewann Schweden ein WM-Endspiel gegen Kanada. Dies lag vor allem an Torhüter Henrik Lundqvist. Für die Schweden ist der 35-Jährige nun der beste Eishockey-Torhüter ihrer Geschichte.

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Der schwedische Goalie Henrik Lundqvist (l) raubte Kanadas Stürmern den Nerv.
Foto: Marius Becker (dpa)

Natürlich war es «König Henrik» selbst, der mit dem WM-Pokal das Eis in Köln verlassen durfte. Voller Stolz trug der überragende schwedische Torhüter Henrik Lundqvist die Trophäe weit nach Mitternacht in die Kabine, wo die Tre Kronors die zehnte Weltmeisterparty starteten.

Der von den Fans seines NHL-Teams New York Rangers liebevoll «King Henrik» getaufte 35-Jährige entthronte die im Eishockey bis dahin quasi alleinherrschenden Kanadier fast im Alleingang. «Gebt ihm seine eigene Briefmarke. Er hat Schweden Gold gerettet», schrieb die schwedische Zeitung «Aftonbladet» über den 2:1-Sieg nach Penaltyschießen. Für «Dagens Nyheter» war es der «beeindruckendste» aller zehn WM-Titel bisher: «Schwedens bester Torhüter der Geschichte kam, um Gold zu gewinnen. Das hat er geschafft.»

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Für Lundqvist war der Sieg gegen Kanada, das zuletzt zweimal hintereinander Weltmeister und mit noch stärkeren Teams 2010 und 2014 Olympiasieger geworden war, fast etwas Persönliches. «Ich habe selbst bei zwei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen gegen Kanada verloren. Es war einfach an der Zeit jetzt», sagte Lundqvist.

2006 hatte der Kult-Keeper aus New York sein Land zum Olympiasieg geführt, in den WM-Endspielen 2003 und 2004 aber bittere Finalpleiten gegen Kanada erlebt. Da die nordamerikanische Profiliga NHL  angekündigt hatte, 2018 nicht für Olympia pausieren zu wollen, entschied sich Lundqvist nach dem Playoff-Aus seiner Rangers in der vorletzten Woche, zur WM nachzureisen. «Als ich in New York aufgebrochen bin, habe ich mir genau das erträumt: Mit meinem Bruder hier den Pokal in den Händen zu halten», sagte Lundqvist, der erstmals seit 2003 wieder gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder, dem schwedischen WM-Kapitän Joel Lundqvist, auflaufen konnte.

«Das ist für uns beide ein wirklich emotionaler Moment. Ich bin superstolz», jubelte «King Henrik», dessen Nachnominierung wohl das entscheidende Puzzle-Teil zum ersten schwedischen WM-Titel seit 2013 war. «Er ist natürlich einer der besten Goalies der Welt. Das hat man heute wieder gesehen», sagte der Weltmeister-Coach Rikard Grönborg. «Sein Kommen hat der gesamten Defensive noch einmal einen Schub gegeben. Aber auch in der Kabine ist er sehr wichtig. Es hört einfach jeder genau zu, wenn er etwas sagt.»

Im spannenden, aber erst in der torlosen Verlängerung hochklassigem WM-Endspiel von Köln vor 17 363 Zuschauern brachte Lundqvist die kanadischen Weltklasse-Stürmer reihenweise zur Verzweiflung. Im Penaltyschießen scheiterten alle Gegner Lundqvists, auch Super-Stürmer Nate MacKinnon aus Colorado. Für das zuletzt weltweit klar dominierende Eishockey-Mutterland war die Niederlage eine Schmach, wie Kanadas Top-Scorer MacKinnon zugab: «Ich bin sicherlich nicht hierher gekommen, um Zweiter zu werden.»

Kanada bleibt zwar Weltranglisten-Erster, nach Anzahl der WM-Titel mit 26 aber weiter hinter dem Erzrivalen und Rekord-Weltmeister Russland (27). Schweden sprang auf Rang drei hinter dem WM-Dritten Russland. Deutschland beendete die Heim-WM nach dem Viertelfinal-Aus gegen Vizeweltmeister Kanada als Achter. In Dennis Seidenberg von den New York Islanders wurde ein Deutscher immerhin zum besten Verteidiger des Turniers und ins All-Star-Team gewählt. Diese Ehre blieb Henrik Lundqvist nach nur fünf Einsätzen für sein Land in insgesamt zehn WM-Spielen verwehrt. Dafür durfte er zum ersten Mal in seinem Leben den WM-Pokal in Händen halten. «Ein großartiges Gefühl», sagte Lundqvist.

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