Sonntag, 17. Dezember 2017

11. Dezember 2017 16:21 Uhr

WM 2013 macht DEB-Team Mut für die Zukunft

Das erhoffte WM-Viertelfinale ist nicht herausgesprungen - dennoch überwiegt im deutschen Eishockey-Team Zufriedenheit und Stolz. Der Abstand zu den Top-Acht-Nationen ist nicht riesig. Coach Cortina will den Weg weitergehen, Hadern hilft nichts - der Blick geht nach vorne.

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Die DEB-Auswahl scheint auf dem richtigen Weg zu sein.
Foto: Kimmo Brandt (dpa)

Pat Cortina wirkte gelöst, das unglückliche Aus bei der Eishockey-WM nagte nicht all zu sehr am Bundestrainer. Die Auftritte der deutschen Kufen-Cracks stimmten den Trainer optimistisch: «Wir haben ein neues Gesicht gezeigt, hoffentlich war das der Start in eine neue Ära.»

Im Gegensatz zur Pleite bei der Olympia-Qualifikation im Februar kehrten das deutsche Team erhobenen Hauptes aus Helsinki zurück. «Wir haben dem deutschen Eishockey den Stolz zurückgebracht», resümierte Kapitän Christian Ehrhoff.

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Der NHL-Star freute sich nach seinem Mammutprogramm vor allem auf die Familie. Der Verteidiger hatte in den zwei Wochen daheim viel verpasst, die Geburtstage seiner Tochter Leni und seines Vaters etwa, außerdem Vater- und Muttertag. «Jetzt wird einiges nachgefeiert», kündigte der deutsche Turnier-Topscorer mit einem Lächeln an.

Grund dazu hat auch das Team, das den Finnland-Trip bis zum Morgengrauen im Milliklubi von Helsinki ausklingen ließ. «Wir haben bei diesem Turnier viele Komplimente aus der Eishockey-Welt erhalten, für die Art und Weise wie wir gespielt und gekämpft haben», sagte Bundestrainer Cortina. Nach dem Harakiri-Auftritt von 2012, als sich die Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) bei der WM mit Platz zwölf kräftig blamiert hatte, war die von Cortina forcierte Rückkehr zu den «deutschen Tugenden» das Erfolgsrezept. «Wir hatten in allen Spielen die Chance zu gewinnen», betonte der Trainer.

Dass es letztlich am finalen Vorrundenspieltag doch nicht für den Einzug ins Viertelfinale reichte, weil die USA nicht gegen die Slowakei gewann, war nur kurz enttäuschend. «Man kann nicht immer nach den Sternen greifen», meinte Verbandspräsident Uwe Harnos. «Wir haben uns sehr gut verkauft.» Unterm Strich blieb Rang neun - der den aktuellen Stand des deutschen Eishockeys widerspiegelt.

Um mittel- und langfristig die Top-Acht-Nationen anzugreifen, will Cortina den Stellenwert der A-Auswahl anheben. «Jeder muss begreifen, dass die Nationalmannschaft ein Spiegel des deutschen Eishockeys ist, sie ist unser wichtigstes Team». Dass am entscheidenden letzten Spieltag kein einziger wichtiger Verbandsfunktionär in der Hartwall Areena vor Ort war, ist vor dem Hintergrund durchaus bemerkenswert.

Mit Blick auf die anstehenden Aufgaben denkt Cortina bereits laut über einen Generationswechsel im Team und Vorschläge für eine bessere Nachwuchsförderung nach. An Leistungsträgern wie Ehrhoff wird Cortina natürlich nicht rütteln. Er weiß, was er an seinem Abwehr-Ass hat. «Er hätte das alles hier nicht tun müssen», lobte der Trainer den Star, der trotz einer intensiven NHL-Saison nach Finnland reiste und überragte. «Für ihn persönlich hätte es keinen Unterschied gemacht, aber er hat für das deutsche Eishockey den Unterschied ausgemacht.»

Kein Profi dieser WM stand in der Vorrunde länger auf dem Eis als Ehrhoff (196:29 Minuten), mit drei Toren war er der gefährlichste WM-Verteidiger und dank zweier Vorlagen bester Scorer im DEB-Team.

Allerdings illustriert die Statistik auch, woran es noch mangelt im Vergleich zu den Viertelfinalisten - die Chancenverwertung. Keine Mannschaft schlug aus ihren Tormöglichkeiten so wenig Kapital wie Cortinas Truppe. «Wenn wir kaltschnäuziger gewesen wären, wäre einiges drin gewesen. Der Abstand ist nicht riesig, aber die Kleinigkeiten machen dann eben den Unterschied aus», fand Ehrhoff.

An die Feinheiten muss Cortina nun ran, ab Sommer wird er sich neben der Tätigkeit als Coach auch den Aufgaben als DEB-Sportdirektor widmen. «Jetzt muss er erstmal durchschnaufen», fand Verbandschef Harnos. Darauf freut sich auch Cortina. Bei seinen nächsten Turnieren will der Italo-Kanadier nämlich auch persönliche Verbesserungen vorweisen. «Ich habe jetzt etwas mehr Zeit, zum Beispiel für Deutsch-Unterricht, mindestens ein paar Stunden pro Wochen.»

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