Sie stellen zweifelsohne das Beste dar, was Eishockey-Deutschlandderzeit zu bieten hat: die beiden Angreifer Marco Sturm und JochenHecht! Unser Sportredakteur Dirk Sing hat die deutschen Ausnahmestürmer in Florida getroffen. Von Dirk Sing


Von Dirk Sing
Sie stellen zweifelsohne das Beste dar, was Eishockey-Deutschland derzeit zu bieten hat: die beiden Angreifer Marco Sturm und Jochen Hecht!
Während der 30-jährige Sturm mit seinen Boston Bruins einen wahren Traumstart (42 Punkte aus 27 Partien - dabei absolvierten die Bruins sogar den besten November in ihrer Vereinsgeschichte ) in die Saison 2008/2009 hingelegt hat, kämpft der ein Jahr ältere Hecht mit den Buffalo Sabres (27 Spiele, 29 Punkte) verbissen um den Einzug in die diesjährigen Play-Offs.
Unser Sportredakteur Dirk Sing hat die deutschen Ausnahmestürmer in Florida getroffen und unterhielt sich mit ihnen ausführlich über...
...das bisherige Abschneiden ihrer Teams.
Hecht: Wir haben eigentlich sehr gut angefangen und von den ersten acht Begegnungen sechs gewonnen beziehungsweise zwei nach Verlängerung und Penaltyschießen verloren. Doch seitdem haben wir nicht mehr so recht in die Spur gefunden. Zwischendurch mussten wir uns dann sogar sechsmal in Folge geschlagen geben, hinzu kommt auch noch unser Verletzungspech. Das alles führt dazu, dass es momentan nicht gerade einfach ist, wieder entsprechend Selbstvertrauen zu tanken.
Sturm: Auch wenn unser guter Saisonstart vielleicht etwas überraschend kommt, wir haben bislang richig gutes Eishockey gespielt. Letztlich haben wir dort weitergemacht, wo wir in der vergangenen Spielzeit aufgehört haben. Unser Team hat sich sofort wieder gefunden und vor allem die jungen Spieler wie Lucic oder Krejci werden immer stärker. Natürlich würde ich momentan lieber selbst auf dem Eis stehen als die Partien von der Tribüne aus zu verfolgen. Aber ich hoffe, dass es baldmöglichst mit meiner Rückkehr ins Team klappt.
...ihre Rollen innerhalb der Mannschaft.
Hecht: Naja, mit meinen 31 Jahren bin ich mittlerweile schon der älteste Stürmer im Team - wobei ich mich, wenn ich so in die Runde blicke, schon etwas jünger fühle (grinst) und an meine Anfangszeit hier zurückerinnert werde. Nichtsdestotrotz zähle ich als einer der erfahrensten Akteure natürlich auch zu den Leistungsträgern und Führungsspielern innerhalb der Truppe und versuche, dieser Aufgabe mit guter Leistung auf dem Eis stets gerecht zu werden. Was die letzten Begegnung betrifft, so hatte ich zumeist defensive Aufgaben. Sprich: Meine Reihe war dafür zuständig, die gegnerischen Toplinien aus dem Spiel zu nehmen - und das hat eigentlich auch sehr gut geklappt. Natürlich soll dann auch in der Offensive noch der ein oder andere Punkt herausspringen.
Sturm: Mittlerweile gehöre ich schon zu den etwas älteren und erfahreneren Spielern in unserer Mannschaft. Wir haben sicherlich einige Jungs, die eine gewisse Führungsrolle im Team übernehmen - und dazu gehöre letztlich auch. Auf der anderen Seite erwartet man von mir aber natürlich auch Tore. Bislang hat das eigentlich immer ganz gut geklappt (lacht).
...die "sportliche Wertigkeit" des deutschen Eishockeys im internationalen Vergleich beziehungsweise einem möglicher Zusammenhang, dass in der NHL derzeit "nur" acht Deutsche, dafür aber eine Vielzahl an russischen, tschechischen, finnischen, schwedischen und slowakischen Akteuren unter Vertrag stehen.
Hecht: Diesbzüglich besteht mit Sicherheit ein Zusammenhang! Die deutsche Nationalmannschaft spielt zwar wieder im A-Pool, hat aber in den vergangenen Jahren auch schon sehr schwierige Zeiten durchlebt. Wenn man die jetzige Situation in der NHL mit der vor zehn oder 15 Jahren vergleicht, ist das sicherlich ein gewisser Quantensprung. Früher gab es den Uwe Krupp (jetziger Bundestrainer, Anm. d. Red.) und Olaf Kölzig - sonst niemand! Jetzt sind es aktuell immerhin schon acht Deutsche, die den Sprung gepackt haben. Das zeigt, dass die Nachwuchs-Arbeit sicherlich schon etwas besser geworden, aber - gerade im Vergleich mit anderen europäischen Ländern - längst noch nicht optimal ist. Auf der anderen Seite sehen die jungen Spieler in Deutschland an unseren Beispielen, dass man mit harter Arbeit durchaus den Sprung in die NHL schaffen kann. Ich denke, dass motiviert den ein oder anderen Youngster sicherlich zusätzlich, um noch härter an sich zu arbeiten.
Sturm: Ich denke auch, dass das ein gewisss Spiegelbild der momentanen Situation ist. Das Einzige, worüber ich momentan allerdings chon etwas überrascht bin, ist die Tatsache, dass kaum ein Schweizer den Durchbruch in der NHL geschafft hat - und das, obwohl die Eidgenossen mit ihrer Nationalmannschaft uns gegenüber schon die Nase vorne haben und auch über eine sehr gute Ausbildung im Nachwuchs-Bereich verfügen. Aber es stimmt schon: Auf der einen Seite können wir ganz froh sein, dass es immerhin aktuell acht Deutsche in der National Hockey-League gibt. Auf der anderen Seite zeigt es aber im internationalen Vergleich, dass es im deutschen Eishockey noch eine ganze Menge zu tun gibt.
...den Stellenwert der Deutschen Eishockey-Liga im Blickfeld der NHL.
Hecht: Klar, die erste Option ist und bleibt die NHL selbst! Für die etwas älteren Spieler, die den Sprung in die NHL nicht mehr schaffen, dürfte mittlerweile die russische Liga der nächste Schritt sein - vorausgesetzt natürlich, sie sind gewillt, sich den neuen Lebensgewohnheiten dort anzupassen beziehungsweise diese doch krasse Umstellung auf sich zu nehmen. Wer dies nicht tun möchte, orientiert sich dann anderweitig in Europa - eben auch nach Deutschland.
Sturm: Man muss ganz ehrlich sagen, dass die DEL für viele Akteure hier schon etwas uninteressanter geworden ist. Geld spielt für einen Eishockey-Profi natürlich eine große Rolle - und da werden nun einmal in Russland oder auch der Schweiz ganz andere Summen als in Deutschland gezahlt. Wie das Niveau jetzt in Deutschland ist, darüber weiß eigentlich kaum einer dieser Spieler tatsächlich Bescheid.
...deren Einschätzung, welcher aktuelle deutsche NHL-Akteur mit seinem Team momentan die besten Chancen hat, den Stanley Cup zu gewinnen.
Hecht: Augenblicklich ist es sicherlich Marco Sturm mit den Boston Bruins. Im Vergleich zur Saison 2006/2007, als man noch die Play-Offs verpasst hat, haben sich die Bruins um 180 Grad gedreht. Sie spielen derzeit ein tolles und vor allem erfolgreiches Eishockey. Die Mischung innerhalb des Teams scheint perfekt zu stimmen, auch haben sich die jungen Spieler wie Milan Lucic hervorragend entwickelt. Zudem verfügt man über drei sehr starke, ausgeglichene Reihen, so dass dieser Mannschaft wahrlich einiges zuzutrauen ist.
Sturm: Wenn man die bisherige Saison betrachtet, könnte man sich schon sehr gut vorstellen, dass Boston und San Jose das Stanley-Cup-Finale bestreiten. Ich denke mal, dass das sicherlich eine tolle Sache wäre - auch für mich persönlich, da ich ja selbst viele Jahre bei den Sharks gespielt habe. San Jose spielt derzeit absolut überragend und hat sich zudem vor Saisonbeginn mit Dan Boyle und Rob Blake Blake hervorragend verstärkt. Naja, und dann hoffe ich natürlich, dass wir mit den Bruins auch ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen. Obwohl uns ja bereits viele Experten warnen, dass wir schon viel zu früh in Topform sind und auf einem solch hohen Level spielen.
...die Zielsetzung mit dem eigenen Team.
Hecht: Nachdem wir in der vergangenen Spielzeit die Play-Offs verpasst haben, wollen wir diese jetzt natürlich unbedingt erreichen. Und ganz ehrlich: Alles andere wäre mit dieser Mannschaft, die meines Erachtens richtig viel Potenzial besitzt, eine große Enttäuschung.
Sturm: Das vorrangiste Ziel ist natürlich zunächst immer das Erreichen der Play-Offs. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Latte höher zu legen, beispielsweise einen Platz unser den "Top Vier" auszugeben, wäre zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg verfrüht. Wenn du mal fünf oder sechs Partien in Folge verlierst, schaut es nämlich schon wieder ganz anders aus. Was man aber sicherlich sagen kann: Nach dem letztjährigen Ausscheiden in Runde eins wollen wir diesmal einen Schritt weiterkommen. Und in den Play-Offs kann dann ja bekanntlich alles passieren.
...die Chancen von Philip Gogulla (Köln) und Felix Schütz (Portland/AHL), die beide von Buffalo gedraftet wurden, den Sprung in die NHL zu schaffen.
Hecht: Naja, bei Philip war ich - ehrlich gesagt - schon etwas erstaunt, dass er wieder nach Köln zurückgegangen ist. Er hatte ein sehr gutes Trainingscamp hier und hat bewiesen, dass er für sein Alter schon ein sehr cleverer Spieler ist, dem alle Möglichkeiten offen stehen. Aber letztlich muss er für sich selbst entscheiden, wann er zu diesem Schritt bereit ist. Das kann ihm auch niemand abnehmen. Klar muss Philip damit rechnen, dass er nicht gleich im ersten Jahr den endgültigen Sprung in die NHL schafft. Doch mit Geduld und harter Arbeit hat er auf alle Fälle das Zeug dazu, in absehbarer Zukunft ins Team zu rutschen. Was Felix betrifft: Er ist ebenfalls noch ein sehr junger Spieler, der in Portland mit einigen anderen talentierten Youngstern um die Plätze kämpft - und das ist bei der Tiefe in diesem Kader alles andere als einfach. Er wird sicherlich mal die Möglichkeit bekommen, das ein oder andere Match in der NHL zu absolvieren. Dann muss man sehen, wie er sich dabei verkauft beziehungsweise weiterentwickelt. Sein Vertrag läuft ja über drei Jahre - und es kann durchaus sein, dass er auch so lange Geduld zeigen und um seine Chancen kämpfen muss. Es gibt genügend Spieler in unserem Kader, die sich drei oder vier Jahre gedulden mussten, ehe sie den Sprung nach oben geschafft haben.
Sturm: Ich kann jetzt eigentlich nur zu Felix Schütz etwas sagen, mit dem ich regelmäßig in Kontakt stehe. Felix muss ganz einfach dran bleiben, geduldig sein und hart arbeiten. Er hat ja einen Drei-Jahres-Vertrag bei den Buffalo Sabres bzw. Portland und wird in dieser Zeit sicherlich mal seine Chance in der NHL bekommen. Und wenn sie dann da ist, muss er sie nutzen. Außerdem braucht er natürlich auch etwas Glück, um diesen großen und schweren Sprung zu schaffen.
...die beiden Eishockey-Großereignisse im Jahr 2010 (Olympische Spiele in Vancouver sowie Weltmeiterschaft in Deutschland).
Hecht: Natürlich drücke ich unserem Team für die Olympia-Qualifikation im Jahr 2009 kräftig die Daumen. Leider kann ich bei der Quali nicht dabei sein, da die NHL ihren Spielbetrieb deshalb nicht unterbricht. Aber es wäre natürlich eine Riesensache, wenn die Jungs für Vancouver das Ticket lösen würden. Bei Olympia dabei zu sein, ist schon immer etwas ganz Besonderes. Natürlich hat auch die WM im eigenen Land, gerade für unsere Sportart, einen enorm hohen Stellenwert. Ob ich dabei sein kann oder nicht, hängt in erster Linie davon ab, ob wir mit Buffalo die Play-Offs erreichen oder - wie in der vergangenen Saison - vorzeitig ausscheiden.
Sturm: Klar hoffe ich auch daruf, dass unsere Jungs die Olympia-Qualifikation packen. In Vancouver nochmals dabei zu sein, zumal es dann wohl auch meine letzten Olympischen Spiele wären, das wäre schon eine tolle Sache. Was die Weltmeisterschaft in Deutschland betrifft: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die letzte WM im eigenen Land mein bislang schönstes Erlebnis als Eishockey-Profi war. Als wir damals in Kölngespielt haben und die Arena ausverkauft war, das war schon ein tolles Erlebnis. Und ich hoffe natürlich für unsere Spieler und die gesamte Sportart Eishockey, dass eises Turnier ähnlich unvergesslich wird wie seinerzeit bei mir.
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