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08. Dezember 2008 14:17 Uhr

NHL-Coach Geoff Ward

Kein Tag ohne Gedanken an Eishockey-Deutschland

In einem Interview vergleicht der ehemalige Coach der Iserlohn Roosters, Geoff Ward, der mittlerweile als Assistant-Coach bei den Boston Bruins arbeitet, die DEL mit der NHL. Von Dirk Sing Von Dirk Sing

Geoff Ward (rechts), der ehemalige Coach der Iserlohn Roosters, mit Bostons Stürmer Marco Sturm (links)

Boston. In derNational Hockey-League tummeln sich zahlreiche Spieler, Verantwortliche undTrainer, die sich auch in der Deutschen Eishockey-Liga bereits einen Namengemacht haben.

Auch Geoff Ward, seines Zeichens Assistenz-Trainer bei denBoston Bruins und dort unter anderem für das Powerplay zuständig, ist einsolcher "Vertreter". Der 46-jährige Kanadier betreute in der Saison2006/2007 die Iserlohn Roosters als Headcoach.

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Unser Sportredakteur Dirk Singhat Ward unter anderem über seine Zeit und Erfahrungen in Deutschland befragt.

HerrWard, welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Trainer-Engagement in der Saison2006/2007 bei den Iserlohn Roosters?

Ward: Oh,meine Frau, unsere vier Kinder und ich hatten eine wunderbare Zeit in Iserlohn.Wir haben uns dort wirklich sehr wohl gefühlt und mussten am Ende leider vielegute Freunde zurücklassen. Wenn ich damals die Chance, in der NHL bei denBoston Bruins als Assistent von Headcoach Claude Julien zu arbeiten, bekommenhätte, wären wir mit Sicherheit in Iserlohn geblieben.

Ich kann sowohl über dieStadt als auch die Organisation oder unsere damalige Mannschaft wirklich nurPositives sagen. Und wenn ich auf das heutige oder auch letztjährigeRoosters-Team schaue, dann freut es mich ungemein, dass der Verein Schritt fürSchritt nach oben kommt. Iserlohn ist eine echte Eishockey-Stadt und hat eineerfolgreiche Mannschaft absolut verdient.

Da ist es natürlich auch sehrhilfreich, dass es den Verantwortlichen in den vergangenen Spielzeitensukzessive gelungen ist, das Spielerbudget zu erhöhen. Gerade Manager KarstenMende macht diesbezüglich einen erstklassigen Job - und die Mannschaft führtdiese tolle Arbeit auf dem Eis letztlich fort.

WürdenSie sagen, dass hinsichtlich Ihrer Trainer-Karriere dieses eine Jahr bei denRoosters der absolut richtige Schritt war?

Ward: Ja,definitiv! Ich war damals einfach der Ansicht, dass für meine persönlicheEntwicklung ein weiteres Jahr als Headcoach sehr wichtig sein würde. Ich hatteja bis dahin in der Organisation der Edmonton Oilers als "DevelopmentManager" gearbeitet, die sich mir gegenüber dann auch absolut kooperativgezeigt und mir beim Angebot der Iserlohn Roosters auch keine Steine in den Weggelegt haben. Auch heute im Nachhinein würde ich diesen Weg sofort wiedereinschlagen.

Haben Sieeigentlich nach wie vor Kontakt zu den Roosters?

Ward:Selbstverständlich - und den werde ich auch nicht abreißen lassen (lacht). KarstenMende beispielsweise hat mich ja schon einmal besucht und wir haben dann einigeZeit miteinander verbracht. Ich informiere mich aber auch noch bei anderenJungs über das aktuelle Geschehen in der DEL, die ich im Übrigen für eine sehrgute Liga mit etlichen erstklassigen Spielern und Trainern halte. Ich bin immernoch stolz, dass ich ein Teil davon sein durfte.

Stichwort"Informieren": Ihr "DEL-Hauptinformant" in Boston sollGerüchten zufolge Ihr deutscher Nationalstürmer Marco Sturm sein...

Ward: (lacht)...dasist richtig! Ich glaube, es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht über dasGeschehen in der Deutschen Eishockey-Liga sprechen. Sturmi hält mich ziemlichgut auf dem Laufenden - er gerade vornesteht, welche neuen Spieler in die Liga kommen oder wo es einen Trainerwechselgegeben hat. Wie bereits gesagt, ich habe das Niveau seinerzeit alsausgezeichnet empfunden und denke, dass die Teams in den nächsten Jahren nochbesser und ausgeglichener sind. Das alles kann der DEL sicherlich nur gut tun.

Sie habensich nach Saisonende 2006/2007 entschieden, das Angebot der Boston Bruins alseiner der Assistenten von Cheftrainer Claude Julien, mit dem Sie unter anderembereits 2002/2003 in Hamilton (AHL) zusammengearbeitet haben, anzunehmen. WarJulien einer der Gründe für Ihre Entscheidung?

Ward:Claude war für mich sogar der Hauptgrund! Wir haben in den vergangenen Jahrenschon mehrfach gemeinsam für Mannschaften wie eben Hamilton oder auch daskanadische Junioren-Nationalteam gearbeitet. Es hat sich daraus eine sehrharmonische und vor allem vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt, die er zumdamaligen Zeitpunkt, als er seinen Vertrag in Boston unterschrieb, gerne mitmir fortsetzen wollte. Und wen man eine solche Gelegenheit bekommt, in der NHLzu arbeiten, dann sollte man diese auch nutzen.

Sehen SieIhre Zukunft in Nordamerika beziehungsweise der NHL oder können Sie sich sogareine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?

Ward:Momentan genieße sich sicherlich meine Zeit in der NHL. Allerdings weiß ich auch,dass es in diesem Geschäft keine Job-Garantie gibt. Natürlich hoffe ich, dassich noch möglichst lange die Chance habe, in der besten Liga der Welt zuarbeiten. Sollte das aber einmal nicht mehr der Fall sein, dann würde ichdefinitiv versuchen, so schnell wie möglich wieder einen Job in Deutschland zubekommen.

KönnenSie abschließend noch etwas über den Stellenwert von Angreifer Marco Sturm fürdas Team der Boston Bruins sagen?

Ward:Sturm ist zweifelsohne einer unserer wichtigsten Spieler und absoluterLeistungsträger! Er war in der vergangenen Saison unser Toptorschütze und hatfür mich sogar das Potenzial, in einer Spielzeit auch einmal 40 Treffer zuerzielen. Marco ist gerade auch für unsere jungen Akteure mit seinerprofessionellen Einstellung ein großes Vorbild. Er "lebt" denYoungsters vor, was es heißt, ein NHL-Profi zu sein. Wir sind wirklich sehrfroh, wenn er seine aktuelle Verletzung überstanden hat (Gehirnerschütterung,Anm. d. Red.) und wieder ins Team zurückkehrt. Denn ein Spieler seines Formatsist schlichtweg nicht zu ersetzen.

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