Montag, 22. Mai 2017

Augsburger Panther

25. März 2017 07:24 Uhr

Augsburger Panther

Mike Stewart im Interview: "Als hätte ich einen emotionalen Kater"

Panther-Trainer Mike Stewart muss das Aus in den Play-offs erst noch verkraften. Ein Gespräch über die Spielzeit in der DEL und die Entwicklung der Mannschaft.

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Die Telekom zeigt die Spiele der DEL im Internet live und hat die Play-offs unter das Motto „#geilsteZeit“ gestellt. Sind die Play-offs auch für die Trainer die geilste Zeit des Jahres?

Mike Stewart: Ja, es ist die geilste Zeit. Meine Arbeit als Sportdirektor und Trainer hat ja schon im vergangenen April begonnen. Ich war in Nordamerika auf einem Scouting-Trip. Fast ein Jahr später waren wir dann mittendrin in den Play-offs. Wir wollten uns als Mannschaft immer die Möglichkeit geben, dass wir eine Chance haben, zu gewinnen. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen gewinnen müssen und gewinnen wollen. Du arbeitest verdammt hart. Du investierst viel Zeit und Schweiß. Du hast Sorgen und Stress. Du musst viele Probleme lösen, bis du endlich in den Play-offs stehst. Und dann ist Spiel sieben, es geht um alles: Ja, es ist die geilste Zeit.

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Aber der Druck ist enorm?

Mike Stewart: Natürlich. Ohne Stress und Druck geht es nicht. Aber genau dafür arbeiten wir das ganze Jahr. Die Höhen und Tiefen im Sport sind einfach extrem. Wenn du das erleben darfst, weißt du, dass du lebst. Ich mache diesen Job wegen dieser Leidenschaft für Eishockey.

Kurzer Rückblick: Spiel sieben in Nürnberg, letztes Drittel, es steht 1:4. Was haben Sie in diesem Moment gedacht?

Mike Stewart:Jeder bei uns hat felsenfest daran geglaubt, dass wir das noch umdrehen können. Das zeigt den Charakter in unserer Mannschaft. Der Gedanke, dass wir etwas nicht mehr schaffen können, geht keinem durch den Kopf.

Als Trainer sind Sie aber in Situationen wie dieser zur Untätigkeit verdammt ...

Mike Stewart: Das stimmt. Und als Trainer weißt du, wie viel Arbeit hinter den Kulissen geleistet wurde und wird. Als Spieler ist deine Aufgabe sehr klar. Als Sportdirektor und Trainer musst du den Überblick haben und dich auf so viele Dinge konzentrieren. Das ist ein krasser Unterschied.

Wie war es dann, der Moment, als die Niederlage feststand. Als die Saison auf einmal vorbei war ...

Mike Stewart: Die Enttäuschung war riesig. Plötzlich ist die ganze Anspannung weg. In den ersten beiden Tagen danach habe ich mich gefühlt, als hätte ich einen emotionalen Kater. Wir sind alle platt. Bei uns gibt es ja keinen geregelten Arbeitsalltag, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Ich glaube, ich habe 33 Tage durchgearbeitet. Teilweise wusste ich gar nicht mehr, welcher Wochentag eigentlich ist. Nur noch Fokus auf das nächste Spiel.

Gibt es in der ersten Analyse schon etwas, was Sie vielleicht hätten anders machen können?

Mike Stewart: Das ist noch zu früh. Du willst immer besser werden, ob als Trainer, als Mannschaft oder auch als Mensch. Das ist Evolution. Sicher ist: Keine unserer Entscheidungen war leichtfertig getroffen. Und ich weiß, dass jeder von uns alles gegeben, alles investiert hat. In den kommenden Wochen werden wir wahrscheinlich schon sagen, dass wir uns hier oder da noch verbessern können. Aber das passiert ja jeden Tag. Alles entwickelt sich immer weiter. Wir bleiben nie stehen. Wenn das der Fall ist, bist du geliefert. Ich bin wie ein Hai, ohne Bewegung sterbe ich.

Die Saison der Augsburger Panther aus der Sicht unserer Sportredaktion

Die Serie gegen Nürnberg war extrem ausgeglichen. Was war am Ende der entscheidende Unterschied?

Mike Stewart: Vielleicht war es die Tiefe im Kader. Wir hatten zum falschen Zeitpunkt ein bisschen Verletzungspech. Trupp und Davies sind zwar zurückgekommen, waren vorher aber lange außer Gefecht. Trevelyan und Cundari haben uns gefehlt, beide Tormänner waren angeschlagen. Trotz der Probleme waren wir nah dran, nur einen Zentimeter entfernt.

Wie lange haben die Spieler jetzt Pause?

Mike Stewart: Den meisten geht es so, dass sie zwei Wochen nichts machen und dann wieder loslegen wollen. Das sind Rennpferde, aber sie müssen jetzt auch einmal alle Systeme runterfahren. Unser Athletiktrainer Sven Herzog organisiert dann das Sommertraining, das nach Ostern beginnt.

Wer aus Ihrer Mannschaft hat sie besonders überrascht?

Mike Stewart: Keiner. Denn ich gehe in meinem Scouting tief genug, dass ich immer sage: Er kann das und das schaffen.

Aber das klappt ja nicht immer.

Mike Stewart: Das stimmt, es gibt keine Garantie. Aber einige Beispiele: Stieler hat sehr gut gespielt. Parkes hat sofort eingeschlagen. Er ist körperlich extrem stark, hat tolle Hände und eine sehr gute Übersicht. Von Hanowski, LeBlanc und Trevelyan wusste ich genau, was sie können. Davies hat eine gute Comeback-Saison gespielt. Trupp ist zu uns gekommen und hat sofort überzeugt. Hafenrichter hat sehr konstant gespielt. Er ist unauffällig, aber macht genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Du brauchst deine Künstler, aber die Arbeiter sind das Fundament einer Mannschaft. Valentine ist extrem konstant, robust und extrem schnell. Bei Guenzel wusste ich, dass er am Anfang seine Schwierigkeiten haben wird mit der Umstellung von der DEL2 in die DEL. Schritt für Schritt ist er immer besser geworden. Und dann Boutin: Für mich war es keine Überraschung, dass er sich in der DEL durchgesetzt hat. Aber es hat mich für ihn sehr gefreut, denn am Anfang hat er sehr viel Gegenwind bekommen.

Hat für Sie die neue Saison schon begonnen?

Mike Stewart: Der Prozess mit dieser Mannschaft hat ja schon letztes Jahr begonnen, denn das ist kein Licht, das du einfach einschalten kannst. Im Spitzensport geht es immer nur Schritt für Schritt. Der Kader ist noch nicht komplett, aber viele Personalien sind geklärt. Die Mannschaft ist jung genug und ehrgeizig. Sie hat in dieser Saison viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Wenn jetzt noch der ein oder andere Spieler dazu kommt, kann das Team den nächsten Schritt machen und sich als sehr gute DEL-Mannschaft etablieren.

Mit Ihnen als Trainer? Noch haben Sie Ihren Vertrag ja nicht verlängert.

Mike Stewart: Kein Kommentar.

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