Mit der Verpflichtung von Stürmer-Star Marian Hossa für diese Saison haben die Detroit Red Wings für einen weiterer Paukenschlag gesorgt. Im Interview mit Sportredakteur Dirk Sing spricht Hossa über den Schlüssel zum Erfolg und einen guten Freund in Deutschland. Von Dirk Sing

Von Dirk Sing
Mit der Verpflichtung von Stürmer-Star Marian Hossa für diese Saison haben die Detroit Red Wings nur wenige Tage nach dem Stanley Cup-Triumph 2007/2008 für einen weiterer Paukenschlag gesorgt.
Der 29-jährige Slowake galt es einer der begehrtesten "Free Agents" auf dem NHL-Spielermarkt. Pikant: Noch in der abgelaufenen Spielzeit stand Hossa ausgerechnet im Team der Pittsburgh Penguins, die sich im Finale den Red Wings mit 2:4 geschlagen mussten.
Nach dem 3:2-Erfolg gegen die Florida Panthers, bei denen der sympathische Angreifer seine Saisontreffer neun und zehn folgen ließ (in 717 NHL-Partien stehen für den Blondschopf nunmehr 309 Tore und 362 Assists zu Buche), unterhielt sich unser Sportredakteur Dirk Sing ausführlich mit Marian Hossa, der im Übrigen auch eine "spezielle Verbindung" in die Deutsche Eishockey-Liga pflegt.
Marian, noch vor wenigen Monaten standen Sie mit den Pinguins im Stanley-Cup-Endspiel gegen Detroit und mussten sich dort geschlagen geben. Mit etwas Abstand betrachtet: Würden Sie diese Erfahrung als bisher größten Erfolg oder eher größte Enttäuschung in Ihrer Karriere bezeichnen?
Hossa: (überlegt) Hmm, das ist eine sehr gute Frage. Natürlich ist es einerseits eine tolle Sache, ein Stanley Cup-Finale zu bestreiten - das schafft auch nicht jeder Spieler! Wenn du dann aber schon einmal so weit gekommen bist, möchtest du es natürlich auch gewinnen. Es hat sicherlich einige Zeit gedauert, sich von dieser Enttäuschung zu erholen. Jetzt blicke ich aber nach vorne und möchte sozusagen das Versäumte in dieser Saison mit den Red Wings nachholen.
Nachdem Ihr Vertrag bei den Penguins auslief, konnten Sie sich als "Free Agent" Ihren neuen Verein in aller Ruhe selbst aussuchen. Mussten Sie lange überlegen, als das Angebot der Detroit Red Wings eintrudelte?
Hossa: Ich hatte in der Tat einige sehr gute Offerten von anderen NHL-Vereinen vorliegen und hätte dort auch noch mehr Geld verdienen können. Doch ich wollte unbedingt bei einem absoluten Topteam spielen, mit dem ich beste Chancen habe, den Stanley Cup zu gewinnen.
Letztlich hätte ich zwar auch in Pittsburgh bleiben können, aber die Red Wings sind als amtierender Stanley Cup-Champion nun einmal aktuell "die" Topmannschaft in der NHL. Und deshalb habe ich mich am Ende auch für Detroit entschieden.
Mussten Sie sich eigentlich nach Ihrem Wechsel zu den Red Wings von Ihren neuen Teamkollegen einige "böse Sprüche" angesichts der Final-Niederlage mit den Penguins anhören?
Hossa: Das ist mir zum Glück nahezu völlig erspart geblieben (lacht). Die Jungs hatten wohl Mitleid mit mir. Wir machen zwar viele Späße zusammen, doch die haben mit meinem letztjährigen Gastspiel in Pittsburgh eigentlich nichts zu tun.
Sie haben während Ihrer zehnjährigen NHL-Laufbahn mit Ihren Teams aus Ottawa, Atlanta und eben Pittsburgh häufig gegen Detroit gespielt und sind nun sogar selbst ein Red Wing. Was macht es so besonders schwer und unangenehm, gegen diese Mannschaft zu spielen?
Hossa: Nun, die Truppe besitzt schon seit vielen Jahren eine ungemein hohe Qualität. Zudem spielen die Red Wings eigentlich schon seit Jahren ds gleiche System und holen wirklich nur Spieler dazu, die in der Lage sind, dieses bestmöglich umzusetzen.
Es herrscht eine unvergleichbare Struktur in dieser Organisation, nichts ist dem Zufall überlassen. Hinzu kommt natürlich, dass wir sehr viele Spieler in unseren Reihen haben, die ein Match nahezu im Alleingang entscheiden können. Ich bin wirklich froh, nicht mehr gegen Detroit spielen zu müssen.
Wenn man einen Blick auf die Teamaufstellungen der Red Wings in den Partien gegen Tampa Bay und eben Florida wirft, fällt auf, dass von insgesamt 18 Feldspielern sage und schreibe zwölf Europäer sind. Würden Sie sagen, dass Detroit aufgrund dieser Tatsache einen "europäischen Stil" in der NHL an den Tag legt?
Hossa: Ja, ich denke schon! Wobei es grundsätzlich natürlich zweitrangig ist, ob letztlich ein Spieler aus Kanada, den USA oder Europa auf dem Eis steht. Wichtig ist, dass jeder seine Aufgabe findet und seinen Sturm- oder Verteidiger-Partner bestmöglich unterstützt - und bei uns klappt das bislang ausgezeichnet. Es kommt auch absolut kein Neid innerhalb des Teams auf, da jeder weiß, was er zu tun hat. Und das ist letztlich auch ein weiterer Schlüssel unseres bisherigen Erfolgs.
Die Detroit Red Wings sind nunmehr Ihr vierter Verein in der National Hockey-League. Wenn Sie zurückblicken: Würden Sie sagen, dass es bislang auch das stärkste Team ist, in dem Sie bislang gespielt haben?
Hossa: Ich denke, dass es zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas zu früh ist, eine solche Aussage zu tätigen. Allein auf dem Papier sieht es sicherlich danach aus. Wenn Sie mir nach dieser Saison nochmals die gleiche Frage stellen, kann ich Sie Ihnen definitiv beantworten.
Als wir uns vor rund zwei Jahren schon einmal in Florida zu einem Interview getroffen haben und Sie noch in Atlanta auf Torjagd gingen, haben Sie bereits verraten, dass Richard Pavlikovsky von den Krefeld Pinguinen ein sehr guter Freund von Ihnen sei. Stehen Sie mit ihm nach wie vor in Kontakt?
Hossa: Oh ja, natürlich! Ich weiß beispielsweise, dass es bei ihm beziehungsweise seinem Team bislang richtig gut läuft und sie in der Tabelle ziemlich weit oben stehen. Ich würde ihn gerne in diesem Interview grüßen und ihm sagen, dass ich ihm natürlich weiterhin die Daumen drücke. Richard ist nicht nur ein sehr guter Freund von mir, sondern auch ein erstklassiger Verteidiger.
Kennen Sie noch andere Akteure aus der Deutschen Eishockey-Liga?
Hossa: Ja, in den vergangenen Jahren hat schon der ein oder andere Kumpel von mir dort gespielt - unter anderem auch Ivan Ciernik (ehemals Kölner Haie, Anm .d. Red.), der ja mittlerweile in Russland bei Novosibirsk spielt und zu dem ich weiterhin Kontakt halte.
Apropos Russland: Die neue "Superliga" KHL sieht sich ja selbst gerne als "Gegengewicht" zur National Hockey-League. Könnten Sie es sich grundsätzlich vorstellen, dort auch einmal zu spielen?
Hossa: Natürlich, das ist sicherlich irgendwann auch einmal eine Option. Doch meine sportliche Gegenwart ist die NHL, weil sie nach wie vor das Non-plus-Ultra in Sachen Eishockey darstellt. Und das wird wohl auch in naher Zukunft so bleiben.
Artikel kommentieren
| Artikel bewerten: