Die sportliche Bilanz von Bill Lindsay kann sich wahrlich sehen lassen. Neben 777 Begegnungen in der National Hockey-League kann der mittlerweile 37-jährige US-Boy eine weitere Besonderheit in Anspruch nehmen. Von Dirk Sing Von Dirk Sing

Die sportliche Bilanz von Bill Lindsay kann sich wahrlich sehen lassen. Neben 777 Begegnungen in der National Hockey-League für die Florida Panthers, Calgary Flames, San Jose Sharks, Montreal Canadiens und Atlanta Trashers kann der mittlerweile 37-jährige US-Boy eine weitere Besonderheit in Anspruch nehmen:
Lindsay war Mitglied der ersten Panthers-Mannschaft, die in der Saison 1993/1994 in die NHL aufgenommen wurde. "Keine Frage, so etwas macht dich natürlich schon ziemlich stolz", berichtet der Blondschopf, der sich in seinen beiden letzten Karriere-Jahren freilich auch in der Deutschen Eishockey-Liga einen erstklassigen Namen machte.
In den Spielzeiten 2005/2006 und 2006/2007 ging "Kill Bill", wie er von den Fans ehrfürchrtig genannt wurde, für die Kölner Haie auf Torjagd. Mittlerweile hat Bill Lindsay allerdings die Seiten gewechselt. Der einstige Goalgetter berichtet bereits seit der vergangenen Saison als sogenannter "Radio-Analytiker" beim Sender "790 am - The Ticket" von allen Partien der Florida Panthers.
Eine Aufgabe, die ihm - wie er unter anderem im Gespräch mit unserem Sportredakteur Dirk Sing verriet, "sehr viel Spaß" bereitet.
Können Sie uns kurz erklären, wie Ihr Aufgabengebiet aussieht?
Lindsay: Das ist eigentlich ganz einfach: Wir berichten für einen lokalen Radiosender in South Florida von jedem Match der Panthers. Ich versuche dabei, meine Erfahrungen als Eishockey-Profi einfließen zu lassen sowie verschiedene Situationen beziehungsweise das gesamte Spiel entsprechend zu analysieren.
Natürlich hast du dadurch auch viel Kontakt mit dem Trainerteam oder den Spielern, beispielsweise bei Interviews. Ich mache das jetzt schon seit der abgelaufenen Spielzeit und habe daran einen großen Gefallen gefunden. Es bereitet mir wirklich sehr viel Spaß.
Dennoch: Wenn Sie die Akteure von Ihrer Kommentatoren-Kabine aus auf dem Eis sehen - kommt da nicht eine gewisse Wehmut auf?
Lindsay: (lacht) Naja, gerade am Anfang war es schon hin und wieder sehr schwer. Man vermisst einfach das Spiel an sich und das Zusammensein mit den Jungs. Aber irgendwann muss du ja leider deine Sportler-Karriere beenden - und bei mir war es einfach an der Zeit. Glücklicherweise konnte ich ja mit meiner neuen Tätigkeit beim Radio dem Eishockey treu bleiben. Ich denke, dass hat mir auch die Umstellung beziehungsweise den Absprung erleichtert.
Wie sehen Sie denn Ihre Zukunft? Könnte es den Headcoach, Assistenz-Trainer oder Manager Bill Lindsay in einigen Jahren geben?
Lindsay: Grundsätzlich möchte ich auf alle Fälle etwas machen, was mit Eishockey zu tun hat. Aber Trainer? Nein, das wäre wohl nichts für mich. Da hast du einfach mit zu vielen Problemen zu kämpfen (lacht). Auch den Posten eines Managers kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Momentan gehe ich davon aus, dass ich eher auf der Medien-Seite bleibe - sei es beim Radio oder auch beim Fernsehen. Ich konzentriere mich derzeit voll auf meinen aktuellen Radio-Job und versuche ihn so gut wie möglich zu machen. Was in drei, fünf oder zehn Jahren kommt, wird man dann sehen.
Lassen Sie uns über Ihre Zeit in Deutschland, besser gesagt in Köln sprechen. Welche Erinnerungen haben Sie an diese zwei Jahre?
Lindsay: Ich habe die Zeit dort wirklich genossen. Die Leute in Köln waren großartig, viele gute Freundschaften sind dadurch entstanden. Auch hatte ich die Möglichkeit, sehr viel von Europa zu sehen und kennenzulernen. Es war eine tolle Erfahrung nach meiner NHL-Zeit, die ich mit Sicherheit niemals vergessen werde.
Haben Sie noch Kontakte zu den Haien?
Lindsay: Ja, mit Dave McLlwain tausche ich mich hin und wieder aus - das war es dann aber schon, was die aktuelle Mannschaft betrifft. Außerdem habe ich noch Verbindung zu meinen ehemaligen Teamkollegen Alex Hicks und Brad Schlegel. Natürlich wird dann oft über unsere gemeiname Zeit in Köln gesprochen.
Gibt es etwas, was Sie besonders an Köln beziehungsweise Deutschland vermissen?
Lindsay: Naja, das Kölsch (lacht)! Nein, es ist jetzt nichts Spezielles - ich würde vielmehr sagen, dass ich den gesamten "europäische Erfahrungen", die ich mit meiner in den beiden Jahren sammeln konnte, schon etwas nachtrauere. Die damalige Entscheidung, nach Köln zu wechseln, war jedenfalls in Nachhinein goldrichtig. Meine Frau und ich haben uns dort ungemein wohl gefühlt.
Nahezu jeder nordamerikanische Eishockey-Profi, der zum ersten Mal in einem deutschen Stadion spielt, staunt zunächst über die lautstarke Stimmung in den Arenen. Können Sie das auch bestätigen?
Lindsay: Oh ja, definitiv! Du bekommst so etwas zwar schon immer im Vorfeld erzählt. Doch wenn du das dann erstmals selbst erlebst, kommst du schon ins Staunen. Ich würde sogar sagen, dass die deutschen Fans bei Sportveranstaltungen die besten auf der Welt sind. Hier in Nordamerika geht es bei NHL-Partien doch etwas ruhiger zu.
Nachdem Sie selbst sowohl in der DEL als auch NHL tätig waren: Wie schätzen Sie das sportlich Niveau der deutschen Eliteliga ein?
Lindsay: Gut! Ich würde es in etwa mit der American Hockey-League vergleichen. In der AHL gibt es vielleicht zwei oder drei Teams, die ein sehr hohes Niveau haben, der Rest ist dagegen eher durchschnittlich besetzt. Im Gegensatz dazu halte ich die DEL für breiter beziehungsweise ausgeglichener besetzt.
Welchen Stellenwert hat die Deutsche Eishockey-Liga grundsätzlich bei den nordamerikanischen Spielern?
Lindsay: Sie genießt aus mehreren Gründen einen erstklassigen Ruf! Zum einen ist es gerade für etwas ältere NHL-Akteure, die in ihrer Karriere noch einmal etwas anderes machen und neue Erfahrungen sammeln möchten, eine sehr gute Gelegenheit. Der Vorteil in Deutschland ist, dass dort wesentlich mehr Ausländer als in den meisten anderen europäischen Ländern erlaubt sind, was den Spaßfaktor für die Jungs nochmals erhöht.
Auf der anderen Seite profitieren davon auch die jungen Deutschen. Sie hören von ausländischen Routiniers, wie es drüben in der NHL ist und können sich sogar an deren Seite weiterentwickeln. Letztlich ist es für alle Seiten eine sehr gute Sache.
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