Donnerstag, 18. Januar 2018

ERC Ingolstadt

11. Januar 2018 23:37 Uhr

ERC Ingolstadt

„Meine Mama bekommt Herzrasen“

Wenn heute die Eisbären Berlin bei den Panthern zu Gast sind, treffen sowohl Laurin Braun als auch Darin Olver auf ihre Brüder. Ein Gespräch über Familie, besondere Erlebnisse und das Aufeinandertreffen auf dem Eis. Von galina Bauer und Benjamin sigmund

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Wenn heute Abend die Eisbären Berlin beim ERC Ingolstadt zu Gast sind, kommt es zum doppelten Bruderduell. Darin Olver (32) und Laurin Braun (26) treffen auf Mark Olver (30) und Constantin Braun (29). Die NR hat sich mit den beiden Panthern über das Aufeinandertreffen, die Familien und besondere Erinnerungen unterhalten.

Gehen Sie mit einem anderen Gefühl aufs Eis, wenn Sie gegen Ihren Bruder spielen müssen?

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Laurin Braun: Ich versuche es auszublenden, wobei das nicht ganz gehen wird. Mein Bruder ist ein Spaßvogel und wird Sprüche bringen. Wenn er frech ist, kann ich meinen Frust an ihm auslassen. Solange er mir nicht in die Quere kommt, ist aber alles gut. Wenn ich auf dem Eis bin, ist es normalerweise egal, wer da ist. In diesem Fall ist es gut, da ich um die Schwächen meines Bruders weiß, und diese werde ich auch ausnutzen. Darin Olver: Das erste Spiel zwischen uns und Berlin in dieser Saison war das erste Aufeinandertreffen zwischen mir und Mark überhaupt. Das Gefühl, den Bruder im gegnerischen Team zu sehen, war etwas seltsam. Nun spielen wir das vierte Mal gegeneinander. Mittlerweile ist es daher nichts Spezielles mehr für mich.

Reden Sie vor und nach einem Spiel miteinander?

Braun: Wir telefonieren ein oder zwei Mal die Woche. Wir erzählen uns, wie die Spiele gelaufen sind, reden aber nicht nur über Eishockey. Das machen wir doch schon das ganze Jahr. Olver: Bei uns ist es ähnlich. Wenn wir miteinander telefonieren, kommt das Thema Eishockey eigentlich an letzter Stelle. Wir reden lieber über andere Themen. Vielleicht fragen wir mal kurz, wie das letzte Spiel gelaufen ist.

Haben Sie ein Ritual vor einem Spiel, das Sie schon zu gemeinsamen Zeiten eingeführt haben?

Braun: In Berlin saßen wir zwar immer nebeneinander, ein Ritual haben wir aber nie gehabt. Ich habe ihn aber immer verarscht. Als er seinen Schläger getapt hat, hab ich es immer abgemacht. Solche Sachen.

Beim Eishockey fliegen auch Mal die Fäuste. Würden Sie sich auch mit Ihrem Bruder prügeln?

Braun: Ich versuche es zu vermeiden. Wenn es doch passiert, dann gut. Mir macht es nichts, meine Mama bekommt eher Herzrasen.

Von wem haben Sie das Eishockey-Gen geerbt?

Braun: In unserer Familie hat niemand Eishockey gespielt, eher Fußball. Und darin bin ich der Beste, das ist klar. Ich glaube, es hat einfach gepasst. Mama und Papa, da ist von beiden etwas drin. Olver: Wir kommen aus Kanada und sind eine typische Eishockeyfamilie. Mein Vater hat selbst gespielt, ist noch immer Trainer und hat auf verschiedenen Ebenen gearbeitet. Von der Jugend über das College bis in die AHL. Also sind meine Schwester, Mark und ich in einem Hockey-Haus aufgewachsen. Das Thema war immer Hockey, Hockey, Hockey.

Was sagen Ihre Familien zu so viel sportlichem Talent?

Braun: Sie freut es immer, wenn sie Sachen lesen oder hören. Mein Onkel guckt nach Statistiken. Die Omas verfolgen die Spiele auf dem Liveticker und dann kriegen wir auch immer eine Nachricht. Olver: Hockey war früher unser Leben. Ich habe jedenfalls alles im Eishockey von meinem Vater gelernt. Wir haben sehr viel über den Sport gesprochen, auch über unsere Spiele. Inzwischen ist es aber schön, sich über andere Dinge auszutauschen.

Laurin, Ihr Bruder ist drei Jahre älter. Haben sie dennoch früher auf dem Eis gemeinsam gespielt?

Braun: Es gab ein Turnier in Mannheim, da war ich fünf und er acht. Das hab ich genossen und ausgenutzt. Er war größer und kräftiger als alle anderen. Da war ich frech und hab den Streit provoziert. Ich wusste, dass mir nichts passiert.

Bei Ihnen, Darin, ist es anders. Sie sind drei Jahre älter als Mark. Haben Sie gemeinsam gespielt?

Olver: Nur hobbymäßig. In einer organisierten Mannschaft haben wir wegen des Altersunterschieds nicht gemeinsam gespielt. Ich bin schon von daheim weg, als ich 15 oder 16 Jahre alt war. Erst als Mark in der Saison 2105/16 nach Berlin gewechselt ist, haben wir gemeinsam spielen können.

Ihr Bruder startete seine Karriere früher, Laurin. Haben Sie zu ihm aufgesehen?

Braun: Am Anfang definitiv. Ich bin damals von Mannheim nach Berlin gegangen, weil ich ihn vermisst habe. In der ersten Zeit hat er meine Spiele angeschaut und gesagt, was ich besser machen kann.

Was können Sie sich von ihm abschauen?

Braun: Er hat einen Bart, ich nicht (lacht). Ich bin manchmal zu verkrampft und angespannt. Er ist immer sehr locker. Wenn etwas nicht so läuft, hakt er es schneller ab.

Und umgekehrt?

Braun: Er könnte sich den Fleiß bei mir abgucken. Er tut zwar viel, umgeht die Dinge aber, wenn es sich anbietet.

Konnten Sie ein Vorbild für Ihren Bruder sein, Darin?

Olver: Da müsste man ihn selbst fragen. Ich versuche es jedenfalls. Ich passe auf mich auf, versuche, genug zu schlafen und gesund zu essen. Das ist in zunehmendem Alter immer wichtiger, um weiterhin im Eishockey bestehen zu können. Ich hoffe, er sieht, wie ich das mache.

Ist die Rivalität zwischen den Brüdern groß?

Braun: Ich ärgere mich schon, wenn er zwei Mal gespielt hat und gleich drei Punkte macht. Dann versuche ich, bessere Leistung zu bringen und auch zu punkten. Wir hatten ein Jahr lang eine Wette laufen, die leider nicht aufgegangen ist, weil wir gleich viele Punkte hatten. Olver: Natürlich besteht eine gewisse Rivalität zwischen uns. Wir können Sportliches und Privates aber ganz gut trennen. Nun wird es aber Zeit, gegen ihn zu gewinnen. Denn alle drei Duelle diese Saison gingen an die Eisbären und damit an Mark.

Sie stehen beide in der Öffentlichkeit, gab es schon Momente, in der er Ihnen gesagt hat: „So geht das aber nicht. Was hast du denn da gesagt?“?

Braun: Nein, eher umgekehrt. Ich bin der Vernünftigere von uns beiden. Er redet gerne und ich muss dann sagen, dass das doch keinen etwas angeht. Etwas richtig Großes ist aber nicht vorgefallen.

Gab es gemeinsame Spiele oder Erfolge, an die Sie sich besonders erinnern?

Braun: An meine zweite Meisterschaft. Da kam mein Bruder zurück und hat gleich wieder so gut gespielt. Wenn mich nicht alles täuscht, hat er sogar das entscheidende Tor geschossen. Da habe ich auch eine Wette verloren und musste mir eine Glatze rasieren. Das war jugendlicher Leichtsinn. So etwas bleibt in Erinnerung. Olver: Das erste Spiel für die Eisbären war verrückt. Es war toll, ihn in der gleichen Mannschaft spielen zu sehen, da es das erste Mal war. Allgemein war die gemeinsame Zeit in Berlin schön. Da ich relativ früh von daheim weg bin, haben wir erstmals nach 15 Jahren in der gleichen Stadt, sogar im gleichen Gebäude gelebt. Er hat nur eine Etage unter mir gewohnt. Das habe ich sehr genossen, da wir über viele Jahre nur telefonisch regelmäßig Kontakt hatten.

Würden Sie gerne wieder mit Ihrem Bruder zusammenspielen?

Braun: Klar. Ich bin ein Familienmensch und es wäre schön, wenn er hier wäre. Aber auf der anderen Seite kann sich jeder auf sich selbst konzentrieren. Das ging in Berlin nicht immer. Deshalb ist es schon gut, auf eigenen Beinen zu stehen. Olver: Natürlich. Sie können Mark ja heute Abend fragen, ob er nach Ingolstadt wechseln will.

Stapleton fällt aus Der ERC Ingolstadt muss wegen einer Blessur am Oberkörper im heutigen Heimspiel (19.30 Uhr) gegen die Eisbären Berlin und am Sonntag (14 Uhr) in Düsseldorf auf Neuzugang Tim Stapleton verzichten. Daneben fehlen dem ERC derzeit Patrick McNeill, Benedikt Kohl und Simon Schütz.

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