Mittwoch, 16. August 2017

ERC Ingolstadt

06. August 2017 22:30 Uhr

ERC Ingolstadt

Zwischen Floskeln und Aufbruchstimmung

Die diesjährige Saisoneröffnungsfeier erweist sich mit ihrem bunten Programm als wohltuend abwechslungsreich. Stürmer Petr Taticek verlängert seinen Vertrag bis 2020 – und liefert eine schlagfertige Begründung Von Fabian Huber

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„Es passt einfach alles hier.“ „Die Stadt ist großartig.“ „Die Fans sind toll“. Jeder Sportfan kennt solche Zeilen. Es geht dann meist darum, dass sein Lieblingsstar in möglichst schmeichelnden Worten die Unterzeichnung seines neuen Kontraktes begründen muss. Und ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussagen: Bei all den tollen Fans und großartigen Städten liegt die Vermutung nahe, dass es irgendwo ein zentrales Satzbaustein-Register für Vertragsverlängerungen geben muss, auf das Profivereine und ihre Spieler jederzeit zugreifen können.

Petr Taticek wählte auf der Saisoneröffnungsfeier des ERC Ingolstadt am vergangenen Samstag einen anderen Weg. Schritt eins: Dramaturgie aufbauen. Der tschechische Stürmer steht auf der Bühne, die linke Hand sitzt lässig in der Hosentasche, der Blick ist etwas verschüchtert nach unten gerichtet. Vor ihm 2000 gespannte Fans. Taticek setzt an: „Ich habe mit sehr vielen Leuten geredet.“ Er stockt leicht. „Da ist ein Deal rausgekommen… Ich bleibe bis 2020.“ Frenetischer Jubel.

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Schritt zwei: Pointe nachliefern. Warum er sich für eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre entschieden hat, wird Taticek von Moderator Hannes Langer gefragt. „Zu 100 Prozent wegen der Vereinsfarben und Audi. Das ist beides wirklich cool.“

Taticeks etwas untypische Botschaft an die Fans war der Höhepunkt einer auch insgesamt wohltuend andersartigen Saisoneröffnungsfeier. Müsste man die sportliche Zukunft des ERCI auf Grundlage seines Fanfestes vorhersagen, dann würde die Prognose gerade im Hinblick auf die beiden vergangenen Jahre mit Pre-Play-off-Aus und abgespeckten Saisoneröffnungen lauten: Die Panther haben in diesem Jahr Großes vor!

Einmal mehr hatte der Verein an den Ingolstädter Donaustrand geladen – diesmal aber mithilfe von Stammverein, Fanprojekt und einigen Sponsoren eine Veranstaltung von fast dorffestgroßem Ausmaß auf die Beine gestellt. Teil davon war neben der obligatorischen Mannschafts-Vorstellung auch eine Fan-Olympiade, bei der sich fünf Teams (je zwei Profis und zwei Anhänger) in den Disziplinen Nageln, Gummistiefel-Weitwurf, Maßkrugschieben, einer Art „Puck-Boule“ und Wettmelken messen mussten. Gerade letztere Disziplin bot aufschlussreiche Erkenntnisse.

„Wir in Schweden kaufen unsere Milch halt im Supermarkt“, flachste Trainer Tommy Samuelsson, als er seinen etwas unbeholfenen Landsmann Jacob Berglund beobachtete. Und auch Mike Collins, gebürtig aus der amerikanischen Metropole Boston, fremdelte im Gegensatz zu Südtiroler Joachim Ramoser sichtlich mit den Plastikzitzen. „Ich habe so etwas noch nie ausprobiert, aber es hat viel Spaß gemacht“, sagte Neuzugang Collins.

Dass die Saisoneröffnung des ERCI neben all der Euphorie auf die neue Saison nicht ganz ohne Nebenrauschen vonstattenging, lag an der Personalie Brock Trotter. Der Kanadier war neben Brett Olson (Hochzeit eines engen Freundes), Patrick McNeill und Brandon Buck (beide bei einer Sichtung der kanadischen Nationalmannschaft für das olympische Turnier in Sotschi) am Samstag nicht anwesend. Ob er jemals für die Panther auflaufen wird, ist weiterhin fraglich. Trotter war vom Verein ohne Angabe von Gründen bis auf unbestimmte Zeit suspendiert worden und trainiert derzeit getrennt von der Mannschaft in einem Fitnesscenter. „Es ist sicherlich enttäuschend. Wir werden alles intern regeln und erst etwas bekannt geben, wenn eine Entscheidung gefallen ist“, gab sich Sportdirektor Larry Mitchell schmallippig.

Übrigens: Ganz ohne Floskeln ging es auf der Saisoneröffnungsfeier dann doch nicht. Natürlich will man in dieser „wunderschönen Stadt“ (Fitnesscoach Scott Atkins) „soweit kommen wie möglich“ (Mitchell), „vom ersten Tag an hart arbeiten“ (Samuelsson) und persönlich auch „einen Schritt nach vorne machen“ (Laurin Braun). Und Petr Taticek? Der fühlt sich „einfach wohl hier“ und will „dem Team helfen, ganz nach vorne zu kommen.“

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