Donnerstag, 21. September 2017

15. Mai 2017 06:45 Uhr

FC Augsburg

Andreas Luthe, der große Gewinner des Dortmund-Spiels

Er muss aus dem Stand ins Tor und zeigt bei seinem Bundesliga-Debüt für den FC Augsburg eine starke Leistung: Torhüter Andreas Luthe. Nach dem Spiel gibt er sich bescheiden.

i

Das letzte Mal, als Andreas Luthe ein Bundesligaspiel bestritt, war der FC Augsburg noch gar kein Bundesligist. Am 18. Oktober 2009 verlor der damals 22-Jährige mit dem VfL Bochum 0:2 bei Borussia Dortmund. Lucas Barrios und Neven Subotic waren die Torschützen. Luthe hatte Stammtorhüter Philipp Heerwagen vertreten. Am Ende der Saison stieg Bochum ab, der FCA scheiterte in der Relegation am 1. FC Nürnberg.

2764 Tage oder sieben Jahre und sieben Monate nach seinem bislang dritten und letzten Einsatz im Oberhaus kehrte der 30-jährige Torhüter auf die Bundesliga-Bühne zurück. Wieder hieß der Gegner Dortmund. Diesmal verlor Luthe nicht. Dass es zu einem Punkt reichte, lag hauptsächlich an ihm. Der 1,95 Meter große Luthe war der große Gewinner in einem Spiel ohne Sieger.

ANZEIGE

Am Donnerstag hatte sich Stammtorhüter Marwin Hitz, der bisher bei 32 von 32 Punktspielen im FCA-Tor stand, bei der letzten Aktion im Training an der Hüfte verletzt. Doch beim FCA hoffte man, dass man den Schweizer bis zum Dortmund-Spiel hinbekommen würde. Es gelang nicht. Am Samstagvormittag gab Hitz auf. Luthe musste aus dem Stand ins Tor. Kein Problem, meinte der nach seinem erfolgreichen Debüt. „Letztlich bin ich dafür geholt worden, dass, wenn mit Marwin was ist, ich da bin. Ich bin jetzt 30, hab viele wichtige Spiele gemacht.“

Andreas Luthe kann auch Bundesliga

Ja, aber die meisten nur in der zweiten Liga. Insgesamt waren es 154, alle für den VfL Bochum. Beim Zweitligisten war er lange Stammtorhüter, ehe er sich vergangene Saison mit Trainer Gertjan Verbeek überwarf und die Rückrunde auf der Tribüne verbrachte. Sein Vertrag lief aus, er verließ Bochum nach 15 (!) Jahren und unterschrieb beim FCA bis 2020. Nicht wenige Augsburger Fans runzelten die Stirn angesichts des Vier-Jahres-Vertrages für einen Zweitliga-Keeper. Seit Samstag wissen sie: Andreas Luthe kann auch Bundesliga. „Ich hab das Fußballspielen ja nicht verlernt“, erklärte Luthe selbstbewusst, aber nicht arrogant, in der Mixed-Zone.

Beim Gegentor war er machtlos, ansonsten brachte er mit seinen Paraden Aubameyang und Co. zur Verzweiflung. Das 1:0 bereitete er mit einem weiten Abschlag vor. Als FCA-Trainer Manuel Baum bei der Pressekonferenz auf dem Statistikzettel unter der Rubrik „Torschussvorlagen“ neben Philipp Max und Jonathan Schmid auch Luthe fand, sagte er: „Das ist lustig. Das Ding bring ich ihm mit.“

Viel wichtiger als die Torvorlage war, dass Luthe von Beginn an seinen Mitspielern und auch den tausenden FCA-Fans das Gefühl gab: Mit mir kann nichts passieren. „Luthe hat eine tolle Ausstrahlung“, lobte dann auch Geschäftsführer Sport, Stefan Reuter, den Aushilfskeeper. Der gab sich bescheiden: „Ich bin nur müde, weil ich länger nicht mehr 90 Minuten gespielt habe, aber auch glücklich, dass es ganz gut lief.“

Nächstes Mal dürfte wieder Hitz im Tor stehen

Luthe ist nach seinem ersten Pflichtspiel endgültig in Augsburg angekommen. Im Pokal spielte er gar nicht, in der 2. Mannschaft nur einmal. Er wolle den jungen Torhütern Spielpraxis geben, erklärte er dazu in einem früheren Interview.

Der gebürtige Nordrhein-Westfale – er stammt aus Velbert bei Düsseldorf – ist ein Profi-Fußballer, der sich nicht so einfach in die vorgefertigten Klischees einordnen lässt. Natürlich ist seine Freundin hübsch und er fährt auch ein schickes Auto. Aber Luthe hat zum Beispiel auch 2015 zusammen mit Jonas Ermes, seinem ehemaligen Bochumer Torwartkollegen und einem seiner besten Freunde, die Flüchtlingsinitiative „In Safe Hands“ ins Leben gerufen. Der Verein fördert Flüchtlinge, Kriegsopfer oder integrative Kinder durch Torwarttraining und bringt sie so mit deutschen Kindern zusammen. In Augsburg laufen gerade die ersten Projekte an.

Luthe wird beim Finale in Hoffenheim wohl wieder auf der Bank sitzen. Die Verletzung von Hitz ist nicht dramatisch. „Ich gehe davon aus, dass er spätestens Mitte nächster Woche wieder ins Training einsteigen kann“, erklärte Trainer Baum noch am Samstag. Für Luthe wäre das kein Problem. „Wenn Marwin fit ist, haben wir einen der besten Torhüter der Bundesliga in der Kiste. Wenn nicht, mach ich es wie heute und wir feiern auch alle.“

Lesen Sie zum FCA-Spiel auch:

i

Ein Artikel von
Robert Götz

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

Die Torschützenkönige der Bundesliga