Die Fans des FC Augsburg feiern nach der Partie gegen den Hamburger SV ihre Mannschaft. Nur beim Auftritt des Präsidenten droht die Stimmung kurz zu kippen. Von Tilmann Mehl
Es ist es ein Qualitätsmerkmal eines Films, wenn er Emotionen hervorruft. Wenn Menschen vor der Leinwand lachen, mit dem Hauptdarsteller leiden oder eine Träne verdrücken, hat der Regisseur vieles richtig gemacht. Diesmal allerdings pfiffen die Zuseher. Sie hatten das Gefühl, Zeuge eines Schmierentheaters zu sein.
Etwa 2 000 Fans bleiben nach dem 1:0-Sieg des FC Augsburg gegen den Hamburger SV auch noch eine halbe Stunde nach dem Spiel auf ihren Plätzen. Vor allem die Anhänger auf der Stehtribüne rund um den M-Block waren geblieben. Sie mussten ihren Kopf zur Seite neigen, um auf die Leinwand blicken zu können. Doch auf Komfort kam es nicht an. Wichtig war lediglich, was sie sahen und was sie hörten. Es gefiel den Fans nicht. Als um 17.50 Uhr Walther Seinsch bekannt gab, dass Jos Luhukay in der kommenden Saison nicht mehr Trainer des FCA sein wird, pfiffen die Zuschauer.
Zuvor allerdings hatten sie die Skeptiker Lügen gestraft. Sie nutzten die Bühne des unbedeutenden Spiels nicht, um gegen die Vereinspolitik zu protestieren. Statt der befürchteten Schmähgesänge für Walther Seinsch oder den neuen Manager Manfred Paula hallten immer wieder „Luhukay“-Rufe durch die SGL-Arena. Lediglich vereinzelt waren Plakate zu sehen auf denen Unmutsbekundungen zu lesen waren. Stattdessen: aufgemalte Luhukay-Schnauzer und immer wieder der Schriftzug „Jos“.



Die Zuschauer bewiesen zum wiederholten Mal in dieser Saison ihr feines Gespür für die Situation. Sie vergaßen nicht diejenigen, die für ein weiteres Jahr in der ersten Liga gesorgt haben: die Spieler. Der Jubel nach dem Führungstor durch Ja-Cheol Koo war nicht leiser als in den wichtigen Spielen. Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Stimmung aber, als Axel Bellinghausen 20 Minuten vor Schluss den Platz verließ. Die Zuschauer erhoben sich unter „Bello“-Rufen von ihren Plätzen und verabschiedeten den Publikumsliebling.
Bevor Seinsch mit seinen Ausführungen zum vorläufigen Stimmungskiller wurde, bedankten sich die Spieler auf einer Ehrenrunde für die Unterstützung der vergangenen Monate. „Eine Stadt – Ein Verein –Ein Ziel – 1. Bundesliga“ prangte auf dem Banner, das Spieler und Trainer in Händen hielten.
Es waren noch einmal rührende Szenen, als die Spieler mit ihren Kindern auf dem Platz herumtollten und von den Fans gefeiert wurden. Bis Seinsch kam. „Ich bin entsetzt. Dass diese Entscheidung so spät fällt, ist schlecht, wo doch so viele schon eine Dauerkarte für die Saison gekauft haben. Ich habe gewisse Zweifel an der Vereinsführung. Vielleicht will Seinsch sein Geld langsam wieder rausziehen“, mutmaßte beispielsweise Walter Thiel. Er war schon als Fan dabei, als der FCA noch drittklassig war und im Rosenaustadion spielte.
Doch die schlechte Stimmung unter den Anhängern hielt nicht lange an. Als sich die Mannschaft um 18.30 Uhr auf einer Bühne hinter dem Q-Block präsentierte, wurde sie von rund 3000 Fans gefeiert. Zehn Minuten später zeigte sich auch Luhukay dort den Fans. Natürlich konnte ihn auch der „Jos muss bleiben“-Gesang nicht von seiner Entscheidung abbringen, den FCA zu verlassen. Sichtlich gerührt war der Trainer aber schon.



Zu diesem Zeitpunkt kreisten auf der Bühne bereits die Bierflaschen. Da die Fans auch nicht im Trockenen stehen sollten, wurden sie kurzerhand zu Freibier eingeladen. Walther Seinsch bekam davon nichts mit. Anders als Manager Andreas Rettig mied er es, sich den Anhängern zu zeigen.
Um 19.15 endete die Kurzparty. Pfiffe waren da schon lange nicht mehr zu hören.
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