Marcel de Jong, Paul Verhaegh oder Kees Kwakman: Sportredakteur Robert Götz verrät, warum Trainer Luhukay gerne Spieler aus seiner niederländischen Heimat zum FC Augsburg holt.



Marcel de Jong, Paul Verhaegh und Kees Kwakman: Sportredakteur Robert Götz verrät, warum Trainer Jos Luhukay so gerne Spieler aus seiner niederländischen Heimat zum FC Augsburg holt.
Am Tag nach dem Transferschluss ging beim FC Augsburg alles seinen gewohnten Gang. Trainer Jos Luhukay war nach dem Wechsel-Endspurt ganz gelassen: "Wir sind ruhig und sachlich mit unserer Kadersituation umgegangen."
Aber auch der FCA legte drei Last-Minute-Transfers hin. Am Freitag wechselte Goran Sukalo zum MSV Duisburg, am Montag verpflichtete der FCA Kees Kwakman und am Dienstag lieh man kurz vor Toreschluss noch Edmond Kapllani zum SC Paderborn aus. Ein paar Tage zuvor hatte man Sören Bertram vom Hamburger SV nach Augsburg gelotst. Deshalb sagt Luhukay auch ganz unaufgeregt: "Wir haben zwei Spieler geholt und zwei abgegeben."
Für Kapllani, dessen Vertrag sich im Falle eines FCA-Aufstieges bis 2012 verlängern würde, ist es bereits die zweite Ausleihe. "Für Edmond sind die Perspektiven in Paderborn besser, Stammspieler zu werden", sagt Luhukay. Auch mit vier Offensivakteuren kommt Luhukay zurecht. "Michael Thurk gehört in die erste Elf, dann kämpfen drei Spieler um einen Platz." Überhaupt setzt Luhukay eher auf einen schlanken Kader. Derzeit hat er 18 Profis, zwei Torhüter und vier Nachwuchsakteure. "Mir ist Qualität lieber als Quantität. Wir haben Spieler, die flexibel einsetzbar sind."
Zur Qualitätssteigerung soll auch Kees Kwakman (28) beitragen. Er ist nach Marcel de Jong, Gibril Sankoh und Paul Verhaegh der vierte Niederländer im FCA-Trikot. Doch eine Blockbildung befürchtet Luhukay nicht: "Ich sehe das etwas anders. Gibril stammt aus Sierra Leone, Marcel aus Kanada. Also haben wir nur zwei richtige niederländische Spieler im Kader. Wir haben vier gute Spieler aus der höchsten niederländischen Liga geholt"
Und genau dort stimmt für Luhukay das Preis-Leistungsverhältnis. "Alle waren über Jahre Stammspieler in der Liga, sie haben zum Teil auch international gespielt. Sie haben Qualität." Deutsche Spieler mit dieser sportlichen Vita wären für den FCA unbezahlbar. Luhukay sagt: "Solcher Spieler aus der Bundesliga würden unseren finanziellen Rahmen sprengen. Die können wir uns nicht leisten."
Die Niederländer aber schon, auch weil die Mehrzahl der niederländischen Vereine finanziell am Krückstock geht. "Die Gehälter werden zurückgefahren, Vereine müssen Mitarbeiter entlassen. Vielen steht das Wasser bis hier", sagt Luhukay und zeigt an seine Nasenspitze. So ging es auch NAC Breda, dem Klub von Kees Kwakman.
Innerhalb von wenigen Wochen war der Verein führungslos als Präsident, Manager und Trainer ihre Ämter niederlegten oder wechselte. Der Pleitegeier kreiste über dem Klub, es schlug die Stunde des FCA. War der Kwakman-Transfer lange nicht realisierbar, ging es jetzt schnell. In Breda war man froh, Kwakman, dessen Vertrag bis 2013 lief, von der Gehaltsliste streichen zu können.
Im finanziellen Überlebenskampf wird auf sportliche Überlegungen wenig Rücksicht genommen. "Kees war für uns ein Schnäppchen", sagt Luhukay. Die Spekulationen über die Ablösesumme im Millionen-Bereich rufen bei ihm nur ungläubiges Kopfschütteln hervor. Er freut sich über den Coup. "Kees hat hervorragende Laktatwerte. Das ist nicht bei allen niederländischen Profis so, weil dort nicht soviel Grundlagen-Ausdauer trainiert wird. Aber Kees ist fit."
Jetzt geht es daran, die Integration voranzutreiben. Deshalb stand gestern Nachmittag auch eine Teambuilding-Maßnahme auf dem Programm. Es ging zum Paintball-Spielen nach Dinkelscherben. Von Robert Götz
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