Für Uwe Fischer und seine Crew sind die Tage derzeit lang. Zuletzt mussten die Mitarbeiter des FC Augsburg 6000 Dauerkarten von Hand eintüten. Von Robert Götz



Für Ticketing-Manager Uwe Fischer und seine Crew sind die Tage derzeit lang. Zuletzt mussten die Mitarbeiter des FC Augsburg 6000 Dauerkarten von Hand eintüten.
Es war wohl das, was man einen Sprung ins kalte Wasser nennt. Seit 1. Juni ist Uwe Fischer (26) neuer Ticketing-Manager beim FC Augsburg. Und seitdem hat der Newcomer einiges zu tun. Nicht nur, dass er zusammen mit seinen Mitarbeitern in diesen Tagen rund 6000 Dauerkarten versenden muss, was einen neuen Vereinsrekord für den Zweitligisten bedeutet, nein, Fischer musste auch noch das komplette Ticketing der U-20-WM in Augsburg organisieren und nebenbei läuft jetzt auch noch der Kartenverkauf für das DFL-Supercup-Spiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Schalke 04.
"Die Tage sind momentan schon sehr lang", sagt Fischer diplomatisch. Zwölf Stunden Arbeit sind keine Seltenheit. Doch dem gelernten Industriekaufmann macht seine Arbeit Spaß. An der Reinhold-Würth-Hochschule im württembergischen Künzelsau studierte er Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Sportmanagement. Zuletzt war er zweieinhalb Jahre beim TSV 1860 München mitverantwortlich für die Einführung eines Kunden-Beziehungs-Managements.
Da arbeitete er mit 15 Personen zusammen, hier beim FCA muss Fischer zusammen mit den Teilzeitkräften Daniela Ballovci, Jürgen Pöcher und der studentischen Hilfskraft Markus Gumbiller neben dem Ticketing auch noch die Verwaltung für die rund 3000 FCA-Mitglieder organisieren. Wo andere Vereine ganze Abteilungen beschäftigen, setzt man beim FCA noch auf familiäre Atmosphäre und die Tatkraft der Mitarbeiter.
Während die Fußball-Profis auf dem Spielfeld in Richtung Bundesliga blicken, hält der FCA auch hinter den Kulissen mit der sportlichen Entwicklung Schritt. Fischer sieht dies als reizvolle Aufgabe. "Der FCA ist ein aufstrebender Verein. Man spürt hier die Fußball-Begeisterung", sagt der Württemberger. Zum Beispiel am Dauerkartenverkauf. Mit viel Herzblut innerhalb des kleinen Teams hinter dem Verkaufstresen machen Fischer & Co. die schmale personelle Besetzung wett. Ein Beispiel: Als der FCA 2006 in die zweite Liga aufstieg, beschäftigte der Verein in der gesamten Geschäftsstelle zwei fest angestellte Mitarbeiter, mittlerweile sind es sechs Personen.
Bisher ist dem leidenschaftlichen Fußballer in seiner noch kurzen Amtszeit alles ganz gut gelungen. In Wolfschlugen bei Esslingen zu Hause, spielte Fischer bis zur C-Jugend beim VfB Stuttgart ("Den Sprung in die B-Jugend habe ich nicht geschafft"). Zuletzt kickte er für den Bezirksligisten FV Neuhausen/Filder. Doch immer öfter bleiben die Fußballschuhe im Schrank. "Wenn ich hier etwas mehr Zeit habe, will ich schon wieder spielen", sagt Fischer. Das wird aber noch etwas dauern.
Die U-20-WM ist abgewickelt, in Kürze beginnt der Einzelkartenverkauf und am 23. August dann der Kartenvorverkauf für die Vereinsmitglieder und Dauerkarteninhaber für das Derby gegen den TSV 1860 München Ende September. Eine Aktion, die in der vergangenen Saison auch bei der Relegation durchgeführt wurde und für Diskussionen sorgte, da Nichtmitglieder oder Nicht-Dauerkartenbesitzer kaum Chancen auf Karten hatten. "Wir belohnen damit treue Dauerkartenbesitzer und Mitglieder, sagt Fischer.
Gerade für die Spitzenspiele sind die neu gestalteten Eintrittskarten in die Impuls-Arena ein begehrtes Gut, das auch auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird. Etwas, das vor ein paar Jahren beim FCA undenkbar gewesen ist. Doch beim Auktionshaus Ebay gingen die Karten weg wie warme Semmeln. Sehr zum Unmut des FCA. Die Schwarzverkäufe will der Klub abstellen.
Deshalb führt der FCA erstmals einen personalisierten Kartenvorverkauf bei Topspielen durch. "Das hat nichts mit der WM 2006 zu tun, wo jede Karte einer Person zuzuordnen war. Wir wollen nur nachvollziehen können, wer welche Karten gekauft hat, und notieren daher den Namen des Käufers", beruhigt Fischer.
Damit sei der Weg der Karte nachvollziehbar. Es wird die erste Neuerung sein, die Fischer einführt. Er hat noch einige Ideen, doch der defensive Mittelfeldspieler will auch im Job nicht zu weit nach vorne preschen: "Im Moment habe ich viele Prozesse übernommen. Später will ich in Ruhe sehen, was wir optimieren können." Doch vor der Kopfarbeit kommt in diesen Tagen Handarbeit. "Wir haben die 6000 Dauerkarten händisch eingetütet und verschickt", sagt Fischer, damit die treuen FCA-Fans ihren Schlüssel zur Impuls-Arena rechtzeitig in Händen halten.
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