Andreas Schwab ist auch Tage danach noch verärgert. Das Bundesliga-Spiel zwischen dem FC Augsburg und dem 1. FC Kaiserslautern war gerade zu Ende gegangen und der Neu-Ulmer wollte zusammen mit seinem 16-jährigen Sohn die Augsburger SGL-Arena verlassen. Entlang der Südtribüne. Zusammen mit anderen FCA-Fans.
Aber Schwab durfte nicht. „Der Ordnungsdienst hat komplett dichtgemacht“, sagt er. Statt dessen musste der Familienvater die Arena durch den Gästeausgang verlassen, musste sich an Fans aus Kaiserslautern vorbeischieben, die an ihren Bussen auf die Heimfahrt warteten. Eine ungute Situation. Die Stimmung im FCK-Lager war aufgeheizt, gerade wegen des nicht gegebenen Elfmeters kurz vor Schluss.
Die Fans aus Kaiserslautern seien angetrunken und wütend gewesen, erklärt Schwab. Er sei als Fan mit FCA-Schal deshalb angepöbelt und beschimpft worden, sogar angespuckt hat man ihn. „Das war einfach nur ätzend“, sagt er.
Rund 350 Euro habe er für eine Dauerkarte im Block Y bezahlt, der an den Gästebereich angrenzt (siehe Grafik). Nicht erst seit Samstag fühlt sich Schwab als „Fan zweiter Klasse“. Es werde ihm seit einiger Zeit nicht mehr erlaubt, normales Bier oder Glühwein von Kiosken außerhalb seines Blocks mitzunehmen. „Wir werden von Ordnern gezwungen schnell auszutrinken, andernfalls müssten wir das Stadion verlassen“, so Schwab.
Niemand habe ihn auf die besonderen Bedingungen in Block Y hingewiesen, als er die Dauerkarte im Sommer vor der Saison im FCA-Café gekauft habe, auch wenn Schwab wusste, dass sein Block an den der Gastmannschaften angrenzt.
Sicherheitsbeauftragter will erst Bericht abwarten
Edgar Schweininger, der Sicherheitsbeauftragte des FC Augsburg, nimmt die Vorwürfe ernst. Er will aber erst den Sicherheitsbericht des Ordnungsdienstes abwarten, den er vom Spiel erhält, dann wird er die verantwortlichen Mitarbeiter befragen. Dass sich alles so zugetragen hat, wie Schwab es beschreibt, kann Schweininger sich nur schwer vorstellen. „Normalerweise haben wir in diesem Bereich keine Probleme“, sagt er.
Mit diesem Bereich meint Schweininger Block Y. Dort sitzen FCA-Fans und Gästefans, getrennt durch Auf- und Abgang. Ordner achten zudem darauf, dass sich die Gruppen nicht allzu sehr vermischen, weder vor und nach dem Spiel noch in der Halbzeitpause. Man habe ganz bewusst auf einen Käfig verzichtet, meint Schweininger. „Bisher hat das Konzept gut funktioniert.“ Auch, weil das Fan-Volk im Block Y kaum negativ auffällt. Dort sitzen nicht Anhänger des harten Fankerns, sondern vorwiegend Familienväter mit ihren Sprösslingen.
Einer wie Andreas Schwab eben. Dass der die SGL-Arena durch den Gästeausgang verlassen musste, will der Sicherheitsbeauftragte Schweininger nicht gänzlich ausschließen. Wenn, dann sei dies aber ein Einzelfall gewesen, mutmaßt er.
FCA-Fan Schwab widerspricht. Nicht nur er, sondern der gesamte Y-Block (rund 1000 Fans) hätte gemeinsam mit den FCK-Anhängern das Stadion verlassen müssen.