Felix Magath hört sich am Telefon gar nicht gut an. Hustenanfälle plagen ihn. „Ich hatte eine Grippe und das sind jetzt die letzten Ausläufer“, sagt er. Bis spätestens am Samstag (15.30 Uhr) wenn seine Mannschaft der VfL Wolfsburg beim FC Augsburg aufläuft will Magath wieder topfit sein. Wir sprachen mit dem VfL-Trainer.
Was hatten Sie für Gedanken, als sie vom Suizid-Versuch des Schiedsrichters Babak Rafati erfahren haben?
Magath: Ich habe es am Samstag vor dem Spiel erfahren und da hat man zunächst nicht viel Zeit zum Nachdenken. Insgesamt hat mich das sehr betroffen gemacht. Ich finde, dass Babak Rafati ein guter Schiedsrichter ist und außerdem ist er mir auch als Mensch sehr sympathisch. Er muss sehr verzweifelt gewesen sein. Ich hoffe, dass er bald wieder gesund ist.
Ein anderes Problem ist das Burn-Out-Syndrom. Kürzlich hat sich deshalb auch ihr Kollege Ralf Rangnick eine Auszeit genommen...
Erste Früchte sichtbar
Magath: Ich denke, das darf man nicht auf den Fußball reduzieren. Die Gesellschaft hat sich verändert. Es ist ein ständiger Informationsfluss und ich glaube, dass dies allgemein viele Menschen überfordert. Der Druck wird einfach größer. Es wird mehr beurteilt und auch mehr verurteilt.
Ihre Mannschaft hat gegen Hannover zuletzt sehr stark gespielt und 4:1 gewonnen. Ist der Knoten jetzt geplatzt?
Magath: Es gibt Anzeichen dafür, denn es war mit Sicherheit unser bestes Saisonspiel. Wir haben das Spiel kontrolliert und verdient gewonnen. Unsere Zusammenarbeit trägt jetzt die ersten Früchte.
Das ist der VfL Wolfsburg
Der VfL Woflsburg wurde am 12. September 1945 gegründet und hat aktuell rund 5.500 Mitglieder.
Die Vereinsfarben sind Grün und Weiß.
Neben Fußball gibt es noch 29 weitere Sportabteilungen, darunter auch außergewöhnliche Disziplinen wie Armwrestling, Cheerleading, Rollkunstlauf und Wushu.
Heimstätte des VfL Wolfsburg ist die Volkswagen Arena. Sier wurde im Herbst 2002 eröffnet und bietet Platz für 30.000 Zuschauer.
Der höchste Heimsieg gelang den Wölfen am 7. November 1998 gegen Borussia Mönchengladbach. Das Spiel endete 7:1.
Zuhause musste Wolfsburg seine größte Niederlage gegen Werder Bremen hinnehmen. Am 19. Spetember 1999 lautete das Ergebnis 2:7 aus Wolfsburger Sicht.
Größter Erfolg der Wolfsburger war die Deutsche Meisterschaft im Jahr 2009.
Bekanntester Spieler Wolfsburg ist Stefan Effenberg. Allerdings hatte er nur 19 Einsätze für den Verein, schoss dabei drei Tore.
Es hat lange gedauert bis ihre Truppe in Schwung gekommen ist...
Magath: Da gibt es zwei Gründe. Wir mussten in der vergangenen Saison bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt kämpfen. Das wirkt nach. Dann gab es in der neuen Saison natürlich einige Veränderungen im Kader. Da sind einige Spieler zunächst etwas unsicher. Sie müssen sich an das Trainerteam gewöhnen und umgekehrt auch die Trainer an die neuen Spieler.
Der FC Augsburg ist mit acht Punkten Schlusslicht der Tabelle. Die Favoritenrolle werden Sie annehmen müssen...
Magath: Der FCA ist zwar Letzter in der Tabelle, aber noch nicht abgeschlagen. Wie schnell so was gehen kann, haben wir alle in der vergangenen Saison bei Borussia Mönchengladbach gesehen, das sich nach einer fantastischen Rückrunde noch gerettet hat. Der FC Augsburg wird alles versuchen, um den ersten Heimsieg unter Dach und Fach zu bringen. Das wird für uns zwar eine schwere Aufgabe, aber ich bin natürlich auch optimistisch, dass wir die lösen können.
Beim FCA hat Trainer Jos Luhukay eine Jobgarantie. Er darf bleiben, auch wenn er bis Sommer alle Spiele verliert. Finden Sie das übertrieben?
Magath: Nein, ich finde das sehr gut. Das macht deutlich, dass nicht nur der Trainer für die Ausrichtung der Lizenzspieler-Abteilung zuständig ist, sondern dass auch andere Personen in der Verantwortung stehen. Das ist wohltuend. Man lässt den Trainer nicht allein im Regen stehen. In Augsburg wird ja auch mit bescheidenen Mitteln gearbeitet und daran sieht man auch, dass seriös gearbeitet wird.
Internationale Plätze anpeilen
Für viele Fans war es ja etwas unverständlich, dass Sie auf Schalke nach einem rauschenden Sieg in der Champions-League entlassen wurden...
Magath: Das ist das Geschäft. Auch ich habe mich damals gewundert, warum ich so hart kritisiert worden bin. Wir waren nur in der Bundesliga in einer etwas schwierigen Situation und da sind halt einige Leute nervös geworden.
Wie weit kann es in dieser Saison noch für Wolfsburg nach oben gehen?
Magath: Wir müssen jetzt erst mal schauen, dass wir unser Spiel in Augsburg gewinnen und dass wir uns bis zur Winterpause noch etwas von den Abstiegsplätzen entfernen. Dann werden wir die Vorrunde bewerten und analysieren. Aber meine Aufgabe ist es auch, dass ich langfristig denken muss. Ich will hier wieder etwas aufbauen und in nächster Zeit mit dem VfL Wolfsburg wieder um die internationalen Plätze spielen.
Wer wird in dieser Saison deutscher Meister?
Magath: Der FC Bayern natürlich. Daran ändert auch die Niederlage zuletzt gegen Dortmund nichts.
Interview: Wolfgang Langner