Freitag, 15. Dezember 2017

05. Dezember 2017 06:57 Uhr

FC Augsburg

Fünf Gründe, warum der FC Augsburg so erfolgreich spielt

Statt gegen den Abstieg spielt der FC Augsburg aktuell um eine Teilnahme am Europapokal. Für diesen Aufschwung gibt es Gründe. Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht.

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Augsburgs Trainer Manuel Baum mit seiner beliebten Taktiktafel. Einer der Gründe für Augsburgs Aufschwung ist, dass die Profis die Vorgaben ihres Trainers gewissenhaft umsetzen.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Wenn der FC Augsburg in der laufenden Bundesligasaison auf andere Klubs trifft, erweist er sich als unangenehmer Widerpart. Das endet oft in Augsburger Siegen und führt letztlich dazu, dass sich der FCA nach 14 Spieltagen überraschend weit oben in der Tabelle einsortiert. Punktgleich mit Borussia Dortmund steht er auf Platz sieben. Statt gegen den Abstieg zu kämpfen, beharkt er sich mit anderen Klubs um einen Startplatz im Europapokal. Fünf Gründe für den derzeitigen Aufschwung:

Trainer

Aus seinem ersten halben Jahr als FCA-Trainer ist Manuel Baum gestärkt hervorgegangen. Der 38-Jährige stand unter gehörigem Druck und kurz vor der Ablösung, behielt aber seinen Job und erreichte das Minimalziel Klassenerhalt. Wichtige Erfahrungen für einen Trainerneuling in der Bundesliga. Äußerlich bewahrt der zweifache Familienvater stets Ruhe. Ob seine Mannschaft nun 5:0 gewinnt oder 0:5 verliert – Baum analysiert das Geschehene nüchtern und arbeitet akribisch weiter. Der Realschullehrer hat etwas Elementares geschafft: Seine Spieler vertrauen ihm und sind überzeugt, dass sie Erfolg haben, solange sie Baums Vorgaben umsetzen. Über seine Fachkompetenz strahlt Baum natürliche Autorität aus, zudem kommt sein kommunikativer Stil gut an.

Taktik

Prinzipiell ist die Taktik des FC Augsburg leicht zu durchschauen. Könnte man zumindest meinen. Die Mannschaft des FCA formiert sich kompakt auf dem Rasen, verengt durch Verschieben die Räume und zwingt den Gegner so zu Ballverlusten. Baum betitelt das wiederholend als „eklig verteidigen“. Die Umschaltmomente nutzt seine Mannschaft zu schnellen Gegenangriffen. Dieser Spielidee folgen in der Bundesliga etliche Vereine, die FCA-Spieler haben sie verinnerlicht. Andere Klubs schaffen es seltener, ihren Plan derart konstant über die gesamte Spielzeit durchzuziehen: weil Spieler mit taktischen Zwängen weniger gut zurechtkommen oder sie nicht in der guten körperlichen Verfassung sind, die dieses laufintensive System erfordert.

Transferpolitik

In der vergangenen Spielzeit lagen die FCA-Verantwortlichen mit ihren Neuzugängen häufiger daneben. Vor der laufenden Runde haben Sport-Geschäftsführer Stefan Reuter und der Technische Direktor Stephan Schwarz daher ihre Personalpolitik verändert. Frühzeitig verstärkten sie sich, statt abzuwarten, welche Spieler während der Transferphase noch auf den Markt kommen. Mit Rani Khedira, Marcel Heller und Michael Gregoritsch haben drei Zugänge einen Stammplatz inne. Sturmtalent Sergio Córdova hat angedeutet, wie wertvoll er sein kann, ehe ihn eine Verletzung stoppte. Heller war zwar zuletzt aus der ersten Elf gerutscht, wird nun aber wohl wieder dorthin zurückkehren. Der Grund ist eine schlechte Nachricht für den FCA: Erik Thommy, 23, hat sich in Mainz das Syndesmoseband am oberen Sprunggelenk gerissen. Der Offensivspieler fällt mehrere Wochen aus und wird wohl auch die ersten Partien im kommenden Jahr verpassen.

 

Topscorer

Dass Fußball ein Mannschaftssport ist, diese Erkenntnis ist nicht neu. Dennoch hängt der Erfolg auf dem Platz von jedem Einzelnen ab. Das Selbstbewusstsein der FCA-Profis wächst mit jedem Erfolg, selbst Rückstände oder Niederlagen werfen sie derzeit nicht aus der Bahn. Kurz: Sie glauben an sich. Drei FCA-Spieler haben derzeit einen „Lauf“: Alfred Finnbogason (acht Tore), Michael Gregoritsch (sieben Tore), und Philipp Max (sieben Vorlagen) zählen zu den besten Scorern der Liga. Der FCA strahlt Torgefahr aus und agiert effektiv. Ein gewaltiger Unterschied zur vergangenen Spielzeit.

Teamgedanke

Trotz über 30 Profis im Kader halten sich Unzufriedene bisher mit öffentlicher Kritik zurück. Baum versucht, möglichst alle am Erfolg teilhaben zu lassen. Ergänzungsspieler lobt er etwa dafür, dass sie das Trainingsniveau hochhalten. Der Teamgedanke ist in Augsburg seit jeher ausgeprägt, der Klassenerhalt in der vergangenen Saison beruhte letztlich darauf. Nach den Abgängen der altgedienten Halil Altintop und Paul Verhaegh hat sich eine neue Hierarchie gebildet. Der Zusammenhalt in der verjüngten Mannschaft ist vielleicht sogar noch größer.

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Ein Artikel von
Johannes Graf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

Die Torschützenkönige der Bundesliga