Freitag, 20. Oktober 2017

20. September 2017 19:33 Uhr

FC Augsburg

Nach Baier-Sperre besteht Redebedarf beim FCA

Wegen einer obszönen Geste von Daniel Baier gerät der 1:0-Erfolg des FCA in den Hintergrund. Der DFB sperrt den Profi für ein Spiel. Was die FCA-Verantwortlichen dazu sagen.

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Nach dem Abpfiff stürmt Trainer Ralph Hasenhüttl (links) zu Augsburgs Kapitän Daniel Baier (rechts), der zunächst mit einer obszönen Geste aufgefallen war.
Foto: Stefan Puchner, dpa

Augsburg Seine Einsicht erfolgte am nächsten Tag. Womöglich war er sich erst da der Tragweite bewusst geworden. Daniel Baier meldete sich zu Wort. Über soziale Netzwerke teilte er mit, wozu er sich am Abend zuvor nicht durchringen konnte. Baier entschuldigte sich, nachdem er in der letzten Nacht kein Auge zugetan hätte. Er sei in einer Szene seiner Vorbildfunktion als Kapitän des FCA nicht gerecht geworden, erklärte er via Instagram. "Aus der Emotion heraus habe ich mich zu einer Geste hinreißen lassen, von der ich selbst nicht weiß, wie ich dazu komme."

Baier, 33, tat Buße, nachdem er während der Begegnung mit RB Leipzig nicht nur durch läuferischen Einsatz und leidenschaftliches Zweikämpfen aufgefallen war. Im Gedächtnis blieb das Bild, wie er Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl mit einer obszönen Geste provoziert hatte. In der 74. Spielminute spuckte Baier erst auf den Rasen, ahmte danach mit der Hand eine Masturbation nach und deutete Richtung Hasenhüttl. Weder Schiedsrichter Daniel Siebert noch seine Helfer an der Linie und Videoassistent Rainer Werthmann nahmen die Szene wahr.

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Nach dem gestrigen Spiel habe ich in der letzten Nacht kein Auge zugetan, mir auch die Zusammenfassungen unseres Spiels angesehen und mir viele Gedanken gemacht. Dabei bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich in einer Szene meiner Vorbildfunktion als Kapitän des FCA nicht gerecht geworden bin. Aus der Emotion heraus habe ich mich zu einer Geste hinreißen lassen, von der ich selbst nicht weiß, wie ich dazu komme. Dafür entschuldige ich mich bei all denjenigen, die dies als Beleidigung aufgefasst haben. Ich habe mich heute vor dem Training auch bei unserer Mannschaft entschuldigt, weil nun meine sinnlose Geste die tolle Leistung der Mannschaft in den Hintergrund rücken lässt. Ich hoffe, dass auch die Verantwortlichen von RB Leipzig nach einer Nacht anders denken, nachdem ich bereits auf dem Platz und auch später in der Leipziger Kabine versucht habe, mich zu entschuldigen und das Missverständnis aus der Welt zu räumen. Liebe Grüße Daniel

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FC Augsburg: DFB sperrt Daniel Baier für ein Spiel

Fernsehbilder entlarvten den Übeltäter Baier. Der Disput zwischen ihm und Hasenhüttl war damit nicht beendet, stattdessen verweigerte der RB-Coach nach Spielschluss den Handschlag mit Baier. Hasenhüttl begründete später, warum: Er, also Baier, wollte sich gar nicht entschuldigen. Anders stellten es der FC Augsburg und Baier dar. Der Spieler schrieb am Mittwoch, er habe auf dem Platz und später in der Leipziger Kabine versucht, sich zu entschuldigen, um "das Missverständnis aus der Welt zu räumen".

Erledigt war das Thema für Baier und den FCA damit allerdings nicht. Am Mittwoch bestätigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB), dass er gegen Baier wegen eines "krass sportwidrigen Verhaltens" ermittelt. Baier und der Bundesligist bekamen Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben. Bereits am Abend stand fest: Baier wird für ein Spiel gesperrt und muss eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro bezahlen. Da der 33-Jährige zustimmte, ist das Urteil rechtskräftig.

Beim Abendspiel des FC Augsburg gegen den RB Leipzig leuchtet die neue Fassade der WWK-Arena zum ersten Mal. Sieben Jahre haben Fans und FCA darauf gewartet, bis es endlich soweit ist...

Stefan Reuter, der Geschäftsführer Sport des FCA, hatte für jene Ermittlungen wenig Verständnis aufgebracht. Nach der Begegnung bezeichnete der 50-Jährige diese bereits als "lächerlich". Es seien Emotionen im Spiel gewesen. "Sonst müsste man jede Geste oder Aktion irgendwie nachverfolgen", merkte Reuter an.

Daniel Baier mit obszöner Geste gegen Ralph Hasenhüttl

Er gab zu bedenken, dass auch Hasenhüttls Verhalten "nicht ganz einwandfrei" gewesen sei. Reuters Empfehlung: "Man sollte diese Szene vergessen. Damit ist für mich das Thema erledigt." Da der DFB das gegensätzlich sah, musste sich Reuter nun doch nochmals mit Baiers Entgleisung beschäftigen.

Der Vorfall überschattete die Augsburger Party. Beseelt hatten die Besucher spät abends die siegesgrün beleuchtete Arena verlassen – über die Baier-Geste war vor allem das TV-Publikum informiert gewesen. Das Abendspiel garantierte beste Unterhaltung, dazu trugen beide Teams bei: die Leipziger, indem sie rasanten, technisch anspruchsvollen Zukunftsfußball zelebrierten; die Augsburger, indem sie brillant taktierten, leidenschaftlich verteidigten und eine Viertelstunde lang den Zenit ihres Schaffens erreichten. Ihr Lohn war nicht nur ein 1:0-Erfolg, der FCA siegte in der Bundesliga erstmals drei Mal in Folge und erklomm vorübergehend den dritten Tabellenplatz.

Den Siegtreffer erzielte Michael Gregoritsch am Ende eines beeindruckenden Spielzugs. Der Österreicher verspürte Genugtuung, nachdem er zuletzt in die Kritik geraten war. Ihm sei ein "Riesen-Rucksack" vom Rücken gefallen, gestand der 23-Jährige. Seine starke Leistung bewahrte Gregoritsch indes nicht davor, in der Halbzeit ausgewechselt zu werden. Aus taktischen Gründen, wie Trainer Manuel Baum später ausführte. Gregoritsch selbst hatte mit der Maßnahme kein Problem. "Wenn das so aufgeht, ist das umso besser", sagte er und verzog das Gesicht zu seinem typisch breiten Lachen.

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Ein Artikel von
Johannes Graf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


FCA-Trainer
Ist Manuel Baum der Richtige?


Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

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