Für Sebastian Langkamp sind Tore keine Standardsituation - auch wenn er schon einmal ein außergewöhnlich schönes erzielt hat. Von Robert Götz

Sebastian Langkamp (24) musste gar nicht lange überlegen. „Mein letztes Bundesligator? Das habe ich 2009 für den Karlsruher SC gegen Leverkusen gemacht.“ So ein Tor kann man auch nicht vergessen. Es war sein bis dato einziges. Und was für eines. Langkamp stand noch im Dienste des Karlsruher SC, als er in der BayArena Renato Augusto im Mittelkreis mit einer Grätsche stoppte, aus der plötzlich ein Schuss wurde, der über den verdutzten Bayer-Torhüter René Adler hinwegflog. Der KSC gewann Ende April mit 1:0. Am Samstag traf Langkamp wieder.
Nach einer Ecke von Daniel Baier köpfte er in der 72. Minute zum 2:2-Endstand ein. Ein bemerkenswertes Tor in vielerlei Hinsicht und ein Tor mit Ansage. „Der Trainer hat es angesprochen, dass wir aus Standardsituationen mehr Kapital schlagen müssen“, erklärte Langkamp nach den aufregenden 90 Minuten im Kraichgau.
Es war erst der dritte Treffer nach einer Ecke in der ersten FCA-Bundesliga-Saison. Eine zu geringe Ausbeute in der modernen Welt des Fußballs, in dem Erfolgserlebnisse nach einem ruhenden Ball immer wichtiger werden. Dass die Ecke gerade von Daniel Baier getreten wurde, war an diesem Tag kein Zufall.
Denn beide Spieler gehörten zu den herausragenden Akteuren auf dem Spielfeld. Trainer Jos Luhukay hob sie in seiner Analyse ausdrücklich hervor: „Sebastian hat eine starke Leistung abgeliefert und auch Daniel Baier hat heute ein sehr gutes Spiel gemacht.“ Beide sind die bisherigen Gewinner der Saison. Überraschenderweise.
Dass sich Neuzugang Langkamp, der beim Zweitliga-Kellerkind KSC keine Zukunft mehr sah, eine Liga höher in der Augsburger Innenverteidigung gleich zu einer tragenden Säule entwickelte, war genauso wenig abzusehen wie das Comeback von Daniel Baier. In der 2. Liga noch Stammgast auf der Ersatzbank, profitiert er jetzt von der Ein-Stürmer-Taktik von Jos Luhukay, die im Mittelfeld einen zusätzlichen Arbeitsplatz ermöglicht.
Und dort kommt Baier, einer der wenigen Kreativköpfe im Arbeiterkollektiv FCA, mit seiner Flexibilität gut zur Geltung. Es gab fast kein Fleckchen Rasen im Dietmar-Hopp-Stadion, das Baier am Samstag nicht besucht hätte. Doch am Ende ärgerten sich Langkamp und Baier mehr über den verpassten Sieg als über den Punktgewinn. Es ist nicht das erste Mal in dieser Saison. Es sind Achtungserfolge, die den Aufsteiger im Abstiegskampf aber nicht richtig weiterbringen. „Wenn du da unten rauskommen willst, musst du mal gewinnen“, erklärte Baier. „Wir können nicht von Woche zu Woche sagen, ja, nächste Woche haben wir die nächste Chance, wir hatten jetzt schon drei.“
Auch Sebastian Langkamp musste wieder auf schon oft gehörte Sätze zurückgreifen: „Wir haben nach Nackenschlägen wieder Moral bewiesen. Aber es ist einfach bitter, dass es wieder nicht zum Sieg gereicht hat.“ Bei nur drei Erfolgen, aber acht Unentschieden in dieser Saison schon fast eine verbale Standardsituation.
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