Sonntag, 23. November 2014

31. Januar 2013 09:45 Uhr

FC Augsburg

Seinsch hat sich vergaloppiert

Der Offene Brief von Walther Seinsch hat seine Berechtigung. Eine darin enthaltene These ist allerdings mehr als abenteuerlich.

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Der Vorstandvorsitzende des FC Augsburg, Walther Seinsch hat einen Offenen Brief an Innenminister Joachim Herrmann geschrieben.
Foto: Fred Schöllhorn

Früher war das Leben noch einfacher. Im Fernsehen war die Welt schwarz-weiß, und wenn der Typ mit dem schwarzen Hut über den Bildschirm galoppierte, dann wussten wir Bescheid: Aha, der Bösewicht. Und der Typ mit dem hellen Hut hieß John Wayne und setzte dem schlimmen Treiben rechtzeitig zum Abspann des Films ein Ende. Peng. Alles gut.

Im Laufe der Jahre hat uns dann nicht nur die Einführung des Farbfernsehens gelehrt: Die Welt kennt viele Farben und Schattierungen. Nur gut oder nur böse, das gibt es nicht. Auch John Wayne hat sich mal danebenbenommen.

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Wenn sich heute in und vor Fußballstadien Polizisten und Fans gegenüberstehen, dann mögen das nur ganz arg unbedarfte Beobachter immer noch als klassisch-reine Schwarz-Weiß-Konfrontation sehen. Da die wilden Hooligan-Horden, dort die braven Ordnungshüter. Oder, aus dem anderen Blickwinkel gesehen: Dort die bösen Bullen, hier die guten Ultras, die doch nur für Stimmung in den Stadien sorgen wollen.

Diskussion über das Thema Polizeigewalt muss erlaubt sein

So ist es natürlich nicht. Unter den Vereinsfahnen sammelt sich ein buntes Volk, vom friedliebenden Fußballfreund bis zum krawallsuchenden Adrenalinjunkie. Und auf Seiten der Ordnungskräfte? Gibt es viele gute Geister. Aber auch einige unangenehme Zeitgenossen, für die Prävention und Prügel nicht nur phonetisch sehr nah beieinanderliegen.

Es ist gerechtfertigt, wenn Walther Seinsch auf Fehlverhalten von Polizisten aufmerksam macht. Das muss auch im Interesse der „Guten“ liegen. Niemand kann eine Polizei wollen, deren Autorität auf Prügel basiert. Dass der FCA-Präsident seine Kritik publikumswirksam über einen offenen Brief lanciert hat – auch das ist ihm nicht vorzuwerfen. Eine öffentliche Diskussion über das Thema Polizeigewalt muss erlaubt sein.

Eine abenteuerliche, eine absurde These

In einem Punkt aber hat sich der gute Walther Seinsch vergaloppiert. Und zwar so heftig, wie es John Wayne auch in seinen schlechtesten Filmen nicht passiert ist. Der Vorwurf, die Unterstützungskommandos (USK) der Polizei provozierten gewalttätige Auseinandersetzungen, damit sie Besucher von Fußballspielen „als Ausbildungsobjekte (Stichwort Terrorbekämpfung)“ benutzen können, ist – vorsichtig ausgedrückt – sehr gewagt. Polizisten sollen sich also verabreden zuzuschlagen, nach dem Motto: So, jetzt prügeln wir auf ein paar Fußballfans ein. Nur mal so zum Training. Damit wir dann im Ernstfall wissen, wie auf Terroristen einzuschlagen ist.

Eine abenteuerliche, eine absurde These. Wer für die Anschuldigung „es gibt eine gezielte Absprache zur Zuschauerverprügelung“ keine Beweise bringen kann, der sollte besser schweigen. Das täte seiner Sache gut.

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