Donnerstag, 18. Januar 2018

08. Januar 2018 11:25 Uhr

FC Augsburg

So entwickelt sich Sergio Cordóva beim FCA

Sergio Cordóva hat in der bisher kurzen Zeit in Augsburg sportlich und menschlich viel dazugelernt. Dabei hilft ihm auch sein Glaube. Doch etwas löst in ihm Unbehagen aus.

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Sergio Cordova beim FCA-Trainingslager auf Teneriffa.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Schon der Gedanke an Schnee, Eis und Minustemperaturen löst bei Sergio Cordóva Unbehagen aus. Entsprechend wohl fühlte er sich während des Trainingslagers des FC Augsburg auf Teneriffa. Die Sonne, das Klima, die Sprache – dies alles erinnerte ihn an seine südamerikanische Heimat und verbesserte sichtlich seine Laune. In Venezuela ist der 20-Jährige aufgewachsen, dort wurde er zum Fußballer ausgebildet, ehe er im Sommer vergangenen Jahres in die Bundesliga wechselte. Vieles ist für ihn neu gewesen, auf und abseits des Platzes. Nach rund sechs Monaten fällt er dennoch ein positives Fazit. „Es war für mich ein gutes halbes Jahr, ich habe menschlich und sportlich viel dazugelernt.“

Mühe bereitet ihm weiterhin die deutsche Sprache, die ungemein schwer zu lernen sei. Zweimal die Woche besucht der lernwillige Schüler den Unterricht einer Sprachschule, ein- bis zweimal lernt er zusätzlich bei einem Privatlehrer. Inzwischen versteht er Deutsch. Um die Fragen der Journalisten zu beantworten, bedient er sich aber des Dolmetschers Matthias Kipke. Weil jener zudem für die Scouting-Abteilung des FCA arbeitet, war er maßgeblich am Cordóva-Transfer beteiligt.

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Trainer Manuel Baum, als ehemaliger Realschullehrer vom Fach, berichtete einmal, Cordóva würde selbst in der Kabine Deutsch lernen. Der Venezolaner hat sich als Ziel gesteckt, diese bis Ende des Jahres flüssig zu sprechen. Über die Sprache will der bullige Angreifer einen engeren Zugang zur hiesigen Kultur und zum Leben in Europa finden.

An den Weihnachtsfeiertagen verweilte er zu Hause bei seiner Familie und den beiden jüngeren Schwestern, den Jahreswechsel erlebte er wieder in Augsburg. Keine leichte Zeit für ihn, wie er gesteht. Seine Familie habe er arg vermisst. Cordóva räumt allerdings ein: „Ich habe gewusst, auf was ich mich einlasse.“ Seine freie Zeit verbringt er in seiner Wohnung, außerdem unternimmt er viel mit seinen Mannschaftskollegen Daniel Opare und Caiuby, die innerhalb kurzer Zeit Freunde geworden sind.

Sergio Cordóva: Warum ihm der Glaube an Gott so wichtig ist

Auch sein Glaube hilft ihm. Im Gespräch legt Cordóva mehrmals seinem Dolmetscher den Zusatz „so Gott will“ in den Mund. Der Jungprofi begründet: „Ich lese gerne die Bibel und bete oft. Gott ist für mein Dasein sehr wichtig.“ Cordóva meint, alle Dinge in seinem Leben würden aus einem bestimmten Grund geschehen. Er wirkt überzeugt, sein Schicksal ist vorbestimmt. Womöglich wollte dieses auch, dass er im Dezember erstmals mit Schnee in Berührung kam. Während sich seine Mitspieler köstlich amüsierten, beschreibt er seine Premiere als „Desaster“. Cordóva erinnert sich, wie ihm dicke Flocken ins Gesicht flogen. „Ich bin gerannt, habe nichts gesehen. Wusste teilweise nicht, wo ich auf dem Platz stehe.“ Abseits des Rasens musste er sich ebenso mit dem Winter arrangieren. Er kaufte sich gefütterte Klamotten, damit er nicht mehr so arg fror.

Neben dem Wetter fordern taktische Disziplin, Ordnung auf dem Platz und Spielgeschwindigkeit Anpassungsfähigkeit ein. Baum schätzt Cordóvas Qualitäten, seine körperliche Robustheit, seine Durchschlagskraft und Dynamik. Gegenüber dem Strafraumstürmer Alfred Finnbogason stellt er einen anderen Angreifertyp dar. Baum setzte daher von Saisonbeginn an auf Cordóva, den ein Außenbandriss am Sprunggelenk Mitte der Vorrunde in seinem Tatendrang ausbremste. Der Spieler wirkt zurückhaltend, ihm fehlt es deshalb aber nicht an Selbstbewusstsein. „Ich habe von Beginn an in jedem Training Gas gegeben. Es hat mich nicht überrascht, dass ich von Anfang an im Kader stand“, sagt er.

Sicherheit geben ihm seine ersten Berufungen in die Nationalmannschaft. Für ihn sei damit ein Traum in Erfüllung gegangen, merkt er an. „Das macht mich unglaublich stolz.“ Viermal lief Cordóva für sein Heimatland auf, nächstes Ziel ist die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Im FCA-Trikot wartet Cordóva noch auf einen Startelfeinsatz. Wobei seine Chancen gestiegen sind, schon beim Rückrundenauftakt gegen den Hamburger SV vom Anpfiff weg dabei zu sein. Torjäger Finnbogason plagt sich weiterhin mit Achillessehnenbeschwerden. Ansprüche meldet Cordóva aber keine an. Er hoffe, Finnbogason kehrt schnell zurück. Und alles andere liegt in Gottes Hand, würde Cordóva wohl sagen.

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Ein Artikel von
Johannes Graf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


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Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Präsident des FC Augsburg ist Klaus Hofmann, kaufmännischer Vorstand ist Jakob Geyer. Der Aufsichtsratvorsitzende des FCA ist Peter Bircks. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Robert Schraml (Marketing), Michael Ströll (Finanzen) und Stefan Reuter (Sport). Der FCA trägt seine Heimspiele in der 30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

Der Spielplan des FC Augsburg 2017/16

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