Samstag, 18. November 2017

19. Oktober 2017 11:56 Uhr

FC Bayern

Bayern unter Heynckes: Zurück in die Zukunft

Der Auftritt des FC Bayern gegen Celtic erinnert an das Triple-Team 2013. Jupp Heynckes versucht, das Team mit Kniffen aus der Vergangenheit in die Zukunft zu führen.

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Bayern-Trainer Jupp Heynckes war trotz des souveränen 3:0-Erfolgs seiner Mannschaft nicht vollkommen zufrieden mit seinem Team.
Foto: Christof Stache, afp

Das waren keine guten Nachrichten für Arturo Vidal, James, Niklas Süle und all die anderen, die den 3:0-Sieg ihrer Mannschaft größtenteils von der Bank aus mitverfolgten. Jupp Heynckes nahm ihnen rasch die Hoffnung, im kommenden Ligaspiel gegen den Hamburger SV von Beginn an mitwirken zu können. Schließlich sei es am Anfang einer Amtszeit „notwendig, dass man Rückenwind bekommt und die ersten Spiele gewinnen muss“, so der Trainer. Da könne er „nicht viele Experimente machen“.

Als solche empfindet er offenbar Einsätze von James – der in Südamerika für einen Weltstar gehalten wird. Oder Vidal – der sich zumindest selbst für einen Weltstar hält. Oder Corentin Tolisso – dem mit 42 Millionen Euro teuersten Transfer der Vereinsgeschichte.

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Heynckes reist zurück in die Zukunft. Er versucht mit jenen Kniffen die Mannschaft zurück in die Spur zu bringen, mit denen er 2013 die Champions League gewann. Auch damals vertraute er einem festen Stamm von Spielern. Namhafte Akteure wie Mario Gomez, Daniel van Buyten oder Luiz Gustavo blieb meist nur der Platz auf der Bank. Das Bemerkenswerte daran: Übellaunige Kommentare sind nicht in Erinnerung geblieben. Heynckes gelang es, auch den Ergänzungsspielern das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Teil der Mannschaft zu sein. Gleiches versucht er nun wieder. „Ich habe mit jedem gesprochen, der nicht von Anfang an auf dem Platz stand – länger als mit den anderen“, so der Trainer.

Gegen Celtic reicht noch wenig Aufwand

Eine Gewähr, dass der 2017er-Jahrgang ähnlich besonnen mit persönlichen Enttäuschen umgeht wie 2013, gibt es natürlich nicht. Heynckes aber ist optimistisch, schließlich „werden alle ihre Chance bekommen. Wir brauchen bei dem Riesenprogramm jeden Spieler.“

Bayern München spielt in der Champions League ohne Martinez gegen Celtic Glasgow. Der Spanier hat sich eine Verletzung am rechten Schultergelenk zugezogen.

Nicht jede Partie lässt sich mit vergleichsweise geringen Kraftaufwand bestreiten wie das 3:0 gegen Celtic Glasgow. Nach einer imposanten Anfangsphase und den Treffern durch Thomas Müller (17.) und Joshua Kimmich (29.) konnten die Münchner dem Ende der Partie gemütlich entgegenspielen.

Dabei zeigte sich, dass Heynckes nicht nur im Bereich der Menschenführung auf bekannte Verhaltensweisen zurückgreift, auch taktisch reist er in die Vergangenheit. Wo sich unter Carlo Ancelotti die Spieler in den zugestandenen Freiräumen mitunter verirrten, geht der 72-Jährige zwei Schritte zurück. Wiederum zum Triple-Team. Klare Strukturen. Statt künstlerisch wertvoller Positionsrochaden samt pittoresekem Kurzpassspiel wie noch unter Pep Guardiola nun wieder ein für den Laien erkennbares Gefüge.

Thiago gibt dem Ganzen einen etwas originelleren Anstrich als es anno 2013 Javi Martinez und Bastian Schweinsteiger im Mittelfeld taten. Neben dem gerade aufblühenden Kingsley Coman ist aber Thomas Müller der größte Profiteur des Trainerwechsels. Er genießt die Freiräume, die ihm Heynckes zugesteht und die er nun auch nutzen kann, da seine Mannschaftskameraden ihre Positionen treu besetzen.

FC Bayern mit Nachlässigkeiten am Ende

Das Spiel gegen Glasgow dürfte sich aber nur bedingt dazu eignen, Rückschlüsse auf das wahre Leistungsvermögen der Münchner zu ziehen. Zu beschränkt waren die Möglichkeiten der Schotten, um dem FC Bayern wirklich gefährden zu können. Dass sie trotzdem in der zweiten Halbzeit einige Male gefährlich vor Torwart Sven Ulreich auftauchten, zeigt vielmehr den immer noch vorhandenen Hang zur Lässigkeit. Den konnten sich die Münchner nach dem 3:0 durch Mats Hummels (51.) auch leisten und das kam Heynckes wahrscheinlich gelegen. So hatte er immerhin noch einen Grund, zu mahnen. Und auch die Spieler übten Selbstkritik am fahrigen Schlusseindruck.

Orientierten sie sich unter Ancelotti noch an jener Redensart, wonach ein gutes Pferd eben nur gerade so springen muss, wie es notwendig ist, gilt nun wieder das Streben nach dem Optimum als Maßgabe. Das gab es zuletzt unter dem Toptop-Trainer Guardiola. Zurück in die Zukunft.

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Das ist der FC Bayern

Der FC Bayern ist der erfolgreichste Fußballverein Deutschlands. Am 27. Februar 1900 wurde der Verein gegründet. Er geht aus der Fußballabteilung des MTV München hervor. Der FC Bayern gewann in seiner Geschichte bislang 26 Mal die deutsche Meisterschaft und 18 Mal den DFB-Pokal. Außerdem waren die Münchner in allen internationalen Wettbewerben erfolgreich. So gewann man fünf Mal die Champions League (ehemals: Pokal der Landesmeister), ein Mal den Pokal der Pokalsieger (1967) und den Uefa-Pokal (1996). In den Jahren 1976 und 2001 gewannen die Münchner den Weltpokal, 2013 die Fifa-Klub-Weltmeisterschaft.

Für den FC Bayern München spielten unter anderem: Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Sepp Maier, Uli Hoeneß, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge, Klaus Augenthaler, Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn, Mehmet Scholl und Michael Ballack.

Vorstandsvorsitzender des FC Bayern ist Karl-Heinz Rummenigge. Trainer der Mannschaft ist seit Juli 2016 Carlo Ancelotti.


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