Mittwoch, 22. Mai 2013

28. November 2011 15:32 Uhr

FC Bayern München

Eine Krise, aber keinen Plan

Die Krise beim FC Bayern war abzusehen. Sie hat mit Arroganz, Schweinsteigers Fehlen und einem mangelhaften Matchplan zu tun.

Da legst di nieder. Auch bei Mario Gomez läuft es derzeit in der Liga nicht rund
Foto: dpa

Es gibt keinen anderen Verein in Deutschland, bei dem bereits nach zwei Niederlagen am Stück das Wort Krise verwendet wird. Und doch trifft es auf die derzeitige Situation des FC Bayern München zu. Weil der Rekordmeister innerhalb einer Woche eine komfortable Führung verspielt hat, einem Rückstand hinterherläuft und nicht weiß, wie er den Abwärtstrend stoppen soll. 

Die Münchner wirken hilflos. Sie flüchten sich in Floskeln. Mehr laufen müsse man. Aggressiver wolle man zu Werke gehen. Alles richtig. Aber Gesagtes auch umzusetzen ist von jeher ein Problem. Zumal die mangelnde Laufleistung nur bedeutendere Probleme kaschiert. Der FSV Mainz 05 ist zwar sechs Kilometer weiter gelaufen als die Münchner, in der Vergangenheit brüsteten sich die Bayern aber wegen solcher Zahlen. Man habe eben einfach den Gegner laufen lassen, hieß es dann. Das Problem ist ein anderes.

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Kroos hängt durch

Den Münchnern fällt reichlich wenig ein, wenn der Gegner ein konsequentes Defensivkonzept verfolgt. So war es gegen Gladbach, Hannover, Dortmund und Mainz. Das sind nicht umsonst die Mannschaften, bei denen am ehesten so etwas wie die viel zitierte Handschrift des Trainers zu erkennen ist. Bereits in der vergangenen Saison lahmte das Spiel der Münchner, wenn Ribéry und Robben aus dem Spiel genommen wurden. Ähnliches widerfährt den Münchnern gerade wieder. Ein überragender Kroos und ein Schweinsteiger in Weltklasseform boten genügend Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Nach der Verletzung von Schweinsteiger hängt Kroos durch. Weil er noch mehr Verantwortung tragen muss und das Spiel durch Alaba und Gustavo im Zentrum an Wucht, Schnelligkeit und Präzision verloren hat.

Doch selbst als Schweinsteiger noch mitwirkte, war bereits eine Schwäche im Konstrukt der Münchner zu erahnen. Die Bayern haben in dieser Saison erst ein Spiel gewonnen, wenn sie nicht bereits zur Halbzeit vorne lagen. Das war am zweiten Spieltag (1:0 in Wolfsburg, Gustavo trifft in der 90. Minute).

Normalerweise greifen die Münchner in den ersten Minuten einer Partie überfallartig an. Oft führen sie bereits nach wenigen Minuten, spätestens aber bis zur Halbzeit. Geht dieses Konzept nicht auf, fehlt den Münchnern ein Ausweichplan. Hat sich ein Gegner erst einmal auf den Rekordmeister eingestellt, sind die Münchner hilflos. Impulse von der Bank bleiben aus oder verpuffen schnell.

Dabei ist es nicht so, dass sich Mainz oder Dortmund in der eigenen Hälfte eingeigelt hätten. Beide Mannschaften haben bereits in der Bayern-Hälfte den Zweikampf gesucht, verhinderten präzise Bälle auf Kroos oder die offensiven Außenspieler. Lange Bälle in die Spitze waren die Folge.

Das Spiel der Bayern leidet unter Arroganz

Doch auch dagegen gibt es Mittel. Wenn Situationen spielerisch nicht zu lösen sind, folgt eben der lange Ball. Das ist nicht schön, kann aber auch erfolgreich sein. Umso wichtiger ist dann aber der zweite Ball. Die Abpraller aus dem Defensivzentrum des Gegner landen nicht automatisch beim Gegner. Hier wäre Laufbereitschaft gefragt. Hier fehlt sie. Den Abpraller in der gegnerischen Hälfte zu erobern, ermöglichen Zeit und Raum im gegnerischen Abwehrdrittel - und somit Torchancen.

Hier allerdings leidet das Spiel der Bayern unter Arroganz. Es scheint so, als sei man nicht gewillt, sich auch auf die Stärken des Gegners einzustellen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die Münchner sind derart von ihren Fähigkeiten überzeugt, dass sie es für schlichtweg unmöglich halten, sie nicht zum Einsatz bringen zu können. Und wenn es dann doch mal nicht klappt, prangert man mangelnde Aggressivität und Laufleistung an. Schmälert somit den Gegner, der offenbar einen genauen Plan verfolgt. Einen Plan, der dem FC Bayern derzeit fehlt.

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