Samstag, 25. Mai 2013

15. Oktober 2011 18:19 Uhr

FC Bayern

Einzelkritik: Überragender Boateng kann es auf Außen

Der FC Bayern ist nicht zu stoppen. Mit 4:0 fertigten Franck Ribéry und Co. Hertha BSC Berlin ab. Jerome Boateng zeigte, dass er auch in der Offensive glänzen kann. Von Sebastian Hrabak

Es war eine homogene Mannschaftsleistung, was der FC Bayern München beim 4:0-Sieg gegen Hertha BSC ablieferte. Die Mannschaft um Franck Ribéry spielte mit den Berlinern Katz und Maus.

Besonders über die rechte Außenbahn war in der ersten Halbzeit viel Betrieb. Jerome Boateng wetzte an der Linie auf und ab und schüttelte meist zwei Gegenspieler ab.

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Auch der Rest der Mannschaft - insbesondere Bastian Schweinsteiger - zeigte eine formidable Leistung gegen Herthaner, die sich wie am ersten Schultag in der Allianz Arena gefühlt haben müssen. Die Einzelkritik:

Manuel Neuer: Der Münchner Keeper hatte mal wieder nichts zu tun. Die zweite Ballberührung für Neuer war in der 38. Minute. In der zweiten Hälfte wollte der Bayern-Torhüter dann etwas mehr mitspielen und tauchte plötzlich zwischen seinen Abwehrspielern auf. In der 88. Minute war er nochmal mit einer Faustabwehr gefordert. Mehr Finessen aus seinem Repertoire durfte Neuer gegen Berlin nicht zeigen.

Jerome Boateng: Es ist unglaublich, wie sich der junge Abwehrspieler in das Münchner Team integriert hat. Auf der Innenverteidigerposition ist er stets sicher. Nun trumpft Boateng auf der von ihm ungeliebten Außenbahn auf. Mehr Offensivdrang geht nicht. Band stets Änis Ben-Hatira, der zumeist das Nachsehen hatte. Aber Boateng ging heute gern gegen zwei Abwehrspieler der Berliner in den Zweikampf - und gewann so wie bei der Torvorbereitung von Franck Ribérys 2:0. Vielleicht will er jetzt doch häufiger über die rechte Seite spielen, auch wenn dann Rafinha verschenkt wäre.

Daniel van Buyten: Er war auf dem Platz und löste alle Aufgaben. Es waren jedoch nicht viele davon. Auch deshalb könnte Boateng bald Abstand davon nehmen, Innenverteidiger spielen zu wollen. Denn in der Verteidigung wird der FC Bayern einfach nicht mehr gefordert.

Holger Badstuber: Er war aufmerksam, leistete sich allerdings hier und da einen Stellungs- oder Passfehler. Bügelt aber auch einen Fehler von Philipp Lahm aus. Insgesamt waren die Angriffe der Herthaner allerdings nie so gefährlich, dass Badstuber auch nur in irgendeinerweise in Verlegenheit hätte kommen können.

Philipp Lahm: 123 Spiele in Folge stand der Kapitän der Bayern auf dem Feld. Nach 78 Minuten war der Auftritt für ihn zu Ende. Natürlich hatte Lahm ebenso wenig wie die Kollegen in der Abwehr zu tun. Hätte sich in der zweiten Hälfte nach schöner Vorbereitung durch Müller in die Torjägerliste eintragen können. Scheiterte aber an Torhüter Thomas Kraft, der an diesem Nachmittag tatsächlich der beste Berliner war. Für Lahm kam Diego Contento.

Thomas Müller: Hätte natürlich sein Tor machen müssen nach überragender Vorarbeit durch Schweinsteiger im Sechzehner. Legte zweimal gefühlvoll auf Lahm und Schweinsteiger auf, die jedoch das Tor nicht machten. Ansonsten kämpfte, rackerte und arbeitete Müller, wie es für ihn selbstverständlich ist. In der 73. Minute ging er für David Alaba vom Feld.

Bastian Schweinsteiger: Er ist wieder auf Top-Niveau. Seine Pässe kommen am Schnürchen gezogen. Er schoss nach überragender Vorarbeit durch Ribéry überlegt zum 3:0 ein. Schweinsteiger trifft die richtigen Entscheidungen. Er ist der General einer Bayern-Mannschaft, die in dieser Form zu großen Taten bereit ist. Wenn sich Schweinsteiger nicht verletzt, könnte er in dieser Saison zum überragenden Akteur auf der internationalen Fußballbühne werden.

Anatoliy Tymoshchuk: Er rotierte für Luiz Gustavo in die Mannschaft. Es wirkt, als komme der Ukrainer nun endlich bei den Bayern an. Tymoshchuk erinnert an den Holländer Mark van Bommel - nur in Besser. Er geht dahin, wo es weh tut. Scheut keinen Zweikampf und zeigt nebenbei, dass er auch Pässe über 30 Meter genau auf den Fuß seiner Kollegen spielen kann. So erlebte man ihn bei Zenit St. Petersburg, so hoffte man, dass er sich bei Bayern präsentiert. Unter Louis van Gaal durfte der Nationalspieler zumeist nur in der Innenverteidigung ran. Heute hat man gesehen, wie gut er ins defensive Mittelfeld passt.

Toni Kroos: Der Spielmacher zeigte sich in der ersten Hälfte nicht so präsent, musste er auch nicht, denn seine Nebenspieler übernahmen diese Aufgabe. In der zweiten Hälfte kämpfte sich Kroos mehr ins Spiel. Viele kluge Bälle in die Spitze liefen über seine Position. Er ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Franck Ribéry: Wer ist eigentlich Arjen Robben. Gut, der Holländer saß zwar in der Allianz Arena, gegen die Hertha wurde er aber nicht gebraucht. Denn der FC Bayern hat seinen Franck Ribéry in Bestform. Was der Franzose momentan auf dem Platz zeigt, ist wirklich weltklasse. War an allen vier Toren beteiligt, eines davon schoss er nach glänzender Vorarbeit von Boateng, auch den Elfmeter holte er mit einem klugen Dribbling raus. In dieser Form ist Ribéry nicht zu stoppen, schon gar nicht von Hertha-Verteidiger Christian Lell. Es ist einfach ein Genuss, diesem Fußballer beim Kicker zuzuschauen. Hätte aber noch mindestens ein Tor mehr machen können.

Mario Gomez: Er ist die Tormaschine. Schon wieder netzte Gomez doppelt. Damit hat er insgesamt 15 Tore auf seinem Saison-Konto. Erstaunlich war dazu, dass Gomez an den Kombinationen des FC  Bayern teilnahm. Bei seiner Kopfball-Chance zeigte er auch mal wieder, dass er kein Karl-Heinz Riedle mehr wird. Gomez war gegen Hetha auch in der Defensive stark. Ging in der 75. Minute für Ivica Olic vom Feld.

David Alaba: Als er kam, war das Spiel schon gelaufen. Versuchte sich, in die Offensive einzubringen, auch wenn die Kollegen Schweinsteiger und Kroos schon mehr aufs Verwalten umgeschaltet haben. Zeigte mal wieder, dass er ein hervorragender Spieler ist, der dem FC Bayern frischen Wind von der Bank gibt.

Ivica Olic: Hatte eine kleine Halbchance. Doch er verlor beim Versuch, die Innenverteidiger zu narren, unglücklich den Ball. Ansonsten kann Olic nach seiner schweren Verletzung noch nicht die Qualität vergangener Tage haben. Doch es zeigt den Bayern vor dem Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel, dass wieder eine Variante mehr im Sturm möglich ist.

Diego Contento: Ersetzte auf der linken Abwehrseite Mister Zuverlässig Lahm. Doch zu tun bekam Contento genauso wenig. Doch es war wohl eine nette Geste von Heynckes, auch mal den Backup von 123-Spiele-Mann Lahm zu bringen.

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